|  02. Juli 2015
aktualisiert am 14.08.15 09:15h
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1765 Linien für Stückgut in Europa

Uwe Meyer hat ein klares Ziel vor Augen: „Wir wollen uns in den kommenden Jahren mit unserem Netz in der Top-Liga der paneuropäischen Stückgutnetze etablieren“, gibt der Geschäftsführer der Systemzentrale der System Alliance Europe vor. Das heißt: Er will dabei nicht nur in die Liga von Dachser, Schenker oder auch DSV vorstoßen, sondern auch als paneuropäisches System wahrgenommen werden.

Schon heute bietet der Verbund aus 59 Partnern in 32 Ländern ein flächendeckendes Europa-Netz – von jedem Ort zu jedem Ort. „Damit haben wir de facto ein paneuropäisches System und das wesentliche Ziel, das wir uns bei der Gründung vor zehn Jahren gesteckt haben, erreicht“, unterstreicht Oliver Rüter, Vorsitzender des Lenkungskreises der System Alliance Europe, und verweist auf die Neuzugänge des vergangenen Jahres in Mazedonien, Montenegro und Bosnien. Weiße Flecken sieht er nicht mehr – von Russland und Weißrussland einmal abgesehen. Diese schwierig zu bespielenden Märkte hat der Verbund aber vorerst nicht im Blick.

Freja verdichtet Skandinavien-Netz

In den kommenden Jahren werde es darum gehen, das Netz innerhalb der einzelnen Länder noch zu verdichten, obwohl „uns die aktuelle Fraunhofer-Studie zum europäischen Stückgutmarkt bescheinigt hat, schon in elf Regionen mit 28 Ländern sehr gut aufgestellt zu sein“, wie Meyer bemerkt. Der erste Schritt ist dabei schon getan: Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums wurde der Beitritt des Logistikers Freja vereinbart. Die Dänen werden Anfang 2016 – zusätzlich zu dem bisherigen Partner Nordic Chain – Verbundpartner in Dänemark, Schweden und Norwegen. „Wir brauchen in manchen Ländern und Regionen mehr als einen Partner, um die Fläche adäquat abdecken zu können.“

Derzeit unterhalten die heute 59 Verbundpartner 1765 Linien in ganz Europa – teils mit mehreren Abfahrten pro Tag, mindestens aber zweimal pro Woche, wie Rüter unterstreicht. Inzwischen werden 3,7 Mio. Sendungen pro Jahr über das System abgewickelt, „aber da die Partner ja auch außerhalb des Verbunds operieren können, ist das nur ein Teil der Wahrheit“, weiß Meyer. Für 2015 lautet das Ziel 3,9 und für 2016 rund 4,1 Mio. Sendungen.

Doch nicht nur durch Neuzugänge, sondern auch durch den Ausbau seines Gatewaysystems will die System Alliance Europe das Netz weiter verdichten, kündigt Rüter an. Stichwort Gateway: Jeder Partner kann sich als Gateway anbieten. Er definiert seine Leistung für Verbundpartner auf einer oder mehreren Relationen. Wird dann bilateral die Nutzung dieses Gateways vereinbart, dann hat er auch eine Weiterverladungspflicht. „Das ist ein standardisiertes Co-Loading und bietet den Partnern größtmögliche Flexibilität für jeden einzelnen Verkehr, ohne verpflichtet zu sein, dieses Gateway zu nutzen.“

Flexibilität ist ohnehin das wichtigste Credo des Verbunds – und der Erfolgsgarant, sind sich Rüter und Meyer einig. Der Verbund sorgt mit seinen Regeln und Angeboten für den Produktionsrahmen für europaweite standardisierte Stückgutdienstleistungen. Dabei ist das System völlig offen. Jeder Partner kann sein individuelles Netz stricken. Am Markt selbst operiert jeder Spediteur unter eigenem Namen. Produkte können durchaus individuell benannt werden. Nicht immer geht daraus dann hervor, dass hinter dem jeweiligen Angebot produktionstechnisch die System Alliance Europe steckt.

Frei sind die Unternehmen auch darin, inwieweit sie die Strukturen der Allianz nutzen. So kann der Verbundpartner beispielsweise in Spanien genutzt werden, muss aber nicht. Doch die sogenannte Zusammenarbeitsquote steigt kontinuierlich, berichtet Meyer. Lag sie 2006, im ersten vollständigen Jahr nach der Gründung der System Alliance Europe, bei nur 25 Prozent, so dürften es inzwischen über 60 Prozent sein. Manche wickeln sogar bis zu 90 Prozent ihres europäischen Aufkommens über den Verbund ab. Ein Grund für die Entwicklung: Neueinsteiger haben zunächst nur ihre Verkehre in das System eingebracht, die sie schon vorher mit Verbundpartnern bilateral abgewickelt haben, ihre eigenen Partner in anderen Regionen aber behalten. Müssen sie dort jedoch einen Partnerwechsel aus welchen Gründen auch immer vornehmen, dann wird fast immer zu dem nächsten Systempartner gewechselt, hat Rüter beobachtet.

Für Meyer und sein Team in der Zentrale, die in Osnabrück-Wallenhorst beheimatet ist, ist die Zusammenarbeitsquote von großer Bedeutung. Je höher sie bei einem Partner liegt, desto sinnvoller ist es, von der Zentrale angebotene Funktionen in Anspruch zu nehmen. So sind alle Kernelemente, die zu einer vernünftigen Abwicklung innerhalb eines Netzes notwendig sind, wie Sendungsverfolgung, Dokumentation oder Gefahrgutabwicklung, zwingend einzuhalten. Weitere Leistungen entwickelt die Zentrale in Tools wie beispielsweise ein Clearingsystem oder Vorgaben für Thermoverladungen. Diese können von den Unternehmen freiwillig und je nach Bedarf genutzt werden.

Pflicht- und Kann-Produkte

Auch bei den Produkten selbst gibt es Pflicht- und Kann-Produkte. So müssen die generellen Standardlaufzeiten (Star Classic) von allen eingehalten werden. Das Gleiche gilt für das verbindliche Kundenversprechen der Laufzeiteinhaltung (Star Priority) und die 12-Uhr-Zustellung am Eingangstag beim Empfangsdepot (Star Priority 12). Ebenfalls gelten die Fixterminprodukte (Star Date, Star Date 12) für alle. Dagegen kann eine 10- oder gar 8-Uhr-Zustellung auf freiwilliger Basis angeboten und auch bilateral vereinbart werden wie auch der Thermotransport von temperaturempfindlichen Ladungen, für den es nicht in allen Märkten einen Bedarf gibt, erläutert Meyer.

Zweites wichtiges Ziel des aktuellen Strategiepapiers neben der Netzverdichtung ist die Entwicklung einer neuen IT-Plattform, die alle neuen IT-Entwicklungen berücksichtigt. Dies wird zusammen mit der System Alliance geschehen, dem nationalen Verbund, dem die deutschen Partner angehören. „Wir stehen kurz vor der Ausschreibung“, berichtet Meyer. Die Herausforderung sei, die im Verbund genutzten 26 verschiedenen Transportmanagementsysteme miteinander zu verdrahten.

Und schließlich haben Rüter und Meyer auch das Thema Bekanntheitsgrad erkannt. „Wir werden das Branding nach innen wie auch nach außen überarbeiten und optimieren, haben sie sich vorgenommen. „Proud to be Partner of System Alliance Europe“ lautet das Motto. „Denn schließlich wollen wir als das wahrgenommen werden, was wir längst sind: ein paneuropäisches Stückgutsystem.“

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