|  17. Februar 2016
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Verlader und Logistiker müssen gut organisiert sein

Gefahrgut-Verlader und Logistiker müssen gut organisiert sein.

Internationale und multimodale Logistikketten mit Gefahrgut sind keine einfache Angelegenheit. Wie fragil solche Ketten sind, zeigt sich dann, wenn sich äußere Bedingungen ändern. Wie die beteiligten Logistiker und Verlader damit umgehen können, war ein übergreifendes Thema der 32. Internationalen Gefahrgut-Tage, einer Veranstaltung des Storck Verlages in Hamburg.

Tianjin und die Folgen

Das vergangene Jahr wird für die Gefahrgut-Welt immer mit dem Stichwort „Tianjin“ verbunden sein. Bei einem Containerbrand mit Explosionen kamen nach offiziellen Angaben 173 Menschen ums Leben, 797 wurden verletzt. Die Katastrophe vom August 2015 stellt Logistikketten bis heute auf eine enorme Belastungsprobe. Quasi über Nacht änderten chinesische Häfen ihre Gefahrgutvorschriften. Ken Rohlmann, Leiter der Gefahrgutabteilung bei Hapag Lloyd, spricht von „panikartigen Reaktionen“, die bis heute andauern.

Auch in Deutschland haben große Unfällen zu neuen Vorschriften geführt - doch die galten dann bundesweit. In den chinesischen Häfen ist derzeit jedoch von einheitlichen Regelungen keine Spur. Mitunter weichen die Vorgaben sogar von Terminal zu Terminal ab.  „Was gestern noch aktuell war, ist heute bereits überholt“, beklagt Rohlmann. Sprachbarrieren und unklare Anweisungen sorgten zusätzlich für Probleme im Tagesgeschäft.

In einigen Häfen sind Gefahrgutsendungen seit Monaten völlig unerwünscht. Reedereien haben dadurch nicht nur einen höheren Planungsaufwand. Doch es gibt auch andere, weit gefährlichere Konsequenzen: Einige Unternehmen sehen nun die einzige Chance auf reibungslose China-Transporte darin, ihre Gefahrgüter nicht mehr zu deklarieren. Einen Anstieg von über 60 Prozent an fehlerhaften Gefahrgutdokumentationen hat die Reederei im vergangenen Jahr mithilfe ihrer Kontrollsoftware „Watchdog“ registriert. Dazu trug zwar auch eine größere Zahl der kontrollieren Container bei, doch Rohlmann macht vor allem die Verbotspolitik in Asien für den Anstieg verantwortlich. Seine Beobachtung: „Bekannte ehrliche Kunden sind nach Tianjin plötzlich mit Falschdeklarationen auffällig geworden.“

Unternehmen im Fokus der Ermittler

Damit geht die Verbotspolitik nach hinten los. Das schafft neue reale Risiken, kann aber für die Unternehmen auch ein juristisches Nachspiel haben. Darauf hatte während der Gefahrgut-Tage bereits Rechtsanwalt Hans-Leo Bock hingewiesen. Der frisch gekürte Gefahrgut-Preisträger 2016 registriert eine Trendwende in der Ermittlungstätigkeit: Weg von der Einzelperson, hin zum Unternehmen. Die sei in den letzten fünf Jahren etwa beim Eisenbahn-Bundesamt zu beobachten.

In der traditionellen deutschen Sichtweise sind nur natürliche Personen straffähig. Juristische „Personen“, also eine GmbH oder Aktiengesellschaft, wurden bisher kaum haftbar gemacht. Doch Bock betont: „Paragraf 30 aus dem Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) wird wichtiger.“ Er erlaubt Geldbußen auch gegen Firmen, wenn deren Repräsentanten Fehler machen. Die Regelung ist nicht neu, wurde in der Vergangenheit aber weniger eingesetzt. Dabei gibt es einen großen Rahmen für die Höhe der Geldbuße. Ebenfalls im OWiG, in § 17 ist festgelegt, dass deren Betrag den Vorteil, den ein Täter aus einer Ordnungswidrigkeit zieht, übersteigen soll und dazu auch das gesetzlich vorgegebene Strafmaß überschreiten darf.

Bock empfiehlt daher auch kleinen und mittleren Unternehmen, sich mit Fragen der Compliance zu befassen. Also dafür zu sorgen, dass das Unternehmen und seine Organe stets in Einklang mit dem geltenden Recht handeln. Der Rat des Rechtsanwalts: „Achten Sie auf die fünf W: Was, wann, wie, wo und warum kann passieren?“ Vorausschauendes Handeln ist gefragt. Das ist – siehe Beispiel Tianjin – nicht immer einfach.

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