21. November 2017
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Mit Mach 1 in die digitale Zukunft

Der Transport von Waren gilt als eines der ältesten und globalsten Gewerbe und gleichzeitig als eine wichtige Kraft hinter der Globalisierung. Das Transportgewerbe ist ein sehr traditionelles Geschäft. Doch das ändert sich gerade. Wie kaum in einer anderen Industrie wird die Digitalisierung auch die Logistikunternehmen verändern.

Tech-Giganten treiben Innovationen
Die Logistikindustrie ist ein schwieriges Geschäft. Politische oder naturbedingte Krisen wirken sich unmittelbar auf den Bedarf an Transportleistungen aus. Die Margen sind niedriger als in anderen Industrien, Überkapazitäten drücken auf die Preise, zunehmende Umweltauflagen erhöhen die Kosten, die notwendigen Infrastrukturen wie Straßen und Gleise werden zunehmend belastet.

Aber es gibt Hoffnung: Durch die Digitalisierung verbessert sich der Informationsaustausch aller an der Logistik beteiligten Akteure: eine verbesserte Planung, Kontrolle und Steuerung zu Gunsten der Unternehmen und Kunden ist die Folge. Informationen ermöglichen Innovation, bessere Entscheidungen, beschleunigen die Prozesse und reduzieren die Kosten bei gleichzeitig steigender Kundenzufriedenheit.

Auch DHL hat hierauf reagiert und einen Paketkopter entwickelt, welcher Regionen mit einer geografisch anspruchsvollen Lage den Zugang zu einem schnellen und flexiblen Versand und Empfang von Sendungen bietet. Google entwickelt das selbst fahrende Auto und revolutioniert die Arbeitsweise von Logistikmitarbeitern, die die benötigten Waren in den Regalen mittels „Google glass“ einscannen und automatisch verbuchen. Uber hat das Taxigeschäft durch eine mobile Plattform revolutioniert und will ab 2022 die Taxis in Singapore durch selbstfahrende Elektromobile ersetzen.

Bleiben die traditionellen Logistiker auf der Strecke?
Mobilität und Transport sind einfache Ziele der Digitalen Wirtschaft und werden die etablierten Unternehmen in den direkten Wettbewerb mit den digitalen Unternehmen führen. In anderen Branchen musste man die Erfahrung machen, dass sich daraus in kürzester Zeit monopolartige Stellungen bilden können. Dem stehen viele etablierte Unternehmen geradezu hilflos gegenüber. In der „alten“ Welt kannten sie ihre Konkurrenten und deren Stärken und Schwächen – in der digitalen Welt kommen die „neuen“ Platzhirsche nun aus einer anderen – der High-Tech-Welt.

Digitale Start-ups oder digitale Transformation
Grundsätzlich müssen wir bei der Digitalen Transformation zwischen der Entwicklung eines neuen digitalen Start-ups und der Digitalisierung der traditionellen Organisation unterscheiden. Der Aufbau eines digitalen Start-ups bringt einige Vorteile mit sich. So sind diese meist schneller, agiler, innovativer und kostengünstiger als die traditionellen Organisationen. Das liegt unter anderem daran, dass man sich nicht mit Altsystemen und -strukturen beschäftigen muss. Genauso viel zählt, dass auch alteingesessene Gewohnheiten bei der Belegschaft nicht verändert werden müssen. Stattdessen kann man hochqualifizierte und spezialisierte Mitarbeiter rekrutieren und flache organisatorische Strukturen etablieren.

Andererseits fehlt es den digitalen Start-ups zu Beginn häufig am notwendigen Branchen-Knowhow, an Partnerorganisationen und einer ausreichenden Kundenbasis. Zu Beginn verfügt das Start-up nur über geringe Einnahmenquellen und muss viel Geld in die Bekanntheit des Unternehmens stecken, um die kritische Masse an Kunden zu erreichen.

Mit Mach 1 in die digitale Welt
Diese Überlegungen gelten auch für das Frachtgeschäft der Deutsche Post DHL Group. Die Chancen der Digitalisierung hat man dort be- und ergriffen: Unter dem Namen Saloodo bauen die Bonner einen digitalen Marktplatz für Logistikleistungen auf. Ziel des Start-ups ist, die Marktführerschaft im Freight Business zu sichern.

Die Idee ist so simpel wie gut. Mit Hilfe eines digitalen Marktplatzes positioniert sich Saloodo zwischen Logistikdienstleistern und Kunden. Dabei sollen drei zentrale Probleme des Frachtgeschäfts gelöst werden:

1.)    Geringe Transparenz aufgrund des stark fragmentierten Marktes mit vielen Kleinstanbietern von Transportleistungen

2.)    Geringe Marge verursacht durch hohe administrative Kosten und geringe IT-Unterstützung

3.)    Optimierung der Transportauslastung und Reduktion von Belastungen für Umwelt und Infrastruktur

Mit Amadou Diallo hat man einen Top-Manager aus den eigenen Reihen für diese Aufgabe ausgewählt. Für das Start-up Saloodo hat er drei Leitlinien definiert:

1.)    Speed, speed und nochmals speed. Erst vor circa einem Jahr gegründet, ist der Marktplatz schon seit Anfang Januar 2017 live. Wenn man schnell sein will, muss man auch Fehler machen dürfen – denn der größte Fehler wäre es, den Marktplatz nicht zu bauen.

