10. August 2015
aktualisiert am 18.08.15 10:33h
placeholder placeholder placeholder placeholder placeholder

Ein Lächeln für den Verkehr

 

Niemand steht gern im Stau, will bei Straßenlärm sein Feierabendbier trinken oder in Fußgängerzonen vor Kleintransportern ausweichen. In Österreich gibt es kreative Ansätze, die genau solche schwierigen Situationen als Gelegenheit nutzen wollen, um die Menschen von logistischen Notwendigkeiten zu überzeugen. Und grundsätzlich zeigt sich in dem mitteleuropäischen Binnenstaat eine hohe Diskussionsbereitschaft über das Image der Logistik.

Christian Spendel, Geschäftsführer von Petschl-Transporte, teilt beispielsweise bei der Imagediskussion die Bevölkerung in zwei unterschiedliche Lager ein: Zum einen gebe es „diejenigen, die direkt oder indirekt von dem Thema Logistik am eigenen Arbeitsplatz betroffen sind“, und zum anderen „diejenigen, die überhaupt keine Verbindung dazu haben“. Petschl-Transporte ist ein oberösterreichisches Speditionsunternehmen mit Sitz in Perg. Der 85 Jahre alte mittelständische Familienbetrieb mit rund 100 eigenen Fahrzeugen dürfte allerhand Erfahrung mit dem Ruf seiner Branche haben.

Spendel führt die Gründe für die beiden Lager genauer aus: „Einerseits gibt es beispielsweise die Mitarbeiter eines Supermarkts oder Leute in Fertigungsbetrieben, die sehen, wie Rohmaterial angeliefert und Fertigwaren abgeholt werden, und andererseits gibt es etwa Lehrer oder Beamte. Das Image sei in der einen Gruppe „durchweg sehr gut, weil sie wissen, dass ihr Arbeitsplatz und somit ihr Leben ohne Logistik nicht funktioniert“. Die andere Gruppe sehe die Logistik „eher als störend und belastend, weil sie zu wenig über die Hintergründe aufgeklärt ist.“ In dieser Gruppe werde der LKW gern als Feindbild auf der Straße gesehen – ohne dessen Nutzen wahrzunehmen.

Um die logistikfernen Berufs- und Bevölkerungsgruppen von der Notwendigkeit zu überzeugen, hat Petschl-Transporte einen Weg gefunden, der aufkommenden Frust über Stau, Abgase oder Lärm im Keim ersticken soll. „Wir haben in Österreich eine Initiative unter dem Titel ‚Friends on the Road‘ gegründet“. An dieser Kampagne nehmen zahlreiche Unternehmen der Branche teil – sie hat über die vergangenen Jahre eine enorme Anzahl an Mitstreitern gewonnen.

Kritik mit Freundlichkeit begegnen

Ein Smiley und die Aussage „Der LKW bringt, was Sie täglich brauchen“ dürften manchen Verkehrsteilnehmer zum Nachdenken anregen. Denn psychologisch scheint es geschickt, freundliche Worte für mehr Gelassenheit in jenen Momenten anzuführen, in denen die Bevölkerung die negativen Auswirkungen der Logistik besonders zu spüren bekommt. Auch einige ausländische Spediteure sind Mitglieder der Kampagne. Weil – unabhängig von nationalen Grenzen – zahlreiche dieser LKW kreuz und quer durch Europa fahren, erweist Österreich mit der Aktion auch seinen Nachbarländern einen Imagedienst – allein Petschl-Transporte ist mit 16 LKW dabei.

Lärm, Abgase und Straßenneubauten rufen häufig Vertreter von Umweltverbänden auf den Plan. Kritik aus ökologischen Gründen sieht sich die Verkehrswirtschaft somit regelmäßig ausgesetzt – sei sie berechtigt oder nicht. Das Thema Logistik scheint in Österreich jedoch zumindest bei einer sehr großen und bekannten Umweltorganisation nicht ganz oben auf der Agenda zu stehen.

Kaum Gegenwind von Greenpeace

Greenpeace Austria antwortet auf die Frage der DVZ, ob aktuell oder jüngst vergangene Kampagnen beziehungsweise Aktionen auf die Verantwortung der Transportwirtschaft in Österreich hinweisen: „Nein, aus Ressourcengründen konzentrieren wir uns in Österreich auf nationale Klimapolitik sowie die weltweiten Klimaverhandlungen in Paris im Dezember.“ Grundsätzlich sei es dem Klima- und Energiesprecher Walter Saurer zufolge wichtig, dass Logistikunternehmen Transporte auf die Schiene verlagern und Antriebe auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

In der Logistikbranche selbst beschäftigt sich etwa die Bundesvereinigung Logistik Österreich (BVL Österreich) mit der Imagefrage. Für den Präsidenten, Roman Stiftner, spielt eine ganz bestimmte menschliche Eigenschaft eine zentrale Rolle bei dem Thema: „Wir nehmen die Komplexität, die vielen kleinen und großen Abläufe in der Versorgungskette kaum oder erst dann wahr, wenn einmal etwas nicht stimmt“, sagt er gegenüber der DVZ. Gleichzeitig bemerkt er jedoch, dass ohne Logistik unser alltägliches Leben nicht im gewohnten Maße funktionieren würde und unsere Lebensqualität eingeschränkt sei. Die BVL Österreich sieht es Stiftner zufolge als eine wichtige Aufgabe an, „die Leistungen des Sektors einem möglichst breiten Publikum zu kommunizieren“. Veröffentlichungen und eine Reihe von Veranstaltungen, wie etwa Betriebsführungen bei erfolgreichen Logistikunternehmen oder Dialogforen, sollen dabei helfen. (jh/rok)

 

 

Kommentare

Kommentar veröffentlichen
Nur an die Redaktion senden

Captcha:*



* - Pflichtfeld