|  09. Juli 2015
aktualisiert am 27.08.15 15:27h
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„Wir haben keinen Fahrermangel mehr“

Irgendwann hatte Theo Schuon die Faxen dicke: Der Geschäftsführer der Haiterbacher Spedition Alfred Schuon GmbH investierte jahrelang in die Ausbildung junger Nachwuchsfahrer, hatte eigens zusammen mit anderen regionalen Transportunternehmen den schulischen Teil der Ausbildung zum Kraftfahrer an einer Berufsschule organisiert, für Lehrer gesorgt und gehofft, so pro Jahr mindestens sechs frische Absolventen für sein Unternehmen als Fahrer rekrutieren zu können.

Doch übrig blieb maximal die Hälfte – der Rest brach die Ausbildung ab oder zeigte von Anfang an kein Interesse am Beruf des Kraftfahrers. „Hauptschüler sind mit 15 Jahren zu jung, um einen Führerschein zu erwerben, und Realschüler und Abiturienten wollen keine LKW fahren“, fasst Schuon seine Erfahrungen zusammen.

Die Lösung des Fahrermangels, den das Speditions- und Logistikunternehmen ebenso massiv spürte wie viele Mitbewerber, lag in Ungarn. Dort gibt es bereits seit 1997 eine Schuon-Niederlassung, und dort fielen immer wieder die vielen gut geschulten und gewissenhaften ungarischen Fahrer auf.

Juniorchef Alexander Schuon hatte dann die zündende Idee. In einer eigens gegründeten Personal-Service-GmbH in Deutschland stellt man nunmehr seit 2013 Fahrer aus Ungarn ein und vermietet sie nach dem Prinzip der Leiharbeit an die eigene Spedition sowie an externe Transportdienstleister. „Das System funktioniert“, sagt Theo Schuon. „Wir haben keinen Fahrermangel mehr.“

Die Sprachbarrieren waren glücklicherweise nicht sehr hoch, denn in Ungarn wird noch häufig deutsch gesprochen. Zusätzlich arbeitet die Spedition mit Sprach-CDs, die den Fahrern die Fachbegriffe beibringen. Die in ihrer Heimat getesteten und ausgewählten Fahrer, von denen die meisten bereits etliche Jahre Berufserfahrung mitbringen, erhalten nach einer dreitägigen Einführung in Deutschland unbefristete Verträge mit einer sechsmonatigen Probezeit.

Auch der Erwerb des Staplerscheins steht auf dem Programm. Um Papiere, Übersetzungen, ärztliche Untersuchungen und Behördengänge kümmern sich zwei Mitarbeiter am Standort in Haiterbach, einer davon selbst ist Ungar. Sie organisieren auch, dass die Fahrer jeweils drei Wochen zum Arbeiten in Deutschland sind und dann via Kleinbus zu einer einwöchigen Auszeit zurück in ihre ungarische Heimat gefahren werden. Rund 60 Ungarn sind derzeit bei der Personal-Service-Gesellschaft angestellt, 45 jeweils im Einsatz. Neben Fahrern verleiht die Firma mittlerweile auch Kaufleute, die in kaufmännischer Logistik geschult sind.

„Die ungarischen Fahrer sind penibler als unsere deutschen“, schmunzelt Theo Schuon. „Die schauen sich jeden LKW genau an, bevor sie damit losfahren.“ Klar müsse ihnen aber auch sein, dass sie insbesondere als Ersatzfahrer eingesetzt würden, zu Stoßzeiten und auf wechselnden Fahrzeugen und Strecken. „Dafür habe ich einen Personalverleih, um Spitzen abdecken zu können“, so Schuon. Die Bereitschaft, gerade dann zu fahren, wenn Ferienzeiten, Krankheitswellen oder Brückentage Engpässe verursachen, sei Einstellungsvoraussetzung.

Rechtlich funktioniert das Ganze auf der Grundlage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes folgendermaßen: Die Personalagentur ist eine eigenständige GmbH und verfügt über die notwendige Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung, die von der Arbeitsagentur erteilt und jährlich überprüft wird. Die ungarischen Fahrer schließen mit dieser Verleihfirma die Arbeitsverträge gemäß den Lohntabellen der IGZ, dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen.

Zwar sind die Löhne nicht so hoch wie die der direkt angestellten Fahrer, aber für die Ungarn immer noch sehr attraktiv. Dann verleiht die Personal-Agentur die Fahrer an die Alfred Schuon GmbH und andere Transportunternehmen, in der Regel zu einem festen Tagessatz. „Das meiste regelt sich über den Preis, und der stimmt bei uns“, sagt Seniorchef Theo Schuon. Die externen Kunden seien sehr zufrieden und hätten etliche Fahrer im Dauereinsatz. Entsprechend wolle man weitere Kunden gewinnen, um diesen Bereich auszubauen. Dann sei auch die Akquise weiterer Fahrer in Ungarn notwendig, was aber kein Problem sei. „Das geht alles über Mundpropaganda, wir mussten dort noch keine einzige Anzeige schalten“, sagt der Firmenchef zufrieden. Er hat jetzt ein Problem weniger.

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