|  06. November 2017
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Die Logistik von temperatursensitiven Stoffen wie Insulin, aber auch Impfmittel und anderen Biopharmaka ist hochkomplex. Ist die Kühlkette bei Medikamenten auch nur um wenige Grade oder lediglich für kurze Zeit unterbrochen, müssen die Pharmazeutika zum Schutz der Patienten unter Umständen sogar vernichtet werden. Bei speziellen Biopharmaka kann dies bedeuten, dass eine komplette Charge erneut produziert werden muss. Damit führt ein Fehler in der Transportkette schnell zu einem Schaden in Millionenhöhe für Pharmahersteller und zu Wartezeiten bei den Patienten.

Um das zu verhindern, hat die als Spezialistin für Luftfrachtladegeräte geltende Dokasch-Gruppe intelligente, fliegende Kühlcontainer entwickelt. In den Opticooler genannten Containern reisen wertvolle Pharmazeutika sicher rund um den Globus. Die „Made in Germany“-Kühlcontainer werden in Sichtweise des Flughafens Frankfurt hergestellt. Nun engagiert sich Dokasch erstmals in den USA.

Damit Insulin tatsächlich wirkt, muss es permanent zwischen 2 und 8°C gelagert und transportiert werden. Bis zum Patienten legt es einen komplexen und langen Transportweg zurück, auf dem viele Rädchen nahtlos ineinandergreifen müssen. Allein am Flughafen Frankfurt, Europas Pharma-Hub Nummer eins, werden jährlich gut 100.000 t Pharmazeutika umgeschlagen – mit steigender Tendenz. Oft sind das temperatursensible Waren.

Gemeinsam mit Lufthansa entstanden die ersten Modelle des Kühlcontainers im Jahr 2004. „Unser Container kann sowohl kühlen als auch heizen und gleicht so Unregelmäßigkeiten während weltweiter Transporte sehr gut aus, wie etwa Flugverspätungen, langwierige Importkontrollen oder plötzliche Wetteränderungen“, erläutert Andreas Seitz, Geschäftsführer der Dokasch-Tochter Dokasch Temperature Solutions GmbH.

Ausgestattet mit batteriebetriebenen Kühlkompressoren und Heizungen sowie einer selbstregulierenden Steuerung kompensiert der Opticooler Außentemperaturen, die von minus 30°C im kanadischen Winter bis plus 50°C im nahöstlichen Sommer reichen. Die erforderliche Temperatur wird dabei auf das Grad genau eingestellt und schwankt lediglich minimal. Das gilt für jeden Punkt im Container während des gesamten Transports.

Mehrfach verbaute Komponenten
Um eine größtmögliche Absicherung gegenüber Ausfällen oder anderen Unregelmäßigkeiten zu schaffen, sind wichtige Komponenten wie Kühlkompressoren und Heizungen vierfach verbaut. Fällt eine Komponente aus, dann übernehmen die anderen. Das Redundanzkonzept geht auf. „Technische Ausfälle können wir damit auf einen Level nahe null bringen. Dazu trägt auch unsere engmaschige Wartung durch unsere Spezialisten in Frankfurt nach jedem Transport bei“, erklärt Seitz weiter. Auch die leichte Handhabung des Bedienfeldes, welches nach kurzem Training vom Personal des Bodenabfertigers genutzt werden kann, minimiert Risiken eines Ausfalls.

Einzig eine Steckdose benötigt der fliegende Kühlcontainer, um die Batterien nach einem Flug wieder voll aufzuladen. Damit wird gewährleistet, dass für alle Fälle immer ein ausreichender Puffer vorhanden ist. Die Ladezeit von 50 auf 100 Prozent beträgt 2 bis 3 Stunden. So läuft dieser aktive Container batteriebetrieben problemlos 24 Stunden über den Wolken, bei Netzbetrieb sogar dauerhaft.

Flotte mehr als verdoppelt
Die Flotte der Opticooler hat sich seit 2015 von 200 auf derzeit 500 Stück mehr als verdoppelt. Stationiert sind die Container in Frankfurt und seit kurzem auch an mehreren Standorten in den USA. Dokasch positioniert die Container, die von Spediteuren, Verladern oder Fluggesellschaften angemietet werden, am jeweiligen Ausgangspunkt des Transports. Pro Einsatz ist ein Opticooler im Schnitt 9.000 km unterwegs, bevor er wieder zurück zu Dokasch kommt und dort auf Herz und Nieren überprüft wird.

Seit etwas mehr als drei Jahren schließt Dokasch mit einer wachsenden Zahl an Fluggesellschaften Rahmenvereinbarungen. Mittlerweile sind es mehr als 20 Airlines, die Pharmaspediteuren den Opticooler als Transportmittel anbieten. Erst kürzlich kamen Saudia Cargo, Qatar Airways und China Airlines dazu. Weitere sollen folgen.

In der Regel erhalten die Airlines von den Pharmaproduzenten Vorgaben, in welchen Containern die Medikamente transportiert werden dürfen. Damit der Opticooler dabei überhaupt berücksichtigt werden kann, muss er bestimmte Vorgaben erfüllen, die jeder Pharmaproduzent für sich selbst festlegt. Zusätzlich wird jeder Versandweg im Vorfeld einer detaillierten Riskoanalyse unterzogen. Meist ist das Aufgabe der von den Pharmaproduzenten beauftragten Speditionen. Sie geben ihre Erkenntnisse dann an die Airline weiter.

Im Engagement in den USA sieht Seitz einen wichtigen Schritt, „um auch mit amerikanischen Pharmaspediteuren unkompliziert und mit attraktiven Preismodellen zusammenarbeiten zu können“. Die Container können an der Ostküste, im Mittleren Westen rund um Minneapolis und St. Louis sowie an der Westküste von Los Angeles über Sacramento, Las Vegas bis Phoenix angeliefert werden. Der Schritt über den Atlantik dürfte noch nicht das Ende sein. Geschäftsführer Seitz denkt bereits über eine Bereitstellung der Opticooler in Asien nach.

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