|  27. Juli 2015
aktualisiert am 18.08.15 14:37h
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„Nur nicht nervös werden“

Wenn es darum geht, wie die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls die Einhaltung des Mindestlohns in Transportbetrieben überprüft,herrscht landläufig das Bild einer Horde von bewaffneten Beamten mit Springerstiefeln vor, die morgens um fünf das Unternehmen stürmen und den Betrieb für Stunden lahmlegen. Das kann so sein, muss es aber nicht, wie Claudia Rinke, Geschäftsführerin der Möbelspedition Franz Schloms, Hannover, im Gespräch mit der DVZ erläutert.

Frau Rinke, wie und wann haben Sie von der Durchsuchung des Zolls erfahren?

Ungefähr acht Wochen vor dem Prüfungstermin wurden wir vom Zoll angeschrieben.

Meldet er sich künftig immer vorher an?

Wenn es keinen konkreten Verdacht gibt, wohl. Dann hat die Prüfung vermutlich mehr einen informativen Charakter.

Weshalb wurde bei Ihnen geprüft?

Im Rahmen einer Straßenkontrolle des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) wurde ein Mitarbeiter, der mit einem Sprinter unterwegs war, geprüft. Wir vermuten einen Querverweis an die Finanzkontrolle.

Wie viele Zollbeamte kamen?

Nur zwei Beamte. Da wir unsere Buchhaltung an einen Steuerberater ausgelagert haben, wurden dort die Kontrollen vorgenommen. Unser laufender Betrieb wurde dadurch nicht beeinträchtigt.

Wie lange dauerte die Prüfung?

Die Beamten kamen um 8 Uhr, um 12 Uhr habe ich noch Personalunterlagen aus unserem Büro nachgeliefert und in einem einstündigen Gespräch Fragen beantwortet. Die Prüfung war in etwa vergleichbar mit den Prüfungen der Sozialkassen.

Was wurde alles mitgenommen?

Nichts. Es wurden nur die Akten eingesehen. Wir haben alle im Schreiben angegebenen Unterlagen rechtzeitig zusammengestellt und den Beamten vorgelegt.

Gab es noch Hinweise der Beamten?

Ja, die Beamten teilten uns mit, dass alles in Ordnung sei. Sie gaben noch einen Tipp: Die Pausenzeiten bitte extra notieren und nicht, wie von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles vorgesehen, nur die Anfangs- und Endzeiten aufschreiben. Das machen wir jetzt.

Hatten Sie zu irgendeinem Zeitpunkt ein mulmiges Gefühl?

Als die Ankündigung in der Post lag, habe ich mich schon erst mal erschrocken. Aber ich habe direkt Kontakt aufgenommen und nach dem Grund gefragt und was wir vorbereiten können. Später dann, als ich die Mitarbeiter mit Waffe und in Uniform sah, flößte das schon Respekt ein. Danach lief alles ganz unkompliziert.

Welchen Tipp können Sie geben?

Nur nicht nervös werden. Sich konkret informieren, was und welcher Zeitraum geprüft werden soll. Hilfreich war es sicher auch, dass unser Verband von Anfang an in Kontakt mit dem Zoll stand und seine Unterstützung bekundet hat.

Welches Fazit ziehen Sie?

Auch wenn so eine Prüfung einem ordentlich geführten Betrieb keine Angst einjagen sollte, ist es eben doch ein zusätzlicher Zeit- und Arbeitsaufwand, der mal wieder unsere Branche trifft. Denn auch die Rechnung des Steuerberaters folgte prompt. Ob ich sie mal an Frau Nahles weiterleite? (Schmunzelt.)

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