27. November 2018

2019: Neues Jahr, neue Vorschriften

Der Jahreswechsel rückt näher und damit für alle Gefahrgut-Verantwortlichen eine extra Portion Arbeit: Der Jahrgang 2019 der Gefahrgut-Vorschriften muss umgesetzt werden. Disponenten brauchen künftig noch mehr Angaben für das Beförderungspapier, damit das Unternehmen von einer Freistellungsregelung profitieren kann.

Freistellungen sind eigentlich eine feine Sache. Sie erlauben es Unternehmen, kleine Mengen gefährlicher Stoffe und Güter zu transportieren, ohne dass alle Anforderungen aus den Gefahrgutvorschriften umgesetzt werden müssen. Denn es macht bei einem Unfall schon einen Unterschied, ob ein Tanklaster in den Graben fährt und 30.000 Liter Benzin auslaufen oder ob das einem Stückguttransporter passiert, der unter anderem einer Kiste Nagellack-Entferner an Bord hat.

„Eigentlich“ – denn es gibt verschiedene Ausnahmen und Freistellungen, für die jeweils unterschiedliche Vorrausetzungen erfüllt sein müssen und die unterschiedliche Konsequenzen haben. Der Ausgangspunkt für die Befreiung von Anforderungen sind dabei grundsätzlich drei Kriterien:

  • Beförderungsart, z. B. Transporte von Privatpersonen
  • spezielle Mengengrenzen, z. B. Mengen je Beförderungseinheit („1.000-Punkte-Regelung“)
  • spezielle Stoffe, z. B. Kühl- und Konditioniermittel.

Diese Erleichterungen gelten bei der 1.000-Punkte-Regel

Das ADR 2019 erweitert nun die Anforderungen an die Beförderungspapiere für die Freistellung nach 1.1.3.6.3 ADR – umgangssprachlich 1.000-Punkte-Regel. Sie bezieht sich auf die Menge je Beförderungseinheit, also Fahrzeug und Anhänger, und stellt nicht von allen, aber doch von vielen Anforderungen des ADR frei.

  • Die orangefarbenen Warntafeln müssen nicht aufgeklappt bzw. angebracht werden (Kapitel 5.3 ADR).
  • Schriftliche Weisungen sind nicht erforderlich (Abschnitt 5.4.3 ADR).
  • Fahrer brauchen keine ADR-Schulungsbescheinigung, Regelungen zur Fahrzeugausrüstung nach ADR u. a. mit Feuerlöschern, Mitnahmeverbot für Fahrgäste entfallen (Teil 8 ADR).

Es ist also für Unternehmen durchaus lukrativ, diese Regelung zu nutzen. Disponenten haben allerdings nicht so viel davon: Es entsteht Aufwand, um zu prüfen, ob die Regelung jeweils für den konkreten Transport genutzt werden kann und das Beförderungspapier nach 8.1.2.1 a) ADR muss auch hier mitgegeben werden.

Die Angaben im Beförderungspapier

Mit dem ADR 2019 wachsen hier die Anforderungen sogar noch mal. Wie bisher gilt: Wenn nur ein Gefahrgut transportiert wird, können die Erleichterungen genutzt werden, wenn bestimmte Mengengrenzen (20, 333, 1.000 kg) nicht überschritten werden. Sind unterschiedliche Gefahrgüter an Bord, muss gerechnet werden (siehe Kasten) – und das Ergebnis darf nicht größer als 1.000 sein.

Im Beförderungspapier muss grundsätzlich die Gesamtmenge für jedes gefährliche Gut angegeben werden (5.4.1.1.1f) ADR). Wer die 1.000-Punkte-Regel nutzen will, muss diese Angabe je Beförderungskategorie zusammenfassen. Neu im ADR 2019: Jetzt ist zusätzlich die Punktezahl je Beförderungskategorie einzutragen.

Das sieht dann beispielsweise so aus: Es sollen folgende Güter befördert werden:

  • 2 Fässer Kerosin (UN 1223), Klasse 3, Verpackungsgruppe (VG) III mit insgesamt 400 Litern: Beförderungskategorie 3 = Faktor 1
  • 8 Kanister Natriumhydroxydlösung (UN 1824), Klasse 8, VG III, mit insgesamt 240 Litern: Beförderungskategorie 3 = Faktor 1
  • 3 Kisten Trichlorethylen (UN 1710), Klasse 6.1, VG II mit insgesamt 60 Litern: Beförderungskategorie 2 = Faktor 3

Als Rechnung reichte bisher aus: 400 x 1 + 240 x 1+ 60 x 3 = 400 + 240 + 180 = 820.

Damit war klar, dass mit einem Ergebnis unter 1.000 die Freistellung genutzt werden kann. Jetzt ist die Angabe der Punkte der Beförderungskategorie gefordert, damit müssen auch die Zwischenschritte festgehalten werden, also

  • Beförderungskategorie 3: 400 x 1 + 240 x 1 = 620
  • Beförderungskategorie 2: 60 x 3= 180

Ohne diese Angabe ist das Beförderungspapier künftig nicht komplett. Nach dem Ende der Übergangsfrist, also ab 1. Juli 2019 kann das als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Grundsätzlich gilt: Diese Erleichterungen müssen nicht angewendet werden. Wer den Aufwand der Berechnung und Dokumentation im Einzelfall scheut, kann routinemäßig für alle Transporte das komplette ADR berücksichtigen. Das kann im Tagesgeschäft mitunter die einfachere und sichere Lösung sein.

Neue UN-Nummern ergänzt

Das ADR 2019 bringt auch einige neue UN-Nummern, die umfangreichste Änderung sind die 12 neuen UN-Nummern für Gefahrgüter in Maschinen und Anlagen. In der Neuauflage des ADR werden diese Änderungen auch in der Tabelle für die 1.000-Punkte-Regel berücksichtigt.

Hinweis zum Eintrag im Beförderungspapier

Für einige UN-Nummern gibt es in der großen Gefahrguttabelle in Kapitel 3.2 ADR mehrere offizielle Benennungen für die Beförderung, z. B. UN 3091 LITHIUM-METALL-BATTERIEN IN AUSRÜSTUNGEN oder LITHIUM-METALL-BATTERIEN, MIT AURÜSTUNGEN VERPACKT. Hier wird klargestellt, dass im Beförderungspapier nicht der ganze Text gefordert ist sondern die am besten geeignete Beschreibung verwendet werden darf. (uf)

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