13. Juni 2017
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Faktor Mensch ist Trumpf

Für Frank Pöhls, Speditionsleiter bei Voigt-Logistik im schleswig-holsteinischen Neumünster, steht der Mensch im Dispositionsgeschäft im Vordergrund. Selbstverständlich arbeitet das Unternehmen mit diversen Softwarelösungen wie Tislog, Carlo oder dem Fleetboard. Die Frachtenbörse Timocom und auch die neuen Onlineplattformen Saloodo von DHL sowie Loadfox, das zurzeit von Voigt-Logistik getestet wird, schaffen „eine große Spielweise für unsere Disponenten“, sagt Pöhls. „Aber ohne den Faktor Mensch geht es nicht. Wir werden immer Disponenten brauchen. Jeden Tag passieren aus den unterschiedlichsten Gründen unvorhersehbare Ereignisse, bei denen der Mensch eingreifen muss.“ Er kenne kein System, das derzeit auch nur ansatzweise in der Lage wäre, solche Situationen zu managen, in denen innerhalb von wenigen Minuten eine Vielzahl von Entscheidungen unter Berücksichtigung unterschiedlichster Faktoren getroffen werden müssen. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Draht zum Kunden zählt
„Wir haben den Dreh geschafft, unsere Disponenten zu motivieren, auch das Telefon zu benutzen“, fährt Pöhls mit einem Augenzwinkern fort. Das klingt trivial, ist es eigentlich auch, war aber eine entscheidende Erfolgsformel der jüngeren Vergangenheit. Sowohl beim Kunden als auch Partnerunternehmen ist für Pöhls der persönliche Kontakt das A und O und besser als jede Frachtenbörse oder (unpersönliche) E-Mail. „Die lukrativen Ladungen werden im Spotgeschäft über das Telefon vergeben“, weiß er. Intensiv arbeitet die Spedition daran, diesen persönlichen Draht zu pflegen und weiter auszubauen. Bei Voigt-Logistik ist es üblich, dass die zehn beschäftigten Disponenten regelmäßig LKW-Touren zu den Kunden begleiten. „Das verbessert nicht nur die Kommunikation mit dem LKW-Fahrer, sondern fördert auch das gegenseitige Verständnis füreinander“, berichtet Pöhls. Auch die Kunden freuen sich darüber, dass sie den Menschen zur Stimme kennenlernen. Auf dem kurzen Dienstweg können so Themen wie die Warenanlieferung und -abholung geklärt werden.

Fahrer-Coach als Dispo-Bindeglied
Zusätzlich gibt es seit Januar 2017 einen Fahrer-Coach, der neben dem effizienten Fahren auch das optimale Handling mit dem Equipment lehrt und mitfährt. Darüber hinaus dient der Coach, ein ehemaliger Voigt-Fahrer, als Bindeglied zwischen den Fahrern und der Disposition. „Es gibt in unserer schnelllebigen Zeit viele Veränderungen, was etwa die Anlieferbedingungen oder Warenannahmezeiten betrifft, von denen wir oftmals erst sehr spät erfahren“, erklärt Pöhls. „Das müssen wir aber wissen, um besser zu werden und darauf reagieren zu können.“

Neben den Disponenten sind auch die Kraftfahrer ein ganz wichtiger Bestandteil für den Unternehmenserfolg. Und um diese Zusammenarbeit ständig zu fördern und weiterzuentwickeln, werden auch Workshops mit Fahrern und Disponenten organisiert. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Bei Voigt-Logistik haben die Disponenten Zugriff auf über 100 eigene Zugmaschinen sowie 50 fest eingesetzte Unternehmerfahrzeuge, die sowohl im Ladungsverkehr als auch für die 50 täglich ab ­Neumünster ausgehenden Sammelgutlinien europaweit disponiert werden. Eine persönliche Ansprache wird auch im Zusammenspiel mit den Netzwerkpartnern gepflegt. Insbesondere Elvis, DHL Freight sowie die Partner im Unitrans-Verbund sind für das Unitrans-Gründungsmitglied Voigt-Logistik von großer Bedeutung. Sie erweitern nochmals das „Spielfeld“ für die Disponenten.

