|  22. Mai 2018

Warenhaus kauft Kombiterminal

Jula, die schwedische Handelskette für Heimwerkerzubehör, Gartenbedarf und Elektrik, hat das von ihr genutzte Kombiterminal Marjarp gekauft. Die Anlage in Falköping, etwa 150 km nordöstlich von Göteborg gelegen, spielt in der Logistikkette von Jula eine zentrale Rolle und soll mit dem Eintritt des Unternehmens als Gesellschafter weiterentwickelt werden.

Ebenso wie der Hafen Göteborg als klassischer Logistik-Player – Jula importiert über seine Anlagen containerisierte Güter aus Fernost - beobachten auch die Entwickler des Skaraborg Logistic Center (SLC) die Entwicklung. "Wir sind sehr gespannt, was Jula auf die Beine stellen will“, sagte Project Manager Leif Bigsten der DVZ.

Als SLC wird die gesamte in Falköping gebündelte Logistikkompetenz verschiedener Akteure vermarktet, die sich in Marjarp nördlich der Stadt auf einer 700.000 m² großen Fläche tummeln. Neben dem Kombiterminal gibt es auch Anlagen mit Gleisanschluss von verladenden Unternehmen wie Stora Enso. Das Kombiterminal (Dryport Skaraborg), das Jula zum 1. September übernehmen wird, ist Teil der Gewerbefläche.

Klares Bekenntnis zur Schiene
Was treibt Jula zu dem ungewöhnlichen Engagement? „Selbst umzuschlagen und den Dryport zu bewirtschaften, das ist für uns ein völlig neues Geschäftsfeld mit interessanten Entwicklungsperspektiven für den Konzern und die Region Västra Götaland“, erklärt Karl-Johan Blank, geschäftsführender Gesellschafter und Konzernchef der Jula-Gruppe. Mit der Übernahme will Jula den LKW-Verkehr weiter reduzieren, indem mehr Transporte von der Straße auf die Schiene verlagert werden.

Jula fährt seit der Eröffnung des Hinterlandterminals im Jahr 2014 Ladung mit Containerzügen aus dem Seehafen Göteborg zum Kombiterminal in Falköping, das an der Hauptstrecke Göteborg–Stockholm liegt. Dort werden die Container durch die mit dem Umschlag beauftragte Firma TBN Åkeri vom Zug genommen und die letzten 30 km über die Straße zum Jula-Zentrallager in Skara gebracht. Mit der Übernahme des Terminals am 1. September wird auch der Umschlag durch Jula erledigt. Die abschließenden Details müssen noch geklärt werden.

96 Prozent weniger CO2
Die Umstellung vom Langstreckenverkehr mit LKW auf eine kombinierte Lösung hat den CO2-Ausstoß innerhalb der Transportkette um 750.000 kg pro Jahr gesenkt. Dank weiterer Verfeinerungen wie beispielsweise dem Einsatz von Biodiesel und von Lang-LKW konnten sogar 96 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden.

Die ersten Seehafen-Hinterlandverkehre auf der Schiene zwischen dem Hafen Göteborg und Falköping begannen schon 2007, damals endeten sie noch am Bahnhof Brogärdet in Falköping. Das SLC wurde erst sieben Jahre später gebaut.

Ursprünglich waren es viele kleinere Kunden, die den Zug nutzten. Als es zur Finanzkrise kam, wurde der Shuttle 2009 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Der Wunsch der Logistiker aus der Region war aber stets, die intermodale Verbindung endlich wieder aufleben zu lassen.

„Mit dem Einstieg von Jula als Hauptnutzer konnte der Verkehr im Herbst 2013 wieder anlaufen“, berichtet Bigsten. Gleichzeitig wurde mit Schenker ein Abkommen über die operative Gesamtverantwortung und die Vermarktung der Verkehre getroffen.

Schenker vermarktet die Verkehre
Das Tüpfelchen auf dem I stellte dann das 2014 eröffnete Kombiterminal auf dem Gelände der Logistikzone Marjarp dar. Die Infrastruktur hat sich die Gemeinde Falköping 29 Mio. SEK (2,7 Mio. EUR) kosten lassen. Als Nutzer verpflichtete sich Jula, für die Dauer von fünf Jahren 2,5 Mio. SEK (240.000 EUR) an Verkehrs- und Pachteinnahmen an die Gemeinde zu zahlen. Zum Preis von 29 Mio. SEK wechselt das Terminal jetzt den Besitzer.

Der Container-Shuttle entwickelte sich vom Start weg gut. Es gibt fünf Abfahrten pro Woche. Für die Traktion ist die Tågfrakt AB verantwortlich. Jährlich werden rund 25.000 Teu auf dem Terminal bewegt. Jula liefert die Grundauslastung, während die restlichen Plätze auf dem Zug von anderen Unternehmen aus der Region gebucht werden können. Die Transitzeit vom Intermodalterminal in Göteborg nach Falköping beträgt lediglich zwei Stunden. „Wir haben mit einem gemeinsamen Einsatz bewiesen, dass sich der Kombinierte Verkehr auch auf einer kurzen Strecke von 130 bis 150 km rechnen kann“, sagt Julas Logistikchef Lennart Karlsson. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nutzen rund zehn Unternehmen den Shuttle regelmäßig. Zu ihnen zählen Gyllensvaan, ein Möbellieferant für Ikea, die Heimausstatter MIO und A Lot Decoration und der Tabak- und Streichholzhersteller Swedish Match.

Falköping setzt auf Logistik
Das Zustandekommen des Kombiterminals ist Teil der Strategie der Gemeinde Falköping, die günstige Lage der Stadt für die Logistikbranche zu vermarkten. „Wir liegen am Kreuzungspunkt der westlichen und südlichen Hauptbahnstrecke. Das bedeutet zum einen eine Entlastung des Hafens Göteborg bei der Ladungsverteilung, und zum anderen können von Falköping aus viele Standorte in der Region Västra Götaland versorgt werden“, erklärt Bigsten.

Jula wird den Container-Shuttle zwischen Falköping und Göteborg weiterentwickeln und dabei auch aktiv daran arbeiten, neue Verkehre anzuziehen und damit zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen. „Im Herbst werden wir uns genauer anschauen, ob es auch Möglichkeiten für Verkehre Richtung Kontinentaleuropa gibt“, kündigt Karlsson gegenüber der DVZ an. „Wir hatten schon Vermarktungsauftritte in Deutschland“, ergänzt Bigsten. Interessante Möglichkeiten bieten sich auch insbesondere durch den wachsenden E-Commerce oder die Lagerlogistik.

Erweiterungsmöglichkeiten in Marjarp gibt es. „Jula hat sich zusammen mit dem Terminalkauf über einen Exklusivvertrag die zeitlich befristete Möglichkeit gesichert, ein 300.000 m² großes Grundstück für logistischen Nutzen zu beplanen und diese Planungen dann mit der Kommune abzustimmen“, sagt Karlsson. Ihm schweben beispielsweise Einlagerungs- und Verteileinrichtungen vor, die Firmen aus dem E-Commerce-Sektor nutzen können und das SLC zu einem Güterverkehrszentrum machen.

 

 

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