11. August 2016
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Mit 44 nochmal Gas geben

Die Suche nach LKW-Fahrern lässt Unternehmen über neue Wege der Rekrutierung und ein modifiziertes Anforderungsprofil nachdenken. Gute Chancen haben heute auch erfahrene Berufskraftfahrer über 50. Oder Frauen, die in diesen Beruf einsteigen wollen.

Susanne Neumann hat ihren Traumjob entdeckt. Mit 44 Jahren startet die alleinerziehende Mutter von Jasmin (10) und Sophie (13) noch mal richtig durch: als Berufskraftfahrerin bei Pfenning Logistics in Bremen.

Keine Lust mehr aufs Büro

„Ich hatte einfach keine Lust mehr aufs Büro", erzählt die gelernte Tierarzthelferin. Nach der Trennung von ihrem Mann und der jahrelangen Arbeit hinterm Schreibtisch der eigenen Druckerei, die beide betrieben haben, wurde sie zunächst arbeitslos. Als die Beraterin bei der Arbeitsagentur zögerlich nachfragte, ob sie sich eine berufliche Zukunft in einer Männerdomäne vorstellen könne, griff Susanne Neumann sofort zu. „Ich habe meine Freiheit gesucht und sie in diesem Beruf gefunden", sagt die Bremerin mit einem zufriedenen Lächeln.

Mit einem Bildungsgutschein in der Tasche absolvierte sie im September 2015 eine Vollzeitausbildung zur Berufskraftfahrerin; schon drei Monate später bekam sie einen Arbeitsvertrag von Pfenning Logistics. Heute bewegt sie einen nagelneuen Mercedes Antos zur Versorgung des nahe gelegenen Mercedes-Benz-Werks – Frauenpower mit 421 PS.

Mit einer Gesamtlänge von 26,90 m ist der Gliederzug 2 m länger als ein Gigaliner und für Werksumfuhren im Drei-Schicht-Betrieb zwischen dem Gewerbepark Hansalinie und dem Werk Bremen Sebaldsbrück im Einsatz. Bis zu 50 t Gesamtgewicht bringt das Fahrzeug auf die Waage. Es gehört zu einem Fuhrpark von 100 Fahrzeugen, den Pfenning in der Niederlassung Bremen betreibt.

„Der Job ist perfekt für mich", erklärt Neumann. „Auf dem LKW habe ich meine Ruhe und das Gefühl: Das ist meins!" Die Besonderheiten der fest abgesteckten Tour, auf der Zulieferteile für die Automobilproduktion nach einem genau getakteten Fahrplan abgeholt und ausgeliefert werden, machen den Beruf für Frauen wie Susanne Neumann interessant. Es gibt feste Arbeitszeiten und weder Be- noch Entladetätigkeiten für den Fahrer. Außerdem muss auf der Tour nicht rangiert werden. Es geht nur vorwärts.

Der Schichtbetrieb ermöglicht es der LKW-Fahrerin, Beruf und Familie problemlos unter einen Hut zu bekommen. Entweder wird in der ersten Schicht zwischen 5.15 Uhr und 13.21 Uhr gefahren oder in der zweiten, die zwischen 13.15 Uhr und 21.21 Uhr läuft. „In der Frühschicht weckt mein Vater die Kinder per Telefon", erzählt Neumann, die die Möglichkeit der flexiblen Zeiteinteilung schätzt. So findet sie neben der Familie sogar Zeit für ihre drei Islandpferde, die in Stuhr-Fahrenhorst nahe Bremen stehen.

Samstags gibt es Zulagen

Wer samstags fährt, bekommt Zulagen oder kann in der Woche einen Tag freimachen. 16 von 244 angestellten Fahrern in der Bremer Pfenning-Niederlassung sind Frauen, Tendenz steigend. Mit Vorurteilen und „dummen Sprüchen" wird Susanne Neumann nur selten konfrontiert: „Ich begegne jedem mit Freundlichkeit und werde von allen akzeptiert." Seit wenigen Wochen ist sie mit Peter zusammen, ihrem neuen Lebenspartner. Auch er hat einen zukunftssicheren Job: Fahrer bei ­Pfenning Logistics. (sm)

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