|  14. November 2017
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Lithium-Ionen-Batterien: Mitarbeiter müssen unterwiesen sein

Der nächste Energieschub für die Transportvorschriften ist in Sicht. Die 20. Ausgabe der UN-Modellvorschriften – der „Mutter aller Gefahrgut-Vorschriften“ – liegt vor. Sie enthält weitere Regelungen für die Beförderung von Lithium-Batterien, die sich im Vorschriften-Jahrgang 2019 von ADR, RID und ADN sowie den nächsten Ausgaben von IMDG-Code und ICAO-TI wiederfinden werden.

Währenddessen kämpfen sich Versender und Transporteure in der Praxis noch durch die aktuellen Regelungen, die seit Mitte des Jahres gelten. Für die Gefahrgut-Spezialisten unter ihnen ist der Transport inzwischen Tagesgeschäft, bestätigt Martin Greschek, Gefahrgutbeauftragter und Trainer aus Toppenstedt. Die Unternehmen haben ihre Mitarbeiter geschult, „intern wie extern“.

Neue Sicherheitsanforderungen
Doch weil immer mehr Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus ausgestattet werden, stehen jetzt auch Versender und Transporteure in gefahrgutrechtlicher Verantwortung, die bisher damit noch nichts zu tun hatten. Einer der Wachstumsmärkte sind Elektrowerkzeuge. „Rund die Hälfte der verkauften Geräte verfügt heute über einen Akku“, bestätigt Christian Eckert, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbandes Elektrowerkzeuge und Generalsekretär der European Power Tool Association (EPTA). Die Hersteller stecken, so Eckert, große Anstrengungen in die Sicherheit der Geräte. Damit verbunden sind Information an Versender und Anwender zum richtigen Umgang.

Nicht nur Hersteller, auch Händler und Logistiker werden mit den Anforderungen konfrontiert. Immer häufiger entscheiden sich Betreiber von Flurförderzeugen für Stapler, Hubwagen und andere Geräte mit Lithium-Ionen-Antrieb. Damit müssen auch sie sich beim Handling und bei Rücksendungen defekter Batterien mit Gefahrgutfragen beschäftigen.

Risiken bei der Rücknahme
Und auch eine dritte Personengruppe lässt für den Versand der Lithium-Ionen-Akkus wenig Gutes ahnen: „Wie sind eigentlich die Mitarbeiter in den Schreibwarenläden oder Getränkemärkten geschult, die nebenbei Päckchen von Privatversendern für Kurierdienste annehmen?“, fragt Michaela Buchenthal, Geschäftsführerin und Trainerin von Buchenthal Logistik Trainings (BLT), Andernach. Werden elektronische Geräte im Internet eingekauft oder zurückgesandt, ist es immer noch Glückssache, ob die Absender – wie vorgeschrieben – eine gekennzeichnete Verpackung verwenden. Und selbst wenn sie es tun, ist nach Buchenthals Beobachtung fraglich, ob sich das Personal in der Annahmestelle dafür  interessiert.

Das bestätigt auch Frank Rex, Gefahrgutbeauftragter der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen in Hannover. In seiner Überwachungstätigkeit stehen derzeit besonders die Entsorger im Fokus. „Das Thema ist so brisant, dass wir gerade eine spezielle Arbeitsgruppe bilden“, erklärt der Gefahrgutbeauftragte. Denn defekte Batterien neigen schon bei normalen Beförderungsbedingungen dazu, sich schnell zu zerlegen. Gefährliche Reaktionen mit Flammenbildung, Wärmeentwicklung oder einem Ausstoß giftiger, ätzender oder entzündbarer Gase oder Dämpfe sind die Folge. Rex rät Unternehmen daher, einen Verantwortlichen für die Sammlung und Entsorgung von Batterien einzusetzen: „Mit der Technik entwickeln sich auch die Vorschriften, Sie brauchen jemanden, der den Überblick behält.“

Klarheit durch Merkblatt
Grundsätzlich gilt: Lithium-Ionen-Batterien mit einer Energie von mehr als 100 Wh sind Gefahrgut der Klasse 9. Für Batterien mit einer Energie bis zu 100 Wh gibt es eine Ausnahmeregelung, hier gelten vereinfachte Anforderungen. Doch weil die Gefahrgut-Vorschriften für jeden Verkehrsträger besondere Regelungen sowie Ausnahmen und Freistellungen enthalten, fällt es gerade Versendern kleiner Mengen häufig schwer, sich einen Überblick zu verschaffen.

Speziell für die Beförderung von Lithium-Ionen-Batterien in Elektrowerkzeugen und elektrischen Gartengeräten gibt es eine hilfreiche Zusammenstellung der Regelungen von EPTA und ZVEI. Das Merkblatt fasst die Vorschriften für die unterschiedlichen Verkehrsträger übersichtlich zusammen.

„Hier können sich auch Versender anderer Branchen einen ersten Überblick verschaffen, allerdings werden sie um eine Einzelfallprüfung nicht herum kommen“, erklärt Christian Eckert. Thomas Dittrich, Batterie-Experte bei Tadiran Batteries, der am Merkblatt mitgearbeitet hat, ergänzt: „Fragen Sie Ihren Gefahrgutbeauftragten, den müssen alle Firmen haben, die bestimmte Mengen gefährlicher Güter versenden.“ Und auch in Firmen, die unter der Mengengrenze bleiben, müssen die Mitarbeiter geschult werden, die mit Gefahrgut in Berührung kommen. Hier ist es sinnvoll, sich externe Berater zu Hilfe zu holen.

Test für sichere Lagerung
Weitere Hinweise für die Praxis kommen von Versicherern. So hat FM-Global, ein weltweit aktiver Versicherer von Gewerbeimmobilien, in einem Forschungsprojekt Brandprüfungen in großem Maßstab angesetzt. Dabei zeigte sich, dass Wellpappkartons und Verpackungsunterteilungen aus Kunststoff eher Feuer fangen als die in den Kartons verpackten Batterien selbst.

Großformatige Batterien, wie sie beispielsweise in Elektrofahrzeugen verwendet werden, neigen bei einem Lagerbrand zu einer schnelleren Entzündung als kleinformatige Batterien für Smartphones und Laptops. Der Hinweis der Versicherer: Risikogerecht konfigurierte Deckensprinkler können das Feuer unterdrücken, ganz gleich, ob die Entzündung durch eine explodierte Batterie oder eine externe Quelle zustande kommt.

Link zu 3 Videos zu den Brandversuchen:

https://www.youtube.com/watch

https://www.youtube.com/watch

https://www.youtube.com/watch

 

 

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