|  17. März 2017

Fünf Wünsche für Gefahrgutregeln

Wer Gefahrgut befördert, gewöhnt sich schnell an den Zwei-Jahres-Rhythmus: Jeweils mit Beginn eines „ungeraden“ Jahres treten neue Regelungen für Straße, Schiene, Binnenschiff in Kraft. Dann bleibt ein halbes Jahr Zeit, sich mit den Änderungen vertraut zu machen. Am 1. Juli endet die Übergangsfrist. In diesem Jahr heißt das unter anderem, dass neue UN-Nummern für polymerisierende Stoffe berücksichtigt werden müssen. Für Lithiumbatterien gibt es einen neuen Gefahrzettel, dafür gilt allerdings eine verlängerte Übergangsvorschrift bis Dezember 2018. Da die Gefahrzettel in den Schriftlichen Weisungen abgebildet sind, müssen auch diese aktualisiert werden."Jetzt für die Logistik News anmelden"

Evolution statt Revolution
Knapp zwei Monate nach dem Start des neuen Vorschriftenjahrgangs diskutierten in Hamburg Gefahrgut-Praktiker und Vertreter des Gesetzgebers den aktuellen Stand. „Das Gefahrgutrecht entwickelt sich jetzt evolutionär und nicht revolutionär“, so beschreibt Helmut Rein, Leiter des Gefahrgut-Referats G 33 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), den Haupttrend. Große Umbrüche, wie die Harmonisierung der Vorschriften für die unterschiedlichen Verkehrsträger, wurden im letzten Jahrzehnt abgeschlossen. Jetzt seien die Regelungen „detailliert, weitgehend fehlerfrei und anwendungsorientiert“, bilanziert Rein. Dabei lobt er ausdrücklich, dass die regionale und weltweite Zusammenarbeit zwischen den Staaten und mit den Vertretern der Wirtschaftsverbände gut funktioniere.

Auch aus der Wirtschaft kam Zustimmung. Das Gefahrgutrecht habe vor allem in Sachen Transparenz und Harmonisierung wesentliche Fortschritte gemacht. Wichtig für die Anwender der Gefahrgut-Vorschriften: Viele wesentliche Informationen sind in Tabellenform verfügbar, die Informationen über zukünftige Vorschriftenänderungen werden rechtzeitig veröffentlicht. „Diese Bemühungen erleichtern das Leben der Verantwortlichen im Gefahrgut zweifellos“, Klaus Reinhardt, Gefahrgutbeauftragter und Mit-Entwickler von SAP-EHS.

Praktiker brauchen mehr Klarheit
Stellvertretend für viele Praktiker bemängelte Reinhardt jedoch auch, dass den Vorschriften immer noch eine innere Logik fehle. Das mache es gerade Einsteiger schwer macht, sich einen Überblick zu verschaffen. Reinhardt forderte die verantwortlichen Gremien auf, noch stärker darauf zu achten, dass missverständliche, mehrdeutige, widersprüchliche oder überflüssige Passagen entfallen.

Ganz konkret formuliert Reinhardt fünf Wünsche für die weitere Vorschriften-Entwicklung:

1.    Prioritäten setzen: So sei es fraglich, ob eine Regelung wie die eine Freistellung für Tischtennisbälle aus Zelluloid – bei einer Nettomasse von maximal drei Gramm je Tischtennisballs und 500 Gramm je Versandstück – sinnvoll und praktikabel sei.

2.    Zusammenfassen, was zusammengehört: Zu häufig seien immer noch Informationen zu einem Thema auf mehrere Fundstellen. Das sei nicht nur lästig, sondern führe häufig zu falschen Interpretationen.

3.    Trennen, was getrennt werden muss: Als ärgerliches Beispiel für eine Durchmengung von Sachverhalten führt Reinhard die Sondervorschrift 188 an. Sie enthält Regellungen, die Transporte von Lithium-Metall-Batterien erleichtern. Eigentlich erfreulich. Schwierig für Anwender ist aber die Tatsache, dass diese Sondervorschrift gleich für vier UN-Nummern gilt und Anwender nun erst herausfinden müssen, welcher Passus genau für ihren Transport gilt. 

4.    Klarstellungen überflüssig machen: Zu den evolutionären Entwicklungen der letzten Jahre zählte eine ganze Reihe von Klarstellungen. Hier wünschen sich Anwender von vornherein eindeutige Formulierungen anstatt spätere Klarstellungen.

5.    Ballast abwerfen: Nicht wenige Passagen in Gefahrgut-Vorschriften dienen dazu, Forderungen „gerichtsfest“ zu machen. Reinhardt ist davon überzeugt, dass es für Praktiker nützlich wäre, wenn Vorschriften in diesen Punkten Ballast abwerfen.

Betroffene sollten rechtzeitig mitreden
Die Hoffnung auf eine vollständige Harmonisierung machte Rein zunichte: Da gebe es Grenzen, weil Vorschriften unterschiedliche Geltungsbereiche hätten – immerhin herrschen  an Bord eines Flugzeugs andere Transportbedingungen als auf der Straße oder im Seetransport. Rein wies auf das „funktionierende und umfassende Beratungssystem für den Bereich der Beförderung gefährlicher Güter“ hin, dass vom Ministerium eingerichtet wurde und allen Interessengruppen Mitsprache bei der Entwicklung von Gefahrgut-Vorschriften ermöglicht. Sein Appell: „Es ist Sache der Beteiligten, dies zu nutzen.“"Jetzt für die Logistik News anmelden"

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