|  15. Dezember 2015
aktualisiert am 15.12.15 10:58h
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Mit dem W 50 zur transport logistic

Axel Plaß, geschäftsführender Hauptgesellschafter der Konrad Zippel Spediteur GmbH & Co. KG, erfüllt sich einen lang gehegten Traum: Er fährt mit einem IFA W 50 LA von Hamburg zur transport logistic nach München. Mit an Bord: Prokurist Marian Suhr und Speditionsleiter Paul, der eigentlich Ulf Schetzior heißt, aber eben nur Paul genannt werden will, so wie es auch schlicht auf seiner offiziellen Visitenkarte steht.

„Ich bin auf jeden Fall gedanklich mit dabei und wünsche den dreien viel Glück", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Axel Kröger und verdreht dabei etwas die Augen. Der Hamburger macht unmissverständlich klar, dass er als „gezwungenermaßen Mitinvestor des historischen Fahrzeugauf- und -umbaus" nicht sehr viel von diesem verrückten Projekt hält. Aber der Freizeitboxer will auch kein Spielverderber sein. Er hofft nur, dass er auf der Messe in München seine Mitstreiter gesund und munter wiedertrifft.

Führerschein auf W 50 gemacht

Plaß gesteht, dass er „gegen den Willen" seines Mitgesellschafters Kröger vor drei Jahren den DDR-Laster gekauft hat. „Wir wollen ihn für Werbe­zwecke nutzen", argumentierte er. Seinen ersten offiziellen Werbeauftritt sollte der Oldi bei der transport logistic haben. „Doch zur letzten Messe vor zwei Jahren war er noch nicht einsatzfähig", berichtet Logistiker Plaß. Deshalb soll er nun auf dem Stand Nr. 4 zwischen den Messehallen B3 und B4 präsentiert werden.

Natürlich könnte das historische Schätzchen auch per Tieflader an den Präsentationsort gebracht werden. Doch vor allem Plaß und Paul wollen sich den besonderen Fahrspaß, mit dem sie auch Suhr angesteckt haben, nicht nehmen lassen. Denn die beiden Enthusiasten haben eine besondere Beziehung zu diesem Nostalgiemobil. Plaß und Paul waren nämlich nicht nur DDR-Bürger, sondern sie kommen ursprünglich aus der dortigen Landwirtschaft und haben beide ihren LKW-Führerschein genau auf solch einem W 50 LA erworben.

Bis 1990 lief der W 50 noch in Ludwigsfelde vom Band. Hunderte dieser Neuwagen, die plötzlich keine Abnehmer mehr hatten, kaufte ein westdeutscher Investor auf. Zunächst standen die Fahrzeuge jahrelang unter freiem Himmel auf einer Wiese bei Heiligengrabe. Später bekamen die letzten von ihnen bei Wittstock ein Dach über die Karosse. Dort suchten sich Plaß und Paul 2012 ihr einstiges Fahrschulgefährt aus – mit zuschaltbarem Allradantrieb und Werkstattaufbau. Das abgestandene Neufahrzeug (Baujahr 1989) steuerten sie zur Aufbereitung in ihre Scania-Werkstatt bis nach Hamburg. Dort konnte der Meister es gar nicht glauben, dass sie die Strecke auf eigenen Achsen unfallfrei zurückgelegt hatten, denn „es war alles porös und absolut verkehrsuntauglich", erzählt Plaß.

Minibar in Halle B3

Ersatzteile? „Kein Problem", winkt der Logistiker ab. „Im Internet ist für die DDR-Fahrzeuge fast alles zu bekommen." Standardteile wie Schläuche passen problemlos aus dem Scania-Programm. So bekam der W 50 auch ein Wurzelholzlenkrad von der schwedischen Marke spendiert. „Aber mit einem IFA-Symbol", betont Plaß. Nach der kompletten Fahrzeugrekonstruktion wurde in Malchin eine Tischlerei gefunden, die den einstigen Werkstattaufbau in eine attraktive Minibar mit Bierzapfanlage verwandelt.

„Der originale Werkstatteinbau ist noch 1:1 zum Wiedereinbau vorhanden und steht jetzt ebenerdig in Rostock", versichert Plaß. Bis zu sieben Personen passen in diesen repräsentativen Miniraum. „Wir waren aber schon doppelt so viele", sagt der Initiator. Vor der Abfahrt nach München wird die Zippel-Bar in Hamburg gut gefüllt. Deren Inhalt soll aber nicht als Unterwegsverpflegung dienen, sondern die Standbesucher erfreuen.

Bereits vor Wochen hat sich Paul mit der Streckenführung befasst. „Wir wollen weitgehend die Autobahn meiden", verdeutlicht er. Das gelingt aber nur im ersten Teil. So beginnt die W-50-Abenteuertour auf der B 5, der historischen Transitstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Ab Lauenburg geht es dann weiter in südlicher Richtung über Lüneburg und Uelzen auf die B 71, deren Verlauf über Salzleben, Gardelegen und Haldensleben zur A 14 bei Magdeburg gefolgt wird. Über die A 9 wollen sich die drei Zippel-Manager am Abend dann im Raum Hof operativ-spontan eine Übernachtungsstätte suchen. Wenn sie bis dahin am ersten Mai-Sonnabend kommen, haben sie bereits gut 500 km bewältigt – mit maximalem Tempo 60. Rund zehn Stunden veranschlagen sie für diesen Tourabschnitt.

Am Sonntag (3. Mai) soll es dann von Hof über die A 93 bis zum Messegelände München gehen. Vom Sonntagsfahrverbot sind die drei mutigen Männer mit ihrer rollenden Minibar nicht betroffen, weil der W 50 unterhalb der 7,5-t-Grenze liegt. Diese letzte Etappe ist nur noch gut 300 km lang und bis auf München selbst dann doch alles Autobahnstrecke. „Aber mehr als 60 km/h sind trotzdem nicht drin", sagt Paul. Denn sie wollen ihre grüne Perle nicht auf Verschleiß fahren. Zusätzliche Ersatzteile will die Crew aber nicht mitnehmen. „Es funktioniert alles und ist in Ordnung", fügt er hinzu. Kraftakt wird die Nostalgietour zwischen Hamburg und München für die Akteure auf jeden Fall. Denn die W-50-Lenkung ist nur hydraulikunterstützt.

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