|  07. März 2016
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Sanierungsfall im Norden

Die offizielle Mitteilung enthielt nur wenige Zeilen: Die Kieler Speditionen E. Mordhorst und Gaston Petersen fusionieren zur neu gegründeten Petersen Mordhorst Logistics GmbH (PML). Diese zählt mit nunmehr 250 Mitarbeitern und täglich eingesetzten rund 100 LKW zu den führenden Stückgutspeditionen in Schleswig-Holstein.

Letztlich ist die Fusion zwar ein formaler Neuanfang, tatsächlich aber letztlich der Abschluss eines mehrjährigen Prozesses. Beide Firmen – seit Jahren defizitär – sind seit langem in Händen der Geschwister Gaston Petersen und Ute Steen. Zur Stärkung der Wirtschaftlichkeit wurden sie in den vergangenen Jahren operativ zusammengeführt. Die ersten Erfolge sind bereits sichtbar: So haben die beiden Unternehmen zusammen im vergangenen Jahr „eine rote Null“ erwirtschaftet, für 2016 peilt der alleinige Geschäftsführer der neuen PML schwarze Zahlen an.

Hausgemachte Probleme

Im Jahr 2000 hatte Petersen vom Hays-Konzern das damals unter dem Namen Hays Logistics GmbH firmierende Stückgutgeschäft in Kiel übernommen und es unter dem alten Traditionsnamen Mordhorst fortgeführt. Allerdings war die Übernahme ein Sanierungsfall, der eine lange Restrukturierungsphase erforderte, erläutert Petersen gegenüber der DVZ. Die Wirtschaftskrise 2008/2009 und ihre Folgen machte im Anschluss beiden unabhängig voneinander geführten Firmen zu schaffen.

Der Markt auf der einen Seite, aber auch hausgemachte Probleme führten zu Verlusten. Hohe Pachtkosten für die bis 2013 von Mordhorst genutzte Mordhorster Anlage Kiel-Raisdorf und die teure Produktion in zwei verschiedenen Stückgutsystemen belasteten beide Unternehmen. So ist Mordhorst Franchisenehmer und Gesellschafter der IDS Logistik, während die Gaston Petersen Spedition dem Cargoline-Verbund angehörte.

Schritt für Schritt wurden beide Firmen seit 2013 zusammengeführt – ein Standort, die Petersen-Anlage im Kieler Süden, eine Verwaltung und ein einheitliches Produktionssystem. Die Fusion zur neuen Petersen Mordhorst Logistics ist daher konsequent. 90 Prozent der Gesellschaftsanteile liegen bei den Geschwistern Petersen und Steen, die restlichen 10 Prozent hält IDS. Der Verbund hatte sich 2014 an Mordhorst beteiligt. Nicht betroffen von der Fusion ist die Petersen-Tochter Nord-Süd-Transport, die als Transportdienstleister mit zwölf eigenen Fahrzeugen ausschließlich für PML in den Systemverkehren tätig ist.

Trennung von Cargoline

Bei der Gesellschafterstruktur lag nahe, dass das neue Unternehmen künftig nur noch als IDS-Partner tätig ist und die Mitgliedschaft in der Cargoline gekündigt hat. „Wir haben uns für die alleinige Mitgliedschaft in der IDS entschieden, weil dies das für uns volumenstärkere Netzwerk ist“, begründet Petersen. Dies führt zu operativen Vorteilen: So seien innerhalb der IDS mehr Direktverkehre möglich – 15 sind es derzeit. Dadurch treffen morgens nur noch ein bis zwei Hubzüge am PML-Terminal ein, bei Cargoline waren es täglich vier bis fünf. „Da die Hubzüge durch unsere Randlage im Norden das Landes erst gegen 7 Uhr morgens in Kiel eintreffen, hatten wir auf der Halle entsprechenden Zeitdruck, um die Ladung noch am gleichen Tag in die Zustellung zu bekommen“, sieht Petersen jetzt eine Entzerrung, da Direktlinien in der Regel früher eintreffen als Hubzüge. Die Trennung von Cargoline ist bereits in Gang – etwa die Hälfte der bisherigen Eingangssendungen wurde bereits auf den neuen Cargoline-Partner für Schleswig-Holstein, die Sander Spedition in Itzehoe, umgeleitet.

Die Entzerrung auf der Halle wird zu einer Produktivitäts- und Qualitätssteigerung im Nahverkehr führen, ist Petersen überzeugt. Dies ist auch notwendig. Denn: Der Sammelguteingang ist in Kiel seit längerem defizitär, unterstreicht Petersen auch mit Blick auf die großen Entfernungen in der Verteilung. Von der dänischen Grenze und Fehmarn im Norden bis zu einer gedachten Linie zwischen Lübeck und Itzehoe im Süden ist GML tätig.

Der Wegfall einer vergleichsweise hohen Mietaufwendung für die alte Mordhorst-Anlage, eine Personalreduzierung um circa 15 Mitarbeiter, eine Stoppverdichtung durch die operative Zusammenlegung der beiden Speditionen und die Trennung von defizitären Kunden sind die wesentlichen Faktoren, die schon in der Bilanz zu Buche schlagen.

In den kommenden drei bis fünf Jahren will Petersen durchstarten. Sein Ziel ist eine deutliche Umsatzsteigerung. Diese soll durch einen intensivierten Verkauf im Sammelgutausgang sowie durch mehr Aktivitäten in der Lagerlogistik entstehen. PML verfügt derzeit über 12.000 m² Fläche für Lagerlogistik. Und auch der SE müsse nicht zwingend defizitär bleiben, findet Petersen. Angesichts steigernder Sendungszahlen aus dem IDS-Verbund und einer höheren Produktivität will das fusionierte Unternehmen künftig auch in diesem Segment profitabel arbeiten.

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