|  12. Februar 2018
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Speditionsbranche befürchtet Stau-Chaos durch Brexit

Der Brexit bereitet der Transport- und Logistikbranche große Sorgen. „Wir befürchten generell längere Laufzeiten durch den Austritt Großbritanniens aus der EU und sorgen uns um die Sicherheit der Lieferkette“, sagte Horst Kottmeyer, Vorsitzender des Speditions- und Logistikverbandes VVWL NRW und auch Vize-Präsident des BGL auf einer Veranstaltung des Logistikcluster NRW in Dortmund. Bereits heute müsse man die Besonderheiten im UK-Verkehr kennen, spielte er auf die umfangreichen Sicherheitschecks an. „In Zukunft wird es noch schwieriger werden.“

Zollverfahren drohen
Schlimmstenfalls droht die Einführung langwieriger Zollverfahren. „Sollte bis 2020 kein entsprechendes Abkommen geschaffen werden, werden automatisch die WTO-Regeln angewendet, die zwangsläufig Zölle und Zollverfahren vorsehen“, so Kottmeyer. Er befürchtet, dass dann LKW tagelang in Folkestone im Stau stehen. „Wir dürfen hier keine Verhältnisse wie an der östlichen Außengrenze der EU bekommen. Denn dann wird der Handel zusammenbrechen“, meinte Kottmeyer, der auch geschäftsführender Gesellschafter der im UK-Geschäft tätigen Spedition Kottmeyer ist.

Arbeitsplätze bedroht
Auch wenn die Folgen des Austritts in Großbritannien sicherlich deutlicher zu spüren sein werden, wird er dennoch in Kontinental-Europa Arbeitsplätze kosten und die Transportkosten deutlich erhöhen, ist Kottmeyer überzeugt. Allein die Kosten durch Ausfuhranmeldungen werden sich um rund 500 Mio. EUR erhöhen, schätzt Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Dortmund, ganz zu schweigen von den möglichen Zöllen.

Zu wenig Zeit für den Brexit
Dass ein neues Abkommen mit Großbritannien bis 2020 abgeschlossen wird, sehen selbst britische Beobachter skeptisch. Dazu sei die verbleibende Zeit schlicht zu kurz, meinte John Keefe, Sprecher des britisch-französischen Unternehmens Eurotunnel Le Shuttle. Doch habe die britische Regierung signalisiert, dass der Verkehrsfluss durch den Tunnel unter allen Umständen aufrechterhalten werden soll. Gesetzt wird offenbar auf eine verstärkte Automatisierung der Abfertigung und der Sicherheitskontrollen. „Es wird auf keinen Fall beabsichtigt, jeden LKW anzuhalten – dafür stehen weder genug Platz, Infrastruktur noch Mitarbeiter zur Verfügung“, so Keefe.

Eurotunnel: 1,6 Mio. LKW in 2017
Nach seinen Angaben nutzten im Jahr 2017 rund 1,6 Millionen LKW mit insgesamt 10 Millionen Tonnen Fracht die Eurotunnel-Verbindung. Zudem wurden mehr als 2.000 Güterzüge mit 1,2 Millionen Tonnen Fracht gezählt. Das Unternehmen Eurotunnel Le Shuttle erzielt danach mit 280 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von stabil durchschnittlich rund einer Mrd. EUR. Großbritannien sei von Europa als Lieferant und als Absatzmarkt abhängig und auf eine reibungslose Verkehrsanbindung angewiesen, so Keefe, und damit letztendlich wohl auch das Unternehmen selbst.

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