|  07. April 2014
aktualisiert am 14.08.15 16:24h
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Vorsicht: Diebe lesen mit!

Wird einem Problem wenig Beachtung in der Öffentlichkeit geschenkt, suchen die Betroffenen gern die Nähe zur Presse. Doch ist das im Fall von Frachtdiebstählen wirklich so klug? Unter den Mitgliedern der Transportsicherheitsvereinigung Tapa gehen die Meinungen dazu offenbar auseinander. Nachdem die Tapa ihre Jahresstatistik veröffentlicht hatte, berichteten auch die Medien - die DVZ sogar auf Seite 1. Aus Sicht der Tapa eigentlich positiv, klagen die Verantwortlichen doch immer wieder darüber, dass das Thema Frachtkriminalität von den Polizeibehörden und der Politik nur stiefmütterlich behandelt wird. Transparenz zu schaffen, sei daher zurzeit die Hauptaufgabe, betont Thorsten Neumann, der Tapa-Vorsitzende für die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika. Denn von der Intransparenz profitierten schließlich die Kriminellen.

Dennoch ist nun unter den Mitgliedern offenbar eine Debatte darüber entbrannt, inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, öffentlich zu sehr auf das Ausmaß der Frachtdiebstähle aufmerksam zu machen. Wie aus informellen Gesprächen in Meetings und bei Konferenzen hervorgehe, seien die Meinungen darüber eindeutig gespalten, schreibt die Tapa in ihrem aktuellen Mitglieder-Newsletter. Demnach sagen die einen: "Ja, wir brauchen die Öffentlichkeit, um eben die Polizei und die Regierungen daran zu erinnern, dass sie es sich einfach nicht leisten können, das Problem zu ignorieren." Dies helfe zudem auch dabei, die Strafverfolgungsbehörden dazu zu bringen, zusätzliche Ressourcen einzusetzen, um die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Abgesehen davon helfe ein großes Medienecho, neue Mitglieder zu gewinnen.

Generation Möchtegern-Ganoven

Andere dagegen warnen: Zuviel Aufmerksamkeit, etwa in Form von Informationen zu potenziellen Sicherheitslücken während des Transports, könnte nicht nur Kriminelle, sondern möglicherweise auch "eine neue Generation von Möchtegern-Ganoven" auf den Plan rufen, welche die Lieferkette niemals ins Visier genommen hätte.

Die Vorstellung dürfte für Kriminelle in der Tat verlockend sein: Mitten in der Nacht auf einem ungesicherten Parkplatz einfach die Plane eines LKW aufschlitzen und schon hat man Zugriff auf mitunter hochwertige Produkte. "Die Kriminellen konzentrieren sich vermehrt auf den Cargobereich, weil hier die Erfolgschancen groß sind", sagt Neumann. So fragen sich die Tapa-Verantwortlichen: "Bewerben wir einfach die Tatsache, dass so etwas ständig passiert und die Diebe oft ungestraft davonkommen? Und präsentieren ihnen dann auch noch die möglichen `Belohnungen` im Falle eines erfolgreichen Diebstahls."

Staatsanwälte reden nicht mit Tapa

Bereits in den vergangenen Jahren war das Thema Ladungsdiebstahl zum Teil groß in den deutschen Medien vertreten - für die Tapa allerdings ohne großen Erfolg. "Bis zum heutigen Tage hat sich die Staatsanwaltschaft noch nicht mit uns zusammengesetzt", sagt Neumann. Und dies obwohl Deutschland den Tapa-Statistiken zufolge mittlerweile zu den Frachtkriminalitäts-Hotspots in Europa gehöre.

Mit der europäischen Polizeibehörde Europol hingegen arbeitet die Vereinigung bereits sehr eng zusammen. Mit Interpol sei man gerade dabei, ein Projekt zu starten. "Sobald es aber auf die Länderebene geht, wird es immer schwierig", sagt Neumann und fügt hinzu: "Dabei könnten wir den Polizeibehörden mit unserem Wissen bei der Aufklärung weiterhelfen."

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