10. Juli 2017

Häfen buhlen mit Schienenausbau um Bayern

Die großen deutschen Seehäfen liegen im Hinterlandverkehr mit Bayern vorn (siehe Grafik). Mit 424 Containerzugverbindungen pro Woche "ist die Eisenbahn für den Gütertransport zwischen Bayern und Hamburg mit einem Verkehrsträgeranteil von rund 65 Prozent führend", erklärt Jürgen Behrens, Leiter der Hafen-Hamburg-Repräsentanz in München. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Während der Anteil der Schiene zwischen Hamburg und Bayern rund 65 Prozent beträgt, schlägt Bremenports 91 Prozent der bayerischen Hinterlandcontainer Bahntransporten zu. Der Bereich Automotive hat für die bremischen Häfen eine herausragende Bedeutung. 2013 wurden laut einem Sprecher etwa 80.000 Fahrzeuge via Bremerhaven nach Bayern importiert, überwiegend per LKW. In Gegenrichtung wurden etwa 200.000 Fahrzeuge aus Bayern zur Verschiffung nach Bremerhaven transportiert, überwiegend per Bahn.

Hamburg, laut Behrens Hauptverladehafen Bayerns mit rund 52 Prozent des bayerischen Überseehandels, setzt sich ihm zufolge dafür ein, möglichst viel Ladung auf die Schiene zu bringen. Deshalb gelte es, Transport­abläufe von und zu den Terminals für Kombinierten Verkehr im Freistaat stärker zu vernetzen.

Ostkorridor zur Entlastung gefordert
Es gibt allerdings ein Wachstumshindernis: Die überwiegende Zahl aller Containerzüge nutzt die Hauptstrecke Hamburg-Hannover-Kassel-Würzburg. "Um bei steigenden Transportmengen Engpässe auf dieser Nord-Süd-Achse zu vermeiden, ist die Umsetzung des sogenannten Ostkorridors zwischen Hamburg und Bayern via Uelzen-Stendal-Magdeburg-Leipzig-Reichenbach-Hof mit Weiterführung über Regensburg-Landshut-Mühldorf nach Salzburg unumgänglich", erklärt Behrens. Diese Alternative würde deutlich zur Entlastung der derzeitigen Haupttangente beitragen, meint er.

Eine Entlastung, die den Norddeutschen weniger gefallen dürfte, ist der Schienenausbau der Südhäfen. Der italienische Adriahafen Triest bietet derzeit zwar wöchentlich erst fünf Zugpaare nach München an, doch der Abstand könnte sich verringern. Auf der Transport Logistic bekräftigten sowohl der bayerische Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben, Marcel Huber, als auch Bayerns Verkehrsminister, Joachim Herrmann, die Verbindungen ausbauen zu wollen.

Im Nachbarhafen Koper in Slowenien verkehren derzeit dreimal pro Woche Blockzüge nach München. "Wir arbeiten eng mit unseren Partnern im Eisenbahngeschäft zusammen, um mehr Regelverkehre anbieten zu können", sagt ein Hafensprecher. Haupthindernis sei die traditionelle Praxis der bayerischen Industrie, über die Nordhäfen zu gehen. Laut einer Studie von Drewry ist der Transport eines 40-Fuß-Containers von Shanghai nach München via Koper aber billiger und schneller als über Hamburg, Rotterdam oder Triest.

Rotterdam peilt tägliche Verbindungen an
Vergleichsweise wenige Verlader und Speditionen nutzen für Bayern-Verkehre bislang Europas größten Hafen in Rotterdam. Das soll sich ändern. Ziel sind laut einem Hafensprecher tägliche Verbindungen zu den wichtigsten Regionen und Städten in Bayern. Derzeit bediene der Operateur TX/EGS Nürnberg, München und Aschaffenburg und BTT Burghausen. "Wir möchten zum Beispiel Regensburg und Ulm zu unserem Netzwerk hinzufügen", erklärt der Sprecher. 2017 peilt Rotterdam 40.000 Teu mit Bayern an. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Der Hafen Antwerpen verzeichnet das größte Containeraufkommen in Bayern mit 37 Prozent in der Region Oberfranken. Gemeinsam mit dem Logistik-Kompetenzzentrum Prien werden derzeit die Verkehrsströme auf der Straße zwischen Bayern und dem Scheldehafen untersucht. (kk)

Kommentare

Kommentar veröffentlichen
Nur an die Redaktion senden

Captcha:*



* - Pflichtfeld