2.)    Digitale Kompetenz Hand in Hand mit Logistik-Know-how: Digital Natives bilden das zentrale Team. Um mit der digitalen Konkurrenz mithalten zu können, braucht es die besten „digitalen Talente“ in allen Prozessbereichen – das Logistik-Know-how hat man im Konzern.

3.)    First Class User Experience – eine intuitive Benutzerführung über alle Anwendungen hinweg für die Transport-Kunden ist die beste Voraussetzung zur die Akzeptanz des Marktplatzes.

Mit einer "Digital-Kultur" im Logistikmarkt
Eine der grössten Herausforderungen bei der Etablierung eines Marktplatzes ist, genügend Marktteilnehmer auf mindestens einer Seite des Marktplatzes zu finden, damit das Angebot auch für die andere Seite der Marktteilnehmer interessant wird. Indem bei jeder Transportanfrage unmittelbar ein Angebot von DHL Freight abgegeben wird, ist der Marktplatz von Anfang an „lieferfähig“.

Ansonsten geht man meist eigene Wege und Deutsche Post DHL Group gewährt dafür auch genügend Freiräume. Systematisch hat man Kunden und Logistikdienstleister nach ihren Bedürfnissen befragt. Diese wollen weniger Administration, weniger Telefongespräche und auch weniger Papier. Dafür erwarten sie von einer Logistikplattform zusätzliche Aufträge, Geschwindigkeit, Transparenz, durchgängige Prozesse mit integrierten Zahlungs-, CRM- und Logistikfunktionen.

Insbesondere die kleineren Logistikunternehmen können sich meist keine eigene IT-Lösung leisten. Für sie stellt Saloodo eine benutzerfreundliche Logistikplattform zur Verfügung. Die Plattform unterstützt, überwacht, dokumentiert und optimiert die gesamte Abwicklung von Transporten.

Die Versender finden mit Saloodo! zuverlässige Transportunternehmen ohne langwierige Preisverhandlungen oder aufwendige Servicevergleiche. Sobald sie ihren Transportauftrag eingestellt haben, erhalten sie eine Preisindikation basierend auf aktueller Marktlage, Sendungsdetails und Kapazitätsverfügbarkeit.

Gleichzeitig können die Transportunternehmen Angebote abgeben. Ein dynamischer Preiskalkulator, basierend auf einer ständig wachsenden Echtzeit-Datenbank unterstützt die Transportunternehmen dabei, wettbewerbsfähige Angebote abzugeben und ihre Chance auf eine optimierte Kapazitätsauslastung zu erhöhen.

Der Versender kann völlig frei das unter Preis- und Qualitätsmerkmalen beste Angebot wählen – hat aber als Vertragspartner immer nur Saloodo! als professionellen Dienstleister. Der Versender bezahlt eine Administrationsgebühr für die Vermittlung des Auftrags. Die Registrierung hingegen ist für Versender und Transporteur kostenlos.

Während des Transports gleicht eine Fahrer App die aktuelle Position des LKWs mit der Abhol- und Ankunftsadresse der jeweiligen Route ab und erinnert den Fahrer daran, wichtige Statusmeldungen während der Fahrt zu bestätigen und auftretende Schwierigkeiten direkt zu dokumentieren.

Saloodo ist nicht der Erste und nicht der Letzte
Ziel von Saloodo ist, dass sich bis Ende des Jahres mehr als 10.000 Transportunternehmen registrieren. Aber immer mehr Logistikunternehmen drängen auf den Markt, wie beispielsweise Cargonexx, Instafreight, Pamyra, Freightex, und UShip. Allen gemein ist, dass sie Angebot und Nachfrage nach Transportleistungen über ein Online-Portal zusammenbringen wollen.

Und nun drängen auch noch neue digitale Wettbewerber aus einer ganz anderen Richtung auf den Logistikmarkt. Mit Hilfe ihrer Erfahrungen über komplexe Logistikketten, versuchen sich Automobilkonzerne mit digitalen Logistiklösungen. VW hat gleich eine ganz neue Marke gegründet. RIO steht für digitale Lösungen in Transport und Logistik. Ziel ist es, alle Beteiligten einer Lieferkette, vom Versender über die Spedition, den Verlader und Disponenten sowie Fahrer bis hin zum Empfänger, über ein einheitliches Informationssystem miteinander zu vernetzen.

Zusammenfassung und Ausblick: The winner takes it all
Wie kaum ein anderer Markt wird die Logistikbranche durch die Digitalisierung transformiert. Ursächlich dafür sind die Ineffizienzen, die sich aufgrund der Vielzahl der Akteure und dem mangelhaften Informationsaustausch ergeben. Diesen Sachverhalt versuchen Startups, Logistikkonzerne und Automobilhersteller auszunutzen und mit digitalen Lösungen und Geschäftsmodellen Kunden zu gewinnen.

Aber der Wettbewerb nimmt zu und nicht alle werden sich behaupten. Meist etablieren sich auf digitalen Märkten monopolartige Strukturen. Die Kunden wollen sich nicht auf verschiedenen Marktplätzen tummeln oder unterschiedliche Systeme bedienen. Amadou Diallo: „Sie werden sich danach richten, wo sie den höchsten Nutzen zu vertretbaren Kosten finden – und der Nutzen ist meist dort am höchsten, wo man die besten Angebote erhält und die administrativen Probleme gelöst werden. Warum dann noch woanders hingehen?“

 

Autoren dieses Beitrages:

Prof. Dr. Axel Uhl, Professor Dr Axel Uhl, Stellv. Leiter des Institute for Business Information Technology an der Zurich University of Applied Sciences

Elaine Tan, COO, Saloodo GmbH

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