|  04. Juni 2015
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Fördermittel bleiben oft ungenutzt

Es gibt nichts, was es nicht gibt: von Zuschüssen zu Betriebsberatungen über Energie- und Umweltmaßnahmen bis hin zu Investitionen in Sachmittel oder die Unternehmensnachfolge. Auch Darlehen für Investitionen können zu vergünstigten Konditionen aufgenommen werden. Für die Wirtschaftsbereiche Transport und Logistik gibt es mittlerweile bis zu 750 Programme. „Hier den Überblick zu behalten ist keine leichte Aufgabe“, erklärt Jörg Rehaag von der SVG Bundes-Zentralgenossenschaft Straßenverkehr, Frankfurt/Main gegenüber der DVZ.

Bekannt sind vor allem die Förderprogramme Sicherheit und Umwelt, auch De-Minimis genannt. Auch die Aus- und Weiterbildungsprogramme werden stark genutzt. Für beide ist das Bundesamt für Güterkraftverkehr (BAG) der Fördermittelgeber. Dort werden die Förderungen beantragt und auch von dort vergeben.

Bei der Suche nach weiteren geeigneten Förderprogrammen stockt oft schon die Recherche. Programme für Transporteure und Logistiker sind teilweise sehr speziell. „Es gibt keine zentrale Plattform im Internet, die über alle Fördermöglichkeiten informiert“, weiß David Walther, ebenfalls von der SVG Bundes-Zentralgenossenschaft Straßenverkehr, aus Erfahrung. Den Unternehmer durch den Bürokratiedschungel zu begleiten hat sich die „Fördermittelberatung“ der Straßenverkehrs-Genossenschaft (SVG) zur Aufgabe gemacht. Das geht von der Auffindung des geeigneten Förderprogramms über die Anträge bis zur späteren Umsetzung des Projektes.

Zwei Wochen Recherche

Erfahrungsgemäß dauert je nach Umfang des Vorhabens die Recherche bis zu zwei Wochen. Dazu gehört, dass vor der Antragstellung die Fakten vollständig sind und alle Termine eingehalten werden. „Vor allem kleinere Mittelständler haben Probleme, ein Vorhaben zeitlich zu umreißen, feste Zuständigkeiten zu definieren oder den Finanzierungsaufwand darzustellen“, erklärt Walther. Wenn sie das nicht schaffen, verschenken sie oft Geld und Möglichkeiten.

Programme oft nicht kombinierbar

Wer einmal ein attraktives Programm gefunden hat, sollte die dazugehörige Förderrichtlinie genau studieren. Sie gibt Auskunft darüber, unter welchen Voraussetzungen nicht rückzahlbare Zuschüsse oder andere Förderungen gewährt werden können. Gerade hier liegt der Teufel im Detail, denn der Klärungsbedarf mit den zuständigen Stellen kann infolge der bewusst allgemein gehaltenen Formulierungen beträchtlich sein. Zusätzlich kompliziert macht die Sache, dass manche Förderprogramme nicht miteinander kombinierbar sind. Oder es gibt Einschränkungen, wie den maximal zulässigen Subventionswert von 100.000 EUR für De-Minimis-Beihilfen innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Jahren.

Spitzenreiter ist Fuhrparkförderung

Spitzenreiter unter den SVG-Fördermittelanfragen sind Investitionen in den Fuhrpark und Erweiterungsvorhaben – etwa der Neubau einer Lagerhalle. Im Kommen sind außerdem Energiethemen, insbesondere dann, wenn die Investition in ein Energiemanagement aus betriebswirtschaftlicher Sicht langfristig lukrativ ist.

Energiemanagement lohnt sich

„Viele zögern, wenn sie hören, dass Maßnahmen wie die Installation eines stromsparenden Beleuchtungskonzepts zunächst zusätzliche Kosten verursachen und sich in der Regel erst nach ein paar Jahren amortisieren“, ist die Erfahrung von Rehaag. Nach Erkenntnissen der SVG beschäftigt sich bislang erst jedes zehnte mittelständische Transport- und Logistikunternehmen intensiv mit dem Energiethema, obwohl dafür so viel Fördermittel wie noch nie zur Verfügung stehen. Und: Geld kann zum Beispiel auch durch energieeffizientes Bauen und Sanieren eingespart werden.

Interessante Fördermöglichkeiten existieren aber auch für Themen wie Unternehmensnachfolge, Preiskalkulation oder die Verbesserung der betriebseigenen Finanzierungsstruktur. Sogar die Beratung zu diesen Themen ist förderfähig mit Zuschüssen in Höhe von bis zu 75 Prozent der Beratungskosten, bis maximal 1500 EUR.

Forschungsförderung für KMU

Noch nicht auf der Agenda kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) steht das Thema Forschungsförderung. Auch für interessante Innovationsprogramme, zum Beispiel, wenn es um die Entwicklung neuer Dienstleistungen oder Umwelt themen geht, können kleine Transporteure und Logistiker Fördermittel beantragen. Ob man Förderung erhält, hängt davon ab, ob Prozesse im Unternehmen verbessert werden können und ob die Maßnahme einen Fortschritt darstellt.

Konzept gut „verkaufen“

Nicht unerheblich ist im Übrigen, wie gut ein Konzept „verkauft“ wird. Baut ein Unternehmen nur eine Lagerhalle auf die grüne Wiese, dann ist das in der Regel keine Innovation. Wer jedoch dagegen den Hallenbau mit einer grünen Dienstleistung verbindet und zusätzlich Solarpaneele, eine Tanksäule oder eine Wärmepumpe installiert, kann auf Förderung hoffen.

Auch die Umstellung von manueller Kommissionierung auf Pick-by-Voice (beleglose Kommissionierung durch ein Spracherkennungssystem) ließe sich zum Beispiel grundsätzlich fördern, wenn eine Prozessverbesserung dargestellt wird. Bei der Beantragung und Bewertung geht es darum, die Effizienz der Umstellung durch eine Gegenüberstellung der Situation vorher und nachher zu veranschaulichen. Die Fördermittelgeber legen Wert darauf, dass man sich Gedanken über Verbesserungspotenziale gemacht hat.

„Es gibt also viele Möglichkeiten, nicht rückzahlbare oder vergünstigte Gelder zu erhalten. Nur: Wer keinen Antrag stellt, lässt im Zweifel mehrere Tausend Euro liegen“, betont Rehaag.

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