Leerkilometer-Anteil sinkt
Beispielsweise wurde das zeitweise kritische Thema paarige Verkehre in diesem Umfeld offen diskutiert. „Wir haben unseren Disponenten gesagt: Konzentriert euch nicht auf die Ausgangsladung. Das beherrscht ihr. Konzentriert euch mehr auf die Rückladung“, erzählt Pöhls. Heute hat Voigt-Logistik über seine Elvis-Partner und die DHL-Stationen die Möglichkeit, auch größere Sendungen abladen zu dürfen beziehungsweise vorholen zu lassen, um somit zeitkritische Rückladung aufnehmen zu können. „Das gelingt uns im Verbund sehr effizient“, findet Pöhls In Zahlen heißt das: Der Bereich des Leerkilometer-Anteils konnte auf unter 10 Prozent gesenkt werden.

In den vergangenen drei Jahren hat sich Pöhls’ Disponenten-Team deutlich verjüngt, auf unter 40 Jahre im Altersdurchschnitt, darunter überwiegend Eigengewächse. „Wer das Zeug dazu hat, diesen anspruchsvollen und stressigen Job zu meistern, entscheidet sich meistens schon im ersten Ausbildungsjahr“, stellt Pöhls fest. „Zuletzt hatten wir bei der Auswahl das richtige Händchen. Es gab aber auch längere Strecken, in denen wir keinen geeigneten Kandidaten finden konnten.“

Disponent ist kein Peitscher mehrPöhls weiß, was er an seinen Disponenten hat. Und der Speditionsleiter weiß auch, dass nur in einem Team mit flachen Hierarchien die beste Leistung erzielt werden kann. Der Disponent habe sich in den vergangenen 10 bis 20 Jahren gewandelt. Das sei nicht mehr der typische Peitscher, der sagt: Nun fahr, fahr, fahr! „Wir brauchen auch keinen Alpha-Disponenten, der sich feiern lässt, für die Leistung der anderen“, so Pöhls. „Unsere Disponenten und Fahrer arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Und uns gelingt es, dass sie auch im Eifer des Gefechts, wirklich miteinander kommunizieren und gemeinsam Lösungen finden.“ "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Das hat auch Vorteile für Pöhls und seine Teamleiter. „Heute müssen wir uns nur noch in Ausnahmefällen um Dinge wie Schichtwechsel, Urlaubsplanung, Eingangs- und Ausgangsdispo oder zusätzliche LKW kümmern, die bei Bedarf aus dem Fern- in den Nahverkehr wechseln. Das regeln unsere Disponenten unter sich“, sagt Pöhls. Jeder kenne die Herausforderungen und Aufgaben des Anderen und wisse, was beim Kollegen aktuell los ist. Und dabei haben sie mehr als die Rückendeckung von Pöhls: „Mir ist bewusst, was dort täglich geleistet wird.“

Gretchenfrage zum Schluss: Zählt der Faktor Mensch auch noch in 10, 15 Jahren? „Disponenten sind für viele Belange die Ansprechpartner für die Kraftfahrer. Das geht oftmals auch über die betrieblichen Dinge hinaus. Insofern müssen unsere Disponenten keine Sorge haben, dass sie ihren Job verlieren“, antwortet Pöhls. Er brauche weiterhin „hoch motivierte“ Disponenten aus „Fleisch und Blut“, um die „entscheidenden Sendungen auf die richtigen Fahrzeuge zu disponieren, damit wir auch Geld verdienen“, betont er. "Jetzt nichts mehr verpassen und kostenlos den Disponaut Newsletter abonnieren"

Für die Zukunft wünscht sich der Speditionsleiter, dass die Arbeit der Disponenten planbarer und angenehmer wird. „Der Stressfaktor und die Belastung in der Disposition sind schon extrem hoch“, weiß er. Daher befürworte Pöhls Softwarelösungen, die die Arbeit der Disponenten unterstützen oder automatisch vordisponieren, aber nicht ersetzen. (tof)

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