13. Juni 2017
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Lebhafter Schlagabtausch im virtuellen Raum

Das geänderte Fahrpersonalgesetz ist in Kraft getreten. Damit dürfen in Deutschland LKW-Fahrer ihre regelmäßige wöchentliche Ruhezeit nicht mehr im Fahrzeug oder an einem anderen Ort ohne geeignete Schlafmöglichkeit verbringen. Bei Zuwiderhandlungen drohen Unternehmern Geldbußen in einer Höhe von bis zu 30.000 EUR. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Dass das Thema Lenk- und Ruhezeiten Brennpunktpotenzial hat, spiegelt auch der DVZ-Leitartikel „Ein Vorschlag für mehr fairen Wettbewerb“ (DVZ 2.6.2017, Seite 2) wider. Zudem haben DVZ und ihre Schwesterpublikation Disponaut in den vergangenen Wochen und Monaten auf Kanälen wie Facebook und Onlineportalen intensiv berichtet – und Praktiker aus der Branche haben kommentiert, gelikt und geteilt. LKW-Fahrer und Disponenten waren hier stets auf der Höhe des Geschehens.

Dass es zu diesem Entscheid kam, war indes absehbar. Bereits der DVZ-Beitrag „EU-Richter urteilen über Ruhezeit“ vom 7. Februar ging in diese Richtung und entfachte eine emotional aufgeladene virtuelle Diskussion. Userin Margit Herrmann ließ sich zu einem Kommentar auf der Businessplattform www.disponaut.de hinreißen: „Warum kann hier nicht eine eindeutige Regelung getroffen werden, die in der Vorlage zitierten Halbsätze sind dehnbar und Auslegungssache. Laut heutigem Stand ist die Schlafkabine im LKW ein für die Übernachtung geeigneter Ort. Um diese Problematik zu umgehen, wäre eine klare Formulierung, dass die wöchentliche Ruhezeit nicht im LKW verbracht werden darf, für alle eindeutig! Und lässt keinen Spielraum für Auslegung.“ Die gibt es jetzt.

Hintergrund war seinerzeit eine abgewiesene Klage des Transportunternehmens Vaditrans gegen den Belgischen Staat vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Generalanwalt Evgeni Tanchev empfahl den EuGH-Richtern die Verordnung Nr. 561/2006 dahingehend auszulegen, dass der Fahrer die regelmäßigen wöchentlichen Ruhezeiten nicht im Fahrzeug verbringen darf. In Belgien droht nun im Falle eines Verstoßes eine Geldbuße in Höhe von 1.800 EUR. Dagegen war das belgische Transportunternehmen vorgegangen. Erfolglos. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Bissige Kommentare
Aber dieser Beitrag sollte nur ein Vorgeschmack auf das sein, was der anschließende DVZ-Beitrag „Große Koalition will Übernachten im LKW verbieten“ vom 3. März auslöste: Gregor Sailer eröffnete den Reigen an bissigen Kommentaren: „So ein Blödsinn kann nur den Theoretikern in Berlin und Brüssel einfallen“, schrieb er auf der Disponaut-Online-Businessplattform. Er fragt sich: „Sollen die Fahrer jetzt etwa bei Wind und Wetter neben ihren Fahrzeugen zelten?“ Und schlussfolgert: „Ist das ein Versuch, die Übernachtungszahlen in Deutschland anzukurbeln?“ Sein Fazit: „Schnapsidee!“

Kai Reuter fragt sich dagegen: „Wie soll Fernverkehr funktionieren, wenn die Fahrer immer wieder zu Mama müssen? Von Hamburg nach Spanien oder anders herum funktioniert nicht in einer Woche, das unterbinden die Sozialvorschriften. Was denken sich die Politiker dabei?“ Und Heinrich Roll stellt fest: „Solche Entscheidungen können nur Insider mit LKW-Erfahrung im internationalen Fernverkehr machen.“ Er sieht sich schon mit Containerdörfern in Europa konfrontiert, „irgendwo auf dem freien Feld ohne Infrastruktur. Dort können dann die Fahrer in Stockbetten zu sechst oder acht im Container schlafen. Wäre das sozialer Fortschritt?“

Auf Facebook ging es anschließend noch mehr ab: „­Politiker mit solchen Ideen sollten öffentlich für verrückt erklärt werden“, urteilt ein User. Ein weiterer Praktiker kommt sogar mit einem proaktiven, ja fast prophetischen Vorschlag, um anschließend Tacheles zu sprechen: „Mein Vorschlag, die verkürzte Ruhezeit darf im LKW übernachtet werden. Die volle Ruhezeit außerhalb. Im Sinne des sozialen Aspektes. Ich kenne leider zu viele Fahrer, die sechs Wochen und mehr in der Kabine wohnen. Und was so manche Ostblock-Fahrer ertragen müssen, grenzt an Sklaverei.“ Dieser User gibt im selben Chat preis, dass er als Fahrer und Disponent 20 Jahre Erfahrung mitbringt. Das hat Gewicht in der Community.

Zur aktuellen Änderung des Fahrpersonalgesetzes fragt sich ein User: „Wer soll das kontrollieren und durchsetzen? Dann stellen die sich einfach woanders hin, wo es keiner sieht und merkt.“ Andere schreiben: „Lächerlich...“ und kommentieren: „Der größte Unsinn überhaupt.“ "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Onlineportale und Facebook-Fanpages gehören mittlerweile zum guten Ton einer jeden Berichterstattung. Wer auf virales Marketing setzt, kommt an Social Media nicht vorbei. Follower und Likes lauten die Zauberworte. Und wenn man den Nerv der User trifft, gibt es auch die (gewünschte) lebhafte Diskussion.

Das zeigt auch das Beispiel E-Learning-Portal Spedifort, das auf den Disponaut-Kanälen gepostet wurde. Dass sich dabei Disponenten auch mal im Facebook-Chat gegenseitig hochnehmen, gelingt dem Beitrag „Spedifort geht an den Start“. Die Idee, Logistikmitarbeiter fit für die Disposition zu machen (User: „Soll ich euch da anmelden?“ – Antwort: „Der Dominik P. hätte es schon nötig“), hat der Disponaut-Redaktion so gut gefallen, dass dem E-Learning-Portal in diesem DVZ-Themenheft ein Aufmacher gewidmet wurde (siehe Seite 3). "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Schnelle Reaktionen
Andreas Rinnhofer, der als Spedifort-Geschäftsführer dieses Start-up lenkt und führt, ist noch immer von den schnellen Reaktionen begeistert, die Social-Media-Kanäle bieten können. „Wenn Kunden, Interessenten oder Usern ein Beitrag gefällt, dann gibt es ein Like. Und vielleicht erhält man sogar einen Kommentar mit Hinweisen, Ergänzungen oder Wünschen, auf die wir relativ schnell reagieren können. Social Media wird somit nicht nur zu einem Feedback-Lieferanten, sondern auch zu einem wertvollen Werbeträger, über den Meinung offen kommuniziert wird.“

Gerade als Start-up stellt man sich oft die Frage: Liege ich mit meinem Angebot richtig? Facebook kann da so schnell wie ein Virus sich von Mensch zu Mensch überträgt Antworten liefern. Willkommen in der Welt des viralen Marketings. (tof)

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