13. Juni 2017
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„Wo eine IT-Plattform ist, ist auch ein Weg“

Machen Online-Portale den Job des Disponenten leichter? Und was tun, wenn Logistiker wie Verlader mit einer wachsenden Herausforderung disponieren müssen: dem Fahrermangel? Eine Lösung liegt – wie so vieles im Zeitalter der Digitalisierung – in der webbasierten Kommunikation. Sie schafft nicht nur mehr Transparenz. Sie sorgt auch für ein neues Maß an Eigenverantwortung.Fahrer sind die neuen Stars der Logistik. Innerhalb von 24 Stunden wurde das Video von Robert Celan auf Facebook mehr als 19.000 Mal geklickt. Der 45-jährige Kroate ist seit 2009 bei Pfenning Logistics angestellt und beliefert im Nahverkehr Handelskunden des Heddesheimer Logistikers. Der 90 Sekunden lange Filmbeitrag (auch auf www.facebook.com/disponaut zu sehen) ist ein Bekenntnis an den Job und die Arbeitsbedingungen, die Celan bei Pfenning Logistics vorfindet. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Disponieren trifft auf Fahrermangel
„Die Fahrer erhalten weder inhaltliche Vorgaben für das Video-Interview von uns, noch verpacken wir irgendwelche Werbebotschaften in dem Format“, erläutert Yeliz Kavak-Küstner, Marketing- und PR-Chefin von Pfenning Logistics, das Konzept. Es heißt „LKW Logenplatz“ (www.lkw-logenplatz.de) und setzt bei der Suche nach Fahrern ausschließlich auf eine Plattform im Internet und die sozialen Medien. Denn auch die Marketing- und PR-Chefin von Pfenning Logistics muss mit einem Branchenproblem disponieren, das sich täglich zuspitzt: dem Fahrermangel.

Seit Oktober 2016 am Start, hat allein die Online-Kommunikation über verschiedene Kanäle im Web die Zahl der Fahrerbewerbungen bei Pfenning um fast 50 Prozent steigen lassen, berichtet Kavak-Küstner. Gleichzeitig habe man das Budget für herkömmliche Stellenanzeigen reduzieren können.

Ein interessanter Aspekt sei, dass über die Netzwerkplattform selbst Quereinsteiger den Weg zu Pfenning Logistics finden würden, die sich für eine Karriere als Berufskraftfahrer interessierten. „Die Sympathie für den Fahrer-Job steigt“, beobachtet die Marketingexpertin. Und das habe auch mit einem neuen Maß an Transparenz zu tun, das über die Netzwerkkommunikation gewinnen werde. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Die Branche geht neue Wege der Kommunikation. Sie öffnet sich für Innovationen, die eine Zusammenarbeit mit Dienstleistern und Geschäftspartnern effizienter macht und die Servicequalität der Logistik durch transparente Informationsprozesse erhöht.

„Wo eine digitale Plattform ist, ist auch ein Weg“, sagt Axel Löhr, Vorstand der Serie A AG. Das Kölner Unternehmen bietet mit NX3 (www.serie-a.de) eine digitale Plattform für die unternehmensübergreifende Kollaboration von Dienstleistern in Transportnetzwerken. Über die webbasierte IT-Lösung, die unter anderem von DB Schenker genutzt wird, können Unternehmen beliebig viele Dienstleister und Geschäftspartner in ihr Netzwerk integrieren und dieses über digitalisierte Prozesse managen. 

Interessant: Löhr ist mit seinem Unternehmen auch Kooperationspartner von Fairtruck (www.fair-truck.de). Fairtruck, eine Idee der Logistik-Initiative Hamburg, ist eine Plattform für Berufskraftfahrer. Ziel ist, diesen Berufsstand aufzuwerten. Pfenning Logistics, Hermes, Zippel Logistik und Budnikowski gehören zu den Gründungsmitgliedern.

Diese Initiative ist auch dringend geboten: Laut Fairtruck fehlen 2022 bundesweit bis zu 150.000 Berufskraftfahrer bei gleichzeitig steigendem Güteraufkommen auf der Straße. Und ohne LKW-Fahrer keine Disposition.

Disponent wird nicht überflüssig
Wie wirkt sich die Kommunikation über digitale Plattformen auf die Arbeitswelt des Disponenten aus? Macht sie ihn gar überflüssig? „Die Digitalisierung wird das Berufsbild des Disponenten verändern, ersetzen kann sie ihn nicht“, ist Löhr überzeugt. „Die Digitalisierung von Dispositionsprozessen ist eine Arbeitsunterstützung, die Disponenten dabei hilft, das Beste aus ihrer Zeit herauszuholen und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Partner zu erleichtern.“ "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Wesentliche Voraussetzung für den Erfolg von Zusammenarbeit in Transportnetzwerken sei es, seine Partner zu kennen, sie richtig einzusetzen und in auftragsbezogene Kommunikationsabläufe einzubinden“, fährt Löhr fort. Deshalb können alle Aufgaben, die mit der Qualifizierung, Auftragssteuerung und Bewertung von Dienstleistern zusammenhängen, über eine solche Plattform abgebildet werden und so eine digitale Entscheidungshilfe in der Disposition darstellen. Bekannte Stichwörter lauten: Qualified Carrier und Trusted Carrier (siehe Infokasten).

Der Erfassungs- und Pflegeaufwand für die dienstleisterbezogenen Daten soll für den Disponenten vernachlässigbar sein, da sich der Transportunternehmer selbsttätig in die Plattform einbucht. Der Zugang erfolgt – ähnlich wie bei Buchungs- oder Shopping-Plattformen im Internet – über „Self-Service-Prozesse“: anmelden, einloggen, loslegen. Nur im Moment der Qualifizierung gibt es eine Kontrollschranke, die den Dienstleister nach Prüfung freischaltet.

Wie bei anderen Portalen im B2C-Bereich, dient die automatisierte  Abfrage dazu, ein klares Dienstleisterprofil zu erstellen. Dabei können Richtlinien, nach denen das Profil erstellt werden soll, von dem Netzwerkbetreiber festgelegt werden. So lassen sich qualitative Kriterien im Zuge der Disposition berücksichtigen: Besitzt der Transportdienstleister eine Umweltzertifizierung? Sind Euro-VI-Fahrzeuge im Einsatz? Verfügt er über eine HACCP-Zulassung, die zum Lebensmitteltransport berechtigt?

Einer aus 10.000
Unternehmen wie DB Schenker nutzen die Plattform NX3 für ihr Carrier-Management. So ist es der Disposition möglich, unter zehntausenden von Dienstleistern den passenden Partner für den jeweiligen Transportauftrag zu finden. Dabei werden Kundenanforderungen in Sekundenbruchteilen automatisch mit den Profilen der gelisteten Partnerunternehmen abgeglichen. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Positive Erfahrungen mit der neuen Form des Self-Managements macht Imperial. Dort hat der Logistiker zur Personaleinsatzsteuerung von Fahrern ein „Self-Briefing Portal“ etabliert, das wie ein elektronischer Check-In-Counter am Flughafen funktioniert. Am Terminal können sich Fahrer vor Dienstantritt anmelden, ohne dass sie mit einem verantwortlichen Mitarbeiter kommunizieren müssen. Über das biometrisch gesicherte System stehen dem Fahrer alle persönlichen, berufsbezogenen Informationen in digitalisierter Form bereit, die für seinen Einsatz wichtig sind: Führerschein, Weiterbildungen, Qualifikationen, Unfallreports – nur über seinen Fingerabdruck erhält der Fahrer Zugang zum Portal. (tof)

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