27. Mai 2016
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Fusion in Österreichs Stückgutmarkt

Wenn alles so läuft wie geplant, dann steigt ab 2017 die Konzentration im österreichischen Stückgutmarkt. Der Logistiker Quehenberger und die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollen zu Beginn des nächsten Jahres unter einem neuen Firmennamen ihre Geschäfte im Stückgutbereich zusammenlegen. Dies teilten Josef Halbmayr, Vorstand der ÖBB-Holding, und Christian Fürstaller, CEO der Augustin Quehenberger Group, am Mittwoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien mit. Konkret geht es um die 100-prozentige ÖBB-Tochter European Contract Logistics – Austria (ECL) und die Quehenberger Logistics GmbH.

„Die Quehenberger-Gruppe bringt ihr Stückgutgeschäft in unser Geschäft ein – das ist der Plan“, sagt Halbmayr. Dabei gehe es ihm zufolge um etwa 80 Mio. EUR und 260 Mitarbeiter. „Im Gegenzug erhält die Quehenberger-Gruppe eine 40-Prozent-Beteiligung der ECL GmbH“, führt der Vorstand den Deal genauer aus. Aktuell hat ECL rund 850 Mitarbeiter sowie ein Transportvolumen von 2,4 Mio. Sendungen jährlich und erwirtschaftet dabei rund 180 Mio. EUR Umsatz. Die Vertragsunterzeichnung zwischen Quehenberger und ÖBB ist für Anfang Juni vorgesehen, im Anschluss folgt die kartellrechtliche Prüfung. Läuft alles wie geplant, dann wird das gemeinsame Projekt unter einer neuen Marke zu Jahresbeginn operativ starten. Beide Partner werden dabei jeweils einen Geschäftsführer stellen.

Weg aus der Krise

Sowohl ECL als auch Quehenberger entscheiden sich für diesen Schritt aus einem schwierigen Marktumfeld heraus. Fürstaller skizziert die Veränderungen: Die Zunahme im Onlinehandel und die Tatsache, dass viele Branchen auf direkte Distributionskonzepte hin zum Endkunden umgestellt hätten, würden die Geschäfte beeinflussen. „Das Marktwachstum des Stückgutbereiches hat massiv gelitten“, sagt er.

Insbesondere ECL, die im Vorjahr einen Verlust in Höhe von 4 Mio. EUR erwirtschaftete, hat nun anscheinend eine Schmerzgrenze erreicht: „Wir haben zwei Varianten gehabt – entweder wir ziehen uns aus diesem Markt zurück oder wir gestalten eine Vorwärtsstrategie“, erläutert Halbmayr. Die jetzt getroffenen Vereinbarungen bezeichnet er als Vorwärtsstrategie. Auch Quehenberger-CEO Fürstaller erhofft sich von der Fusion bessere Ergebnisse: „Wir haben jetzt nicht die Verluste wie die ECL, aber wir sind auch nicht glücklich mit dem, was wir verdienen.“

Für beide Unternehmen gibt es mehrere Gründe, warum sie künftig im Stückgutgeschäft einen gemeinsamen Weg einschlagen. In Österreich entsteht mit der Fusion ein neues Stückgutnetzwerk aus 23 Standorten, ECL hat heute 13. Ein weiterer Vorteil, der vor allem innerhalb der Alpenrepublik zu spüren sein dürfte, sind neue intermodale Ansätze beim Warentransport selbst. Quehenberger hat hierfür die LKW und ECL – als ÖBB-Tochter – das notwendige Zugmaterial. Eines der ersten Dinge, die Quehenberger anpacken möchte, konzentriert sich daher auf die Verlagerung von Stückgutvolumen von der Straße auf die Schiene. Vorrangig auf den Routen, die ECL bereits bedient. Fürstaller nennt konkrete Strecken: „Die Bahnverbindungen zwischen West- und Ostösterreich werden auf alle Fälle verstärkt.“

Mehr Bahn statt LKW

Dass es bei diesem einen Korridor aber wohl nicht bleiben wird, verraten die Zahlen, die nun unter einem neuen Unternehmensdach verschmelzen: Täglich sind dann 300 LKW und Bahnwaggons im Hauptlauf und weitere 750 LKW im Nahverkehr unterwegs. Zudem arbeiten unter der neuen Marke vom Start weg über 1000 Mitarbeiter, der Umsatz soll bei rund 260 Mio. EUR liegen. Weniger LKW, mehr Bahn und die Kombination aus beiden soll in Österreich künftig für wirtschaftliches Einsparungspotenzial sorgen – insbesondere auf der letzten Meile und in den Hauptläufen. Über die Landesgrenzen hinweg sieht Quehenberger ebenfalls in den bisherigen, unterschiedlichen Unternehmensausrichtungen eine Chance: „Wir haben eine sehr starke Partnerlandschaft – aber das Gute ist: Nicht in den gleichen Regionen.“

Die Fusion der beiden Unternehmen wird den Stückgutmarkt in Österreich verändern. Aus wirtschaftlicher Sicht nimmt die Konzentration der Marktteilnehmer zu. Infolgedessen wächst der Einfluss einzelner Akteure. Wie sich hierzu das Kartellamt positioniert, bleibt noch abzuwarten. Aus ökologischer Sicht könnte die Integration zweier Verkehrssysteme zu einer besseren Auslastung der Schiene führen. (sb)

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