|  22. April 2015
aktualisiert am 13.08.15 15:38h
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Zwei Mittelständler gehen einen neuen Stückgutweg

Mit einem neuen Kooperationsansatz wollen sich zwei mittelständische Speditionen im umkämpften Stückgutgeschäft behaupten: Die beiden benachbarten Unternehmen Nellen & Quack („The Green Line“), Gronau – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Spedition in Mönchengladbach – sowie SLK-Kock, Schüttorf, werden ihr operatives Stückgutgeschäft bündeln. Ziel ist es, Synergiepotenziale zu nutzen. Beide Unternehmen bleiben selbstständig und Partner in ihren jeweiligen Stückgutkooperationen 24plus (Nellen & Quack) und Star (SLK).

Herz der Zusammenarbeit ist das im März gegründete Unternehmen Euregio Cargo Hub (ECH) in Schüttorf. Daran sind beide Partner zu jeweils 50 Prozent beteiligt. ECH-Geschäftsführer ist Michael Ketteler, zuvor Leiter Landverkehre bei Nellen & Quack.

Die Neugründung wird vom Januar 2016 an die komplette operative Stückgutabwicklung ihrer beiden nur rund 30 km voneinander entfernt ansässigen Mutterunternehmen übernehmen. Dabei geht es um die Organisation des Nahverkehrs, des Umschlags sowie um Hauptläufe. Zu diesem Zeitpunkt wird dann auch eine neue, 3,5 Mio. EUR teure Stückgutanlage (4500 m² Umschlagfläche, 50 Verladetore) in Schüttorf fertiggestellt sein.

Wenn Stückgutspediteure bisher zusammengearbeitet haben, dann war das vor allem im Fernverkehr, erläutert Uwe Brehm, Geschäftsführer von Nellen & Quack. Dies geschieht über Beiladungen oder die Kombination von Wechselbrücken in den Hauptläufen. So war es seit Mitte 2014 auch bei Nellen & Quack und SLK. Der neue Ansatz „geht weit darüber hinaus“, unterstreicht Brehm. „Durch die Bündelung unserer Mengen und hochstandardisierte Prozesse können wir viele Synergieeffekte realisieren“, ergänzt Manfred Kock, geschäftsführender SLK-Gesellschafter.

Da ist zum einen der Nahverkehr. Sind die Fahrzeuge der beiden Partner bisher unabhängig voneinander in zum großen Teil überlappenden Verteilergebieten unterwegs, wird ECH diese Verkehre bündeln. Von einer besseren Auslastung der Nahverkehrsfahrzeuge sowie der gebündelten Abholung und Zustellung erwarten die Partner Produktivitätsvorteile – auch an den Rampen der Kunden. Das ECH-Gebiet reicht vom Münsterland, dem südwestlichen Niedersachsen und den östlichen Niederlanden bis hin zur Nordseeküste – dem Gebiet des deutsch-niederländichen Kommunalverbunds Euregio.

Zwar soll ECH zunächst nur für ihre beiden Muttergesellschaften tätig werden, doch „durch unsere Flächendeckung in der Region werden wir sicher ein interessanter Partner auch für andere mittelständische Stückgutspedi tionen werden“, ist ECH-Geschäftsführer Ketteler überzeugt. Brehm geht sogar noch weiter: „ECH ist auch für andere Unternehmen offen, die ihr Stückgutgeschäft outsourcen wollen“, deutet er gegenüber der DVZ an.

Im Fernverkehr sollen die gemeinsamen Mengen – Brehm spricht von täglich rund 1000 Ausgangssendungen – ebenfalls gemeinsam disponiert werden. Dabei sollen die Vorteile der jeweiligen Kooperation genutzt werden. Palettiertes Stückgut in größeren Mengen wird künftig überwiegend in Direktverkehren mit 24plus-Partnern abgewickelt werden. „Die dortigen Partnerstruktur bietet uns die entsprechenden Rückladungsmöglichkeiten“, begründet Brehm. Derzeit unterhalten Nellen & Quack neun und SLK sieben direkte Linien. „Unser Ziel sind mindestens 25 gemeinsame Direktverkehre.“ In das Hub-basierte Netz von Star indes sollen künftig neben palettierten Sendungen auch Langgüter und sperrige Güter eingespeist werden.

Schließlich erhoffen sich die Partner Einsparungen beim Umschlag, der Disposition, der Schaden- und Palettenabwicklung sowie dem Einkauf von Transportdienstleistungen. Alle qualitätsrelevanten Sendungsdaten erhält ECH künftig aus dem Rechenzentrum des IT-Dienstleisters von 24plus, der Euro-Log AG, und stellt diese Daten ihren beiden Erstkunden neutral bereit.

Am Markt indes operieren Nellen & Quack sowie SLK unverändert unabhängig voneinander – im Vertrieb und im Kundenservice. „Wir bleiben Wettbewerber“, stellt Brehm klar, „und bieten unsere Leistungen individuell an.“ Daher wird ECH auch keinen direkten Kundenkontakt haben. Und wird nicht doch im Hinterkopf langfristig an eine Fusion gedacht? „Nein, absolut nicht“, bescheidet Brehm. „Mit ECH bewahren wir unsere Selbstständigkeit und bilden die Grundlage, uns auch in weiteren Geschäftsfeldern entwickeln zu können.“

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