|  15. Juli 2013
aktualisiert am 11.08.15 13:48h
placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Bargeld fällt nicht vom Himmel

Der Euro ist in die Jahre gekommen, könnte sich der ein oder andere denken, wenn er den ein oder anderen Schein in der Hand hat - und dabei könnte durchaus nur das rein physische Material der Währung selbst gemeint sein. Daher sollen die ersten Euro-Scheine nach und nach durch neue der zweiten Serie ersetzt werden. Den Anfang macht seit Mai der Fünf-Euro-Schein. Mit gut 1,5 Mrd. Stück steht der Fünfer für 7,7 Mrd. EUR und damit für ein knappes Prozent der im Umlauf befindlichen Papier-Euros. Insgesamt sind rund 15 Mrd. Euro-Scheine der ersten Serie im Umlauf, den größten Anteil hat der Fünfziger mit knapp 6,3 Mrd. Stück, 314 Mrd. EUR Umlaufwert und einem Anteil von 35,1 Prozent an der Geldmenge. Das ist jedenfalls der Stand vom vergangenen März.

Ganz ohne Stolpern ist es bei dem neuen Fünfer jedoch nicht abgelaufen. Viele Automaten, vom Spiel- über Zigaretten- bis hin zum Fahrkartenautomaten, fremdelten zunächst mit dem Schein. Die Software für den Neuen war noch nicht installiert. "Aus unserer Sicht wäre es besser gewesen, wenn die neuen Scheine erst zum Juli auf den Markt gekommen wären", sagt Carsten Zenner, Geschäftsführer des Bundesverbands Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller.

Zwar gab es seit Januar die Möglichkeit, sich erste Exemplare der neuen Scheine zu bestellen. Aber die Automatenaufsteller bemängelten, dass diese Frist zu kurz gewesen sei. Allein 120.000 Zigarettenautomaten müssen bundesweit von Hand nachgerüstet werden. Und wenn dann 2014 ein neuer Zehner kommt und 2015 ein neuer Zwanziger, geht die Nachrüsterei wieder los.

Vier verschiedene Kreisläufe

Die Bundesbank bringt die neuen Scheine nach und nach in Umlauf und ersetzt damit die alten Scheine der ersten Serie. Beide werden noch eine Weile parallel im Umlauf sein, und die alten behalten auch ihre Gültigkeit. Selbst wenn sie irgendwann nicht mehr als offizielles Zahlungsmittel zugelassen sein sollten, kann man sie weiterhin bei den Zentralbanken eintauschen.

Die Scheine gelangen erst so nach und nach in die Portemonnaies der Kunden, weil sie in vier verschiedene Kreisläufe eingespeist werden müssen. Der Bankenkreislauf ist dabei noch am einfachsten zu beherrschen. Hier können bei Einzahlung die alten Scheine einbehalten werden. Zur Auszahlung kommen neue. Der Kreislauf über die Cashcenter ist ebenfalls beherrschbar. Werttransportunternehmen holen eingezahltes Geld in Handel und Bankfilialen ab, bringen es in so genannte Cashcenter, wo es sortiert, gezählt und verbucht wird. Dann geht es zur Landeszentralbank, die gleichzeitig die Noten ausgibt, welche die Werttransporte dann in die Bankfilialen oder als Wechselgeld zum Handel bringen.

Bleibt die Möglichkeit des Inter-business-Kreislaufs, bei dem Unternehmen Banknoten austauschen. Hier muss dann wohl jeder Teilnehmer selbst dafür sorgen, dass er so nach und nach die neuen Fünfer bekommt. Und in dem Retailkreislauf wird wohl der Handel dafür sorgen müssen, dass er mit seinen Kunden auf den neuen Fünfer umsteigt.

Einzahlautomat vermeidet Umweg

Alle diese traditionellen Kreisläufe werden jedoch von neuen Geldautomaten kurzgeschlossen: Diese Automaten erlauben seit einiger Zeit nicht nur Auszahlungen, sondern auch Einzahlungen. Damit werden die Umwege über die Cashcenter und die Zentralbanken seltener. In den Automaten sind spezielle Kassetten mit separaten Fächern für die Banknoten bis 50 EUR und ein "All-In-Fach" vorhanden. Hier landen große Scheine, die eingezahlt werden, und Scheine, die der Geldautomat aussortiert, weil sie schadhaft sind. Und es finden sich hier die Scheine, die der Kunde zwar vom Konto abgehoben aber nicht entnommen hat. Diese Automaten haben den Vorteil, dass sie einerseits über einen Chip selber buchen können. Sie kennen außerdem ihre Bargeldbestände und können sich per E-Mail melden, wenn sie voll sind oder aufgefüllt werden müssen.

Dadurch, dass das eingezahlte Geld automatisch wieder verfügbar gemacht werden kann, verlängern sich die Serviceintervalle von durchschnittlich einem Tag auf bis zu drei oder vier Tage. Außerdem muss die Kassette nicht unbedingt ins Cash-center zurückgeführt werden. Da der Besitzer der Kassette - und damit des Geldes - über eine Nummer identifiziert werden kann und die Kassette auch ihren Bestand kennt, können diese Behälter zwischen den Bankfilialen und dem Handel ebenso direkt getauscht werden.

Für Handel und Bankfilialen bedeutet das Verfahren, das von Wincor-Nixdorf angeboten wird, eine große Erleichterung. Denn Bargeldhandling ist teuer. Im deutschen Einzelhandel liegen die Kosten für Bargeldprozesse jährlich bei 7,4 Mrd. EUR, bei den Banken sind es 3,9 Mrd. EUR. Das sind durchschnittlich 61 Prozent der Personalkosten bei den Banken und 72 Prozent im Handel.

Erleichtert wird das Bargeld-handling weiter durch das seit Anfang 2013 verpflichtende EDV-System "CashEDI" - Elektronischer Datenaustausch für Bargeldtransaktionen. Seitdem müssen über 2000 Kreditinstitute ihre Bargeldtransaktionen mit der Deutschen Bundesbank über das System vornehmen. Für die Praxistauglichkeit von "CashEDI" steht das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Prozeus-Projekt der Deutschen Bundesbank mit dem mittelständischen Werttransportunternehmen Gewetra Pate. Das Unternehmen konnte seit der Einführung mehr als 40.000 EUR Einsparungen für seine Kunden realisieren.

Kommentare

Kommentar veröffentlichen
Nur an die Redaktion senden

Captcha:*



* - Pflichtfeld