07. März 2016
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Chefredakteurin für eine Ausgabe

An dem großen Tisch finden bei der täglichen DVZ-Redaktionskonferenz alle einen Platz – normalerweise. Doch am vergangenen Freitag saßen die Redaktionsmitglieder auch in zweiter Reihe. Die Kollegen aus Berlin und Brüssel waren per Telefonkonferenz zugeschaltet. Denn zum ersten Mal in der 70-jährigen Geschichte der Deutschen Verkehrs-Zeitung leitete ein weiblicher Chefredakteur die Konferenz.

Berit Börke, Geschäftsführerin bei TFG Transfracht Internationale Gesellschaft für Güterverkehr in Hamburg, übernahm für die heutige Ausgabe am Internationalen Frauentag die Redaktionsleitung und brachte Logistikthemen ein, die ihr wichtig sind.

DVZ seit 20 Jahren als Begleiterin

Ihre Motivation: „Ich war neugierig, wie lebendig das zugeht", erklärt die Norddeutsche. Seit ihrem Studium an der Universität Bremen ist die Diplom-Ökonomin mit Schwerpunkt Logistik und Marketing seit 20 Jahren in der Branche tätig. „Seitdem begleitet mich die DVZ", sagt sie. Karrierestationen waren das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen, ISL-Baltic Consult in Lübeck und die Deutschen Seehäfen. Und da Börke viel unterwegs ist, schätzt sie es, Branchennachrichten jederzeit auf ihrem ­Tabletcomputer zu lesen.

„Ich bin zum ersten Mal in einer Redaktionskonferenz und finde es superspannend", begrüßt sie das Team in der Hamburger Nordkanalstraße. Doch hätte sie das nicht betont, wäre es keinem aufgefallen, so versiert leitet sie die Runde.

Anlässlich des Internationalen Frauentags hat die Redaktion das Ruder aus der Hand gegeben. Eine DVZ mit Frauenthemen? „Ich finde, man sollte das gar nicht so unterscheiden", stellt Börke klar. Allerdings fällt ihr auf, dass im Logistiksektor Frauen eher im Personal- oder ­Marketingbereich arbeiten. Deshalb fordert sie: „Wir müssen den Blick stärker öffnen für die Logistik."

Speziell die Ausbildung im Schienengüterverkehr habe ein Imageproblem. Wortungetüme wie Hinterlandverkehr, KV-Operator oder Eisenbahnverkehrsunternehmen klingen Börke zufolge „ähnlich sexy wie Resterampe". In der Ausbildung von Speditionskaufleuten werde zu wenig Wert auf das Image der Branche gelegt. „Besonders der Vertrieb hat keine Lobby, Trainees interessieren sich mehr für das Produktmanagement", beobachtet sie. Bingo – eine Story für die Titelseite ist gefunden!

Die Themenvielfalt, über die in der Redaktionskonferenz diskutiert wird, überrascht Börke. Interessant findet sie, die Themen auf den Seiten mit Hilfe des Planungs- und Koordinationstools Desk-Net zuzuordnen und mit dem Desktop-Publishing-Programm Indesign das Seitenlayout zu visualisieren. Aber Sujets einzelnen Rubriken zuzuordnen sei auch schwierig: „Man muss eine Schublade aufziehen."

Bei den Redaktionsmitgliedern kommt die Chefredakteurin gut an. Mit leichter Hand bringt sie das Team dazu, um Themen zu kämpfen oder für die nächsten Ausgaben weiterzudrehen. Genau das gefällt der Managerin: „Ich finde es toll, wenn Debatten offen und lebendig sind, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt. Mir ist es lieber, wenn die Emotionen hochkochen", sagt sie.

Viele Frauen arbeiten im Vertrieb

Nach dieser Leitlinie führt sie auch gemeinsam mit ihren Geschäftsführungskollegen die 200 Mitarbeiter bei TFG Transfracht. Die 100-prozentige Tochter für containerisierten Seehafenhinterlandverkehr von DB Mobility Logis­tics beschäftigt übrigens viele Frauen im Key-Account-Management und im Vertrieb. Die DVZ-Redakteure erinnern Börke an ihr eigenes Team: Es gebe Themen, bei denen sich alle ereifern, und dann wieder welche, für die sich nur schwer Freiwillige finden lassen.

„Mir gefällt es sehr, wenn ich mit Ideen ein bisschen ‚zündeln‘ kann und der Funke auf andere überspringt. Aber auch ich lasse mich gern anstecken von Abenteuerlust", meint sie. Kein Wunder, dass sie sich als DVZ-Chefredakteurin wohlfühlt, wie auch überhaupt in der Logistikbranche. Und zum Frauentag meint sie: „Man muss mehr Begeisterung für unsere Branche wecken."

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