|  29. Juli 2016
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Bloß kritisieren ist ihr zu schlicht

Mitunter muss Edina Brenner den Enkeltrick anwenden. Wenn Sie bei einer öffentlichen Diskussionsrunde zum Beispiel ein Rentner fragt, warum in seiner Straße ständig so viele Kep-Fahrzeuge die Durchfahrt blockieren. „Dann frage ich zurück, ob er einen Enkel hat, der im Internet bestellt“, erzählt die Geschäftsführerin des Landesverbands Bayerischer Spediteure (LBS) in München. Und häufig hilft ihr der Enkeltrick, in der Bevölkerung Vorurteile gegenüber der Logistikbranche abzubauen.

Die Rechtsanwältin will das Image des Speditionssektors verbessern. Das machte sie beim Redaktionsbesuch in Hamburg deutlich, wo sie am Dienstag als Chefredakteurin die Konferenz leitete und die vorliegende DVZ-Ausgabe maßgeblich mitplante und -gestaltete.

Logistikleistungen wenig bekannt

„Es ist ein großes Problem der Branche, mit Ausnahmen wie Kep und Möbelspedition, ausschließlich im B2B-Bereich tätig zu sein“, sagt sie. Deshalb wüssten die Bürger nicht, was Logistik eigentlich alles leistet, die Speditionsbranche werde oft nur durch LKW auf der Straße wahrgenommen. „Nehmen Sie zum Beispiel mein Kostüm, das wurde im Zweifelsfall in Asien produziert, nach Europa verschifft, dort mit einem Modelabel versehen und verpackt, per LKW in ein Distributionszentrum gebracht und weiter in die Läden verteilt“, erklärt sie engagiert. Diese Lieferkette kenne der Käufer aber oft gar nicht. „Es müsste eine einfache logische Verknüpfung in der Bevölkerung stattfinden“, sagt sie. Noch passiere das viel zu selten, beobachtet sie.

Deshalb hat der Verband vor zwei Jahren entschieden, PR und Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken. Für den LBS sei es entscheidend, für die Mitglieder wichtige Themen aufzugreifen und zu verbreiten – in der Tagespresse genauso wie in Fachmedien, stellt die Geschäftsführerin klar. Während es in allgemeinen Zeitungen vor allem darum geht, Logistik zu erklären, äußert sich die 47-Jährige in Fachpublikationen zu aktuellen Brennpunktthemen.

Das sind beispielsweise neue Mindestlohnvorschriften seit dem 1. Juli für alle grenzüberschreitenden Beförderungen sowie für Kabotageverkehre in Frankreich oder drohende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge wegen Überschreitung der Stickoxidwerte. Die Deutsche Umwelthilfe hatte erfolgreich in der Stadt München geklagt.

„München, Stuttgart oder Hamburg haben bereits Luftreinhaltepläne aufgestellt, die jetzt verschärft werden. Andere Städte ziehen nach“, weiß Brenner. Und sie wird nicht müde zu betonen: „Die Fokussierung auf die Stickoxidwerte darf nicht zu massiven Einschränkungen der Innenstadtversorgung führen.“ Doch bloß zu kritisieren ist der Juristin zu schlicht – sie liefert konstruktive Vorschläge, um „die Versorgung der Bevölkerung unter Berücksichtigung geltender Umweltbestimmungen“ sicherzustellen.

So begrüßt sie Projekte zur Förderung der Elektromobilität. Interessant könnten künftig Fahrzeuge wie der batteriebetriebene Mercedes-Benz urban E-Truck sein, ein schwerer dreiachsiger Verteiler-LKW. „Um das Fahrzeug sinnvoll einzusetzen, müsste es eine Geschwindigkeit von mindestens 60 km/h schaffen. Außerdem sind die Kosten entscheidend und wann der LKW in Serienreife geht“, sagt sie. Daimler hat diesbezüglich Neuigkeiten zur IAA Nutzfahrzeuge Ende September angekündigt.

Die Verbandsgeschäftsführerin kennt die Sparte thematisch und emotional: „Ich kann mich da hineinversetzen.“ Wenn in Diskussionen beispielsweise 250 Lastenräder für den Verteilerverkehr in München vorgeschlagen werden, dann macht sie klar, wie die Versorgung einer Großstadt funktioniert. „Sie brauchen 250 Fahrer, auch im Winter“, sagt sie eindringlich. Für sie ist dies ebenso wenig praktikabel wie unterirdische Röhrensysteme für die Citylogistik.

Chefredakteurin reißt alle mit

Edina Brenner spricht schnell und reißt bei ihrem DVZ-Besuch Redakteurinnen und Redakteure, Grafikerinnen und Grafiker, Assistentinnen gleichermaßen mit. „Eine sehr engagierte Gewerbevertreterin mit klarer Haltung, kann gut und logisch argumentieren“, meint ein Kollege nach der Konferenz. „Hochspannend, was sie von ihrer Arbeit berichtet. Das eher trockene Thema wird bunt und lebendig“, fasst eine Kollegin zusammen.

Alles ideale Voraussetzungen, um das Image der Logistik zu verbessern, sollte man meinen. Brenner könnte sich sogar vorstellen, gemeinsam mit anderen Verbänden eine Image-Kampagne zu fahren: „Ich persönlich bin offen“, versichert sie.

Nach Frauke Heistermann, Mitgründerin und Mitglied der Geschäftsleitung der Axit AG, und Berit Börke, Geschäftsführerin bei TFG Transfracht Internationale Gesellschaft für Güterverkehr, ist Brenner die dritte Top-Managerin, die für einen Tag in die Rolle der DVZ-Chefredakteurin geschlüpft ist. Die zum Weltfrauentag am 8. März 2016 gestartete Aktion wird fortgesetzt.

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