|  22. Januar 2018

Mit Trucker-Feeling auf Fahrersuche

Zukunftssorgen durch Fahrermangel? Kein besonderes Thema für die in Melle beiheimatete Waldbach Fulfillment-Logistik. „Aufgrund unserer ganz eigenen Philosophie haben wir nahezu keine Probleme, Fahrer zu rekrutieren“, behauptet jedenfalls der geschäftsführende Gesellschafter, Björn Waldbach. Er beschäftigt 140 Mitarbeiter, davon 30 Berufskraftfahrer, und setzt auf einen personenbezogenen Führungsstil sowie besondere Anreize zur Motivation. „Mehr Gehalt zahlen wir nicht“, betont Waldbach.

„Der größte Unterschied gegenüber anderen Unternehmen dürfte sein, dass unsere Fahrer individuelle Fahrzeuge bekommen und bei der Marke sowie Gestaltung volles Mitspracherecht haben“, erläutert der Unternehmer. Denn er stellt seinen Fahrern sozusagen „einen eigenen Dienstwagen mit Wunschausstattung“ zur Verfügung. Ein Privileg, das ansonsten nur leitende Angestellte erhalten.

Jeder LKW ein Unikat
Im Fuhrpark gibt es daher keine identischen Fahrzeuge. Außerdem werden Fahrertreffen ebenso gefördert wie die Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Von derzeit fünf Auszubildenden will einer Berufskraftfahrer werden. Außerdem werden nur deutsche Fahrer beschäftigt, um in Sachen Kommunikation bei den Kunden zu punkten.

„Betriebswirtschaftliche Faktoren sind wichtig. Aber Mitarbeitermotivation zahlt sich aus“, ist Waldbach fest überzeugt. Denn Fahrer, die sich mit ihrem LKW und dem Unternehmen identifizieren, achten auf einen wirtschaftlichen Fahrstil und gehen mit den Fahrzeugen sorgfältig um. „Das ist meine eigentliche Rechnung“, gibt er zu.

Im Fuhrpark des Unternehmens sind alle Marken vertreten. Das liege daran, dass die Fahrer bei der Beschaffung ihres LKW mitentscheiden. Bei den Einkaufskonditionen spiele dies kaum eine Rolle, denn das Unternehmen beschaffe ohnehin nicht mehrere LKW auf einmal. Bullenfänger, Sonnenblenden und Lampenbügel sind an den Waldbach-LKW dann auch keine ungewöhnlichen Extras. Das kostet Waldbach 10.000 bis 15.000 EUR pro LKW extra. Den wegen der schlechten Aerodynamik erhöhten Treibstoffverbrauch nimmt er in Kauf, setzt vielmehr auf das gestiegene Trucker-Feeling für seine Fahrer.

„Ich konnte mir alles aussuchen, was der Markt hergibt“, bestätigt Waldbach-Fahrer Randolf Scherz. Waldbach habe ihn mit dem „eigenen“ LKW gelockt. Scherz fährt seit einem knappen Jahr für das Unternehmen und hat sich einen Actros Gigaspace ausgesucht – „mit Bullenfänger versteht sich, aber auch einem kompletten Sicherheitspaket und einer Standklimaanlage“. Allein der Bullenfänger kostet rund 3.500 EUR.

Jeder Fahrer hat sein festes Fahrzeug. „Darauf legen die Fahrer besonderen Wert“, so Waldbach und nimmt in Kauf, dass der LKW im Urlaub des Fahrers auf dem Hof bleibt. Gleichzeitig haben die Fahrer ein Mitspracherecht bei der Jobauswahl, also ob sie im Nah-, Fern- oder Mixverkehr fahren wollen. „Wir versuchen, den Job an die Lebenssituation der Fahrer anzupassen“, so Waldbach. Wenn Unternehmen ihre Fahrer schlecht behandeln, dann dürften sie sich auch nicht über Fahrermangel wundern, findet Scherz.

Gerade erst hat Waldbach ein Telematiksystem in allen LKW installiert. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Einführung eines Bonussystems auf Basis des Fahrstils als Add-on zum Gehalt. „Wir wollen die Fahrer belohnen, die bei den Verbrauchswerten unter dem Flottendurchschnitt liegen.“

Faible für Marketing
Der Unternehmer selbst hat ein Faible für Marketing. Die Gestaltung der LKW liegt ihm besonders am Herzen. Gerade erst ist ein LKW-Auflieger auf die Straße gegangen, der Werbung für das Unternehmen und die Stadt Melle verbindet. Ein LKW in den Vereinsfarben des Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück ist bereits seit einiger Zeit auf den Straßen unterwegs. So will der Unternehmer in seiner Heimatregion Flagge zeigen und damit bei den Kunden Sympathiepunkte sammeln. Doch auch vor verkehrspolitischen Themen schreckt er auf seinen Fahrzeugen nicht zurück: Neuerdings macht Waldbach auf dem Heck der LKW auch Werbung für die Rettungsgasse. Einen davon fährt Scherz. „Das Plakat auf dem Heck des Fahrzeugs kommt gut an“, berichtet er. (la)

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