|  20. Februar 2018

So geht Gefahrgut

David Podolski ist Speditionsleiter bei der A. Siepmann GmbH in Duisburg. Seit 90 Jahren ist die familiengeführte Fachspedition am Markt, seit einigen Jahrzehnten spezialisiert auf den Transport flüssiger Güter auf der Straße und im Kombinierten Verkehr. Jährlich werden über 400.000 t Chemikalien und petrochemische Stoffe befördert, über 70 Prozent davon sind Gefahrgüter der Klassen 3 (entzündbare flüssige Stoffe), 6.1 (giftige Stoffe), 8 (ätzende Stoffe) und 9 (verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände). Dafür setzt das Unternehmen, das auch Entsorgungsfachbetrieb ist, 54 eigene Zugmaschinen und über 80 Ein- und Mehrkammerauflieger ein.

Flexibilität beim Disponieren
Seit 2002 läuft die Disposition elek­tronisch. „Das hilft, flexibel zu reagieren“, berichtet Podolski. Bei Siepmann vertraut man auf ­Winsped, eine weit verbreitete Software der LIS AG. Die Gefahrgutinformationen pflegen Podolski selbst oder ein Disponent ein. „Wir greifen auf die Informationen aus den Sicherheitsdatenblättern zurück, bei Bedarf auch auf die Klassifizierung aus der BAM-Datenbank.“

Die Daten fließen in den Frachtbrief ein, den die Fahrer morgens abholen. Außer diesen Infos auf dem Papier stehen den Fahrern weitere Gefahrgutdaten elektronisch zur Verfügung. „Alle Fahrer haben ein Tablet, auf dem die Spedion App läuft.“ Hier ist neben den Stoff- und Tourendaten etwa auch der Tunnelcode hinterlegt.

Wenn die Fahrer beim Kunden ihre Ware abholen, können sie so unkompliziert die eigenen Informationen mit den Gefahrgutdaten (UN-Nummer und Produktname) des Kunden abgleichen. Sollte es hier zu Abweichungen kommen, kann der Fahrer umgehend telefonisch bei Podolski nachfragen. „Solche Fälle sind die absolute Ausnahme – aber dank der umfangreichen hinterlegten Stoffdaten können wir das schnell klären“, berichtet der Speditionsleiter­.

Anderer Ort, vergleichbares Konzept
Auch bei Weigand-Transporte im niedersächsischen Sittensen-Lengenbostel nutzen die Verantwortlichen für die Gefahrgutabwicklung die Kombination aus Winsped, Spedion App und BAM-Datenbank. Das Familienunternehmen befördert mit 45 eigenen Fahrzeugen flüssige Chemikalien, Futtermittel, Rohstoffe zur Bioenergiegewinnung und Abfälle. „Die Anforderungen aus dem Gefahrgutrecht sind in dieser Kombination nicht das größte Problem“, erklärt Jan Zühlke, Assistent der Geschäftsleitung und IT-Leiter bei Weigand, und verweist darauf, dass es Güter gibt, für die zusätzlich zum Gefahrgutrecht auch die Vorgaben der Good Manufacturing Practice (GMP) für Futtermittel gelten. Dennoch überlässt man auch bei Weigand in Sachen Gefahrgut nichts dem Zufall. Drei Mitarbeiter sind berechtigt, die Daten einzupflegen. So haben auch hier die geschulten und deutschsprachigen Gefahrgutfahrer dank der Kombination aus Frachtpapier und Tablet stets Zugriff auf alle Informationen, die aus rechtlicher und praktischer Sicht gebraucht werden.

Bei aller Begeisterung für die Vorzüge der elektronischen Kommunikation: Am Ende geht es im Tagesgeschäft doch immer noch darum, reale Waren von A nach B zu bringen. Sowohl Zühlke als auch Podolski bauen deshalb auf eine weitere wichtige Komponente für die Sicherheit der Transporte: die zuverlässige Technik. Beide Fachspeditionen setzen Fahrzeuge mit modernem Equipment ein – und sie haben die tägliche Abfahrtkontrolle systematisch organisiert. „Das ist für Gefahrguttransporte besonders wichtig, betrifft aber alle unsere Fahrzeuge“, betont Zühlke. Auch hier erweist sich die Spedion App als hilfreich. Ein umfangreicher Fragebogen zur Fahrzeugkontrolle ist hinterlegt, Fahrer werden zum Umgang damit und zur Pflichtausstattung der Gefahrgutfahrzeuge – zum Beispiel Warntafeln, Schutzausrüstung – regelmäßig unterwiesen. Treten Mängel auf, geht eine entsprechende Information an die Werkstatt, bei Bedarf auch an den Disponenten raus.

Hightech trifft auf Hausmittel
So arbeitet auch das Siepmann-Team. „Wenn Schäden noch abgeklärt werden müssen, machen die Fahrer mit dem Tablet ein Foto und schicken es“, berichtet Podolski. Dann könne man rasch entscheiden, wie es weitergehen soll. Und bei der Fahrzeugkontrolle trifft dann Hightech auf Hausmittel: Die Fahrer haben nicht nur das Tablet mit der Checkliste zur Hand, sondern auch ein 1-EUR-Geldstück griffbereit. Denn dank des 3 mm tiefen goldenen Randes der Münze können sie ganz fix prüfen, ob die Profiltiefe der Reifen noch der Vorschrift entspricht­.

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