|  15. Oktober 2015
aktualisiert am 24.11.15 14:46h
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Göllner Spedition stellt Kunst aus

Völlig abseits der zentralen Kunstmeile Hamburg, die für Museen wie die Kunsthalle oder die Deichtorhallen bekannt ist, liegt die Peutestraße. Das Asphaltband durchzieht ein Industriegebiet auf der Elbinsel Veddel, wo die Göllner Spedition mit Sitz in Nienburg/Weser ihre Niederlassung in der Hansestadt hat. In den Räumlichkeiten des unspektakulär funktional gehaltenen Gebäudes des Familienunternehmens präsentiert die Hamburger Galerie Arthunter 40 Gemälde von Amely zur Brügge und Maren Riehl.

Die Künstlerinnen reizt die „Spannung, auch an unüblichen Orten Kunst zu zeigen und Menschen an Kunst heranzuführen, die sonst eher Berührungsängste haben“, erläuterte Riehl das Konzept. Während Riehl bei Göllner abstrakte Motive zum Thema Horizonte und Meer ausstellt, sind von zur Brügge Container- und Fischkistenbilder zu sehen. Maritime Szenen setzen die beiden, die früher zusammen als Modedesignerinnen gearbeitet haben, sehr unterschiedlich um.

Pleinairs an der lettischen Ostseeküste

Riehl, deren Mann und Tochter in der Logistikbranche arbeiten, malt oft am Strand, im Sommer vorzugsweise in Mazirbe (Lettland). Waagerechte Linien, häufig in ungewöhnlich leuchtenden Farben wie Magenta oder Gold, trägt sie mit verschiedenen Werkzeugen wie Pinseln oder Rollen auf. Bei der Freilichtmalerei (Pleinair) mit lettischen Künstlerinnen entstand die Idee, im Jahr 2013 Arthunter zu gründen. Auf ihren Öl- oder Acrylgemälden will die gebürtige Bremerin „Stimmungen festhalten“.

Das versucht auch zur Brügge, aber ihr Stil mutet dabei fast fotorealistisch an. Vorlage für ihre Atelierbilder sind meist selbst geschossene Fotos. Ihr Aha-Erlebnis hatte die in Köln aufgewachsene Künstlerin auf der Insel Hiddensee beim Anblick von Fischkisten. „Mir geht es um die gestapelte Fläche, die Farben, die sich ergeben“, erklärt sie. Nach den Fischkisten an der Ostsee entdeckte sie im Hamburger Hafen Container. Reedereilogos verfremdet sie konsequent – beispielsweise in Hapag-Lady, Cosmo oder MOC.

Auftragsarbeit für Unternehmertochter

Ihre Boxen beschriftet zur Brügge auf Wunsch mit persönlichen Daten, denn Arthunter bietet Auftragsmalerei an. So entstand der Kontakt zu Christian Göllner. Der Geschäftsführer der Göllner Spedition beauftragte zur Brügge mit einem personenbezogenen Bild, das er seiner Tochter Johanne Charlotte dieses Jahr zum Abitur schenkte. Jetzt absolviert sie ein duales Logistikmanagement-Studium mit dem Ziel des Bachelorabschlusses an der Hamburg School of Business Administration und die Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau bei Hapag-Lloyd.

Die Kunstpräsentation versteht der Speditionschef als Beitrag zur „Auffrischung“ am Standort Peutestraße. „Wir sind ständig dabei, auf einem guten Stand zu sein und eine angenehme Atmosphäre an den Arbeitsplätzen zu schaffen“, sagt Göllner. Die Ausstellung sei „einmal etwas ganz anderes“ und temporär – insofern eine besondere Art der Auffrischung. Vor 29 Jahren wurde das Gebäude bezogen, die Spedition besteht seit 1878. Göllner gehört zur Stückgutkooperation Online Systemlogistik und hat rund 350 Beschäftigte, davon knapp 30 in Hamburg.

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