|  31. Juli 2014
aktualisiert am 11.08.15 13:43h
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Der Dirigent des Hamburger Hafens

An diesem Sonnabend dirigiert Jörg Pollmann wieder den Hamburger Hafen. Dann formieren sich unter der Oberaufsicht des Hamburger Hafenkapitäns vier Kreuzfahrtschiffe, der Museumsfrachter "Cap San Diego" und unzählige Begleitboote zur Parade. Anlass dafür sind die Cruise Days, ein Treffen der Kreuzfahrtschiffe an der Elbe. "Ich find die Schiffe interessant, aber ich hab mich auf Frachtschiffen immer sehr wohlgefühlt." Pollmann gräbt in seiner Erinnerung. "Damals, als ich unterwegs war, gab es ja auch noch nicht so viele Kreuzfahrtschiffe", merkt er an.

1975 hat er losgelegt mit der Seefahrt, zwölf Jahre lang erkundete Pollmann die weite Welt, zuletzt für die Hamburger Reederei Claus-Peter Offen. "US-Ostküste, US-Golf, US-Westküste, Asien, Japan, Korea, ich bin viel in Südamerika und Afrika gewesen", rattert der 56-Jährige seine Stationen herunter. "Wenn ich im Mittelmeer war, fühlte ich mich halbwegs schon wie zu Hause."

Nur drei-, viermal hätten ihn die Schiffe nach Hamburg gebracht. "Das Schöne war, dass man nie wusste, wohin man fährt. Das fand ich als junger Mann genial", erzählt Pollmann. Die Linienschifffahrt, die feste Routen bedient, das war nichts für den gebürtigen Ostfriesen aus Westrhauderfehn (Landkreis Leer), dessen Heimat sich noch am rollend gesprochenen "R" festmacht.

Die Schifffahrt trägt Pollmann im Blut: mütterlicher- und väterlicherseits "alles Kapitäne". Als ihm die Idee kam, auch in See zu stechen, wurde er von den Eltern zur Abschreckung, wie Pollmann erzählt, in den Ferien auf ein Kümo (Küstenmotorschiff) geschickt. Aber er ließ sich nicht abbringen. Nach der mittleren Reife, mit 17 Jahren, legte er mit der Ausbildung los. "Ich habe das durchgezogen und nie bereut", sagt der Kapitän heute.

Eher nicht familienfreundlich

Allerdings sei die große Fahrt nie so richtig familienförderlich gewesen. Als das erste Kind da war, machte Pollmann an Land in Hamburg weiter: führende Positionen bei einer Stauerei und am Umschlagterminal, danach 1994 Hafenkapitän. "Für mich ist das ein Traumjob." Er habe viel mit Schiffen zu tun, mit der Hafenwirtschaft und der Planung.

Sein Büro in der Hamburger Port Authority (HPA) in der Speicherstadt ist ein Abbild seiner Arbeit: Eine Karte zeigt das 7200 Hektar große Hafengebiet (ein Zehntel Hamburgs), in dem er jährlich allein 10.000 Seeschiffe bei Ein- und Ausfahrt orchestriert. An der Erstellung von Akten und Dokumenten für die Fahrrinnenanpassung der Elbe - auf den Begriff legt er Wert - hat Pollmann mitgearbeitet. Schließlich sei die Verbreiterung genauso wichtig wie die Vertiefung.

Immer wenn es sich im Hafen um nautische Aspekte dreht, ist Pollmann mit seiner 50 Mitarbeiter starken Crew gefragt. "Ich lass mir erst mal erzählen, was die Veranstalter wollen", sagt der Kapitän. "Dann sagen wir, was nautisch möglich ist. Der Hafen ist primär zur Abfertigung von Schiffen da", gibt er zu bedenken. Dennoch weiß auch der Hafenkapitän, dass eine Öffnung des Hafens für Veranstaltungen der Imagebildung dient. "Industrie, dreckig, unattraktiv" - diese Hafenklischees möchte auch er aus den Köpfen der Menschen bekommen.

Nur nicht um jeden Preis. Die Sicherheit der Hunderttausenden, die zu Hafengeburtstag, Schiffstaufen und den Cruise Days kommen, hat für ihn oberste Priorität. "Bei einer früheren "Aida"-Taufe mit vier Kreuzfahrtschiffen und zahlreichen Begleitbooten sind wir an unsere Grenzen gestoßen", erzählt Pollmann. Auch wenn nichts passiert sei zwischen den großen und kleinen Pötten, mahnt er: "Bitte wieder kleiner."

Der Verkehr muss fließen

Der Verkehrsfluss müsse gewährleistet bleiben, zu Wasser wie an Land. Darum wird beispielsweise bei den Cruise Days der Übergang von der U- und S-Bahn-Station Landungsbrücken zur Elbe hin am Ende wieder mit Platten abgeschirmt. "Dann kann keiner auf der Fußgängerbrücke schon den Hafen sehen, und der Fußgängerstrom kommt nicht ins Stocken", berichtet Pollmann. "Eine einfache, aber sehr hilfreiche Maßnahme."

Solche Ideen bringt der Hafenkapitän, der in der Freizeit höchstens mal mitsegelt, gern auch von seinen ausgiebigen Spaziergängen mit seinem Hund am Wochenende im Alten Land mit. (sm)

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