|  06. Dezember 2017
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Spedition unter Kapazitätsdruck

Die aktuellen Kapazitätsengpässe sind das alles beherrschende Thema in der Logistik. „Das konjunkturbedingte Mengenwachstum in sämtlichen Teilmärkten der Logistik führt Speditionen an Kapazitätsgrenzen“, bekannte Mathias Krage, Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), im Vorfeld des jährlichen Unternehmertags in Berlin. „Von Anfang bis Ende einer Transportkette fehlt Kapazität“, präzisierte Präsidiumskollege Axel Plass. „Loks, Waggons und LKW auf der einen Seite und Zollpersonal, LKW-Fahrer, Lokführer, Lager und Disponenten auf der anderen.“ Auch in der Luftfracht fehle Personal, wie die aktuelle Situation am Frankfurter Flughafen nachdrücklich beweise, unterstrich auch DSLV-Vizepräsident Willem van der Schalk.

Die Folge: „Das Machtgefüge zwischen Angebot und Nachfrage kehrt sich um“, konstatiert Krage. „Kapazität vor allem auf der Straße ist nicht mehr wie bisher auf Knopfdruck verfügbar.“ Für das kommende Jahr müssten sich Kunden sogar darauf vorbereiten, „dass wir die Waren nicht in dem Umfang abholen können, wie sie das gewohnt sind“.

Gleichzeitig steigen die Kosten für Mitarbeitergewinnung und Kapazitätssicherung. Das Problem: „Angesichts laufender Verträge können die Preise kaum angepasst werden“, stellt Krage fest. Aber: „Perspektivisch gesehen stellen wir fest, dass das Verständnis der Auftraggeber gewachsen ist“, erwartet er entsprechende Korrekturen nach oben. Denn „heute führen wir Preisgespräche, die wir vor ein bis zwei Jahren nicht geführt haben“, ergänzt Plass. Allerdings verhindere aus seiner Sicht die Kleinteiligkeit der Branche noch, dass sich die Ertragslage deutlich verbessert. Immerhin: Die Wertschätzung für die Speditions- und Transportbranche steige bei den Verladern, haben die Spediteure registriert.

Letztlich sei es nun die Aufgabe aller Beteiligten, langfristig Fahrer zu rekrutieren. Eine Universallösung gebe es aber dafür nicht, bedauert Hauptgeschäftsführer Frank Huster. Ein Anziehen des Lohngefüges, wie derzeit zu beobachten, könne dabei ebenso helfen wie verbesserte Bedingungen an Rampen und Parkplätzen. Auch eine technisch moderne Umgebung und die Funktion quasi als Supervisor eines Fahrzeuges könne das Berufsbild aufwerten, so seine Hoffnung. Auch die Verlader seien gefordert: „Die Zeiten, zu denen sich 100 LKW vor Rampen gestaut haben, müssen Geschichte sein“, mahnte Krage. Kostbare Fahrerkapazitäten dürften nicht an Rampen vergeudet werden, nur weil ein Beteiligter an der kompletten Lieferkette sich selbst optimieren möchte.

Die Bewältigung der langfristig steigenden Transportmengen „wird mit den jetzigen Strukturen, Bedingungen und dem heutigen Modal Split nicht gelingen“, warnte Plass. So sehe die Spedition durchaus zusätzliches Marktpotenzial für die Schiene, aber „unter verbesserten Rahmenbedingungen“. So müssten die Kosten reduziert werden, die Qualität des Schienenverkehrs gesteigert und mehr Wert auf die Schiene im Rahmen der Ausbildung sowohl bei der Spedition, aber auch bei den Verladern gelegt werden.

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