|  12. Februar 2015
aktualisiert am 11.08.15 13:57h
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Ohne Logistik kein Helau

In Düsseldorf sorgt eine nackte Tänzerin auf der Herrensitzung der KG Närrische Schmetterlinge für aufgeregte Debatten, und in Köln wird heftig um einen "Je suis Charlie"-Motivwagen gestritten. Die Karnevalsession in den beiden Hochburgen am Rhein steuert auf ihren Höhepunkt zu: den Rosenmontag. Jeweils deutlich über eine Million Menschen drängen an diesem Tag in die Städte, um den Umzug zu erleben. Ohne die Logistik im Hintergrund indessen gäbe es kein Helau und Alaaf, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt:

In Düsseldorf machen sich über 5000 Teilnehmer auf den 5 km langen Weg. Der Zug schlängelt sich mit Tempo 2,5 km/h vier bis fünf Stunden lang durch die Stadt. Dabei spielen über 30 Kapellen auf. Das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) hat jährlich 1,2 Mio. EUR zur Verfügung. Über 40.000 EUR müssen allein für das Rote Kreuz, Toiletten, Zäune und mittlerweile 35.000 EUR für Sicherheitsdienste ausgegeben werden. Wichtigste Einnahmequelle sind die TV-Lizenzentgelte von rund 280.000 EUR. In diesem Jahr darf es allerdings kein Konfetti von den Wagen regnen, weil die Stadtreinigung sonst ins Schleudern käme. 64 Motivwagen der Vereine sind zu sehen. Die Motive weiterer elf Persiflagewagen, die politische Themen auf die Schippe nehmen, bleiben bis Rosenmontag Geheimsache. Für die Sicherheit sorgen 100 Polizisten, weitere 350 Sicherheitskräfte wurden engagiert.

Der Karneval ist auch ein gutes Geschäft und Hunderte Millionen Euro wert. Auf mehr als 300 Mio. EUR wird der Umsatz in Düsseldorf geschätzt, davon sollen allein 100 Mio. EUR auf die Teilnahme an Sitzungen, Ausgaben für Kostüme, Taxifahrten und Übernachtungen entfallen. Die Unternehmensberatung Boston Consulting hat für Köln sogar 460 Mio. EUR pro Jahr errechnet. Die Karnevals-Indus trie und Party-Branche boomt: Kostümhändler Karneval Deiters zum Beispiel plant gerade ein neues Logistikzen trum neben seinem Hauptsitz in Köln-Frechen. Das Familienunternehmen zählt bereits 15 Filialen mit rund 500 Mitarbeitern in Deutschland, fünf weitere sind allein in diesem Jahr geplant. Zuletzt brachte er den Karneval vom Rhein an die Spree nach Berlin. In der Gastronomie gilt allerdings "Altweiber" am Donnerstag zuvor als umsatzstärkster Tag des Jahres, da dann vor allem in den Kneipen gefeiert wird. In Düsseldorf können es dann um die 40.000 Glas Alt und mehr sein. In Köln werden in einer Minute bis zu 50 Kölsch gezapft, heißt es. In den Nebenstraßen parken die LKW-Anhänger, um die Lokale schnell wieder mit Nachschub zu versorgen. "Die ganze Logistik sollen die Gäste aber nicht bemerken", erklärt ein Wirt.

In Köln findet Rosenmontag der wohl größte Umzug der Republik statt: Insgesamt nehmen an dem 8 km langen Zug rund 12.000 Personen teil sowie über 500 Reit- und Spannpferde, 82 Musikkapellen und 100 Traktoren. Für den Bau der über 100 Prunk-, Fest und Persiflagewagen mit ihren Großfiguren waren 4000 m Dachlatten, 18 km Draht, 350 kg Papier, 800 kg Nägel und Schrauben sowie 1000 kg Farbe nötig. Geworfen wird, was die Bagagewagen hergeben: 300 t Kamelle, mehr als 700.000 Schokoladen tafeln, über 220.000 Schachteln Pralinen und über 300.000 Strüßjes (Blumensträuße) prasseln dann auf die Zuschauer nieder. Der organisatorische Aufwand ist beträchtlich: Allein 24 Lazarettzelte, davon vier mit Arzt, 64 Sanitärtrupps, 560 Helfer werden gezählt. 800 Polizeibeamte sorgen für Sicherheit, unterstützt von über 1000 privaten Helfern, die Wagen, Kutschen und Pferde begleiten. 94 Fahrzeuge und 200 Mitarbeiter räumen nach dem Zug etwa 420 m3 Müll weg.

Doch auch an den Tagen vor Rosenmontag ist Logistikkompetenz gefragt: Denn die Zugstrecke muss begangen und gesichert werden, wie ansonsten bei Schwertransporten üblich. Da steht auch schon einmal ein riesiger Baukran im Weg. Er musste abgebaut werden, wie auch eine Straßenuhr und Poller, die den Wagen den Weg versperren - und zu gemeinen Stolperfallen für die Jecken werden.

 

 

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