|  07. März 2017

Automatische Fahraufträge mit Priorität

Eine Million Fahraufträge in 6 Monaten: Die Staplerflotte des Filterherstellers und Automobilzulieferers Mann + Hummel im niederbayerischen Marklkofen hat gut zu tun. Sechs Schmalgang- und vier Frontstapler sichern hier in drei Schichten den gesamten Materialfluss zwischen Warenein- und -ausgang. Jeden Tag verlassen rund 2500 Paletten das Werk, was einem Volumen von 70 LKW-Ladungen entspricht. Das Aufkommen war von Jahr zu Jahr gestiegen, sodass die Versandmannschaft 2014 an ihre Grenzen stieß. „Wir hätten mittelfristig vier weitere Mitarbeiter einstellen müssen, um für die Zukunft gerüstet zu sein“, erinnert sich Roland Prechler, der am Standort Marklkofen den Bereich Supply Chain Management (SCM) verantwortet.

Als Alternative zu Neueinstellungen entschied sich Mann + Hummel für eine nachhaltige Steigerung der Effizienz in der Versandzone. Ansatzpunkte waren das bis dato lieferscheinbezogene Ein- und Auslagern sowie Vorkommissionieren der Hochregalstapler. Die Lieferscheine wurden dabei einzeln von den Mitarbeitern aus dem nahe liegenden Versandbüro abgeholt. „Dieser Prozess führte zu langen Wegstrecken und vielen Leerfahrten“, berichtet Ilona Hudson, die bei Mann + Hummel wichtige Logistikprojekte vorantreibt. Insgesamt dauerten die LKW-Beladungen „mit dem alten System oft zu lang“.

Ein weiterer Nachteil der früheren Vorgehensweise waren die zeitaufwendigen Regalgangwechsel. Hinzu kam, dass mehrere Schmalgangstapler mit unterschiedlichen Lieferscheinen zur selben Zeit einen bestimmten Gang ansteuern mussten. Das führte zu großen Wartezeiten.

Papierlose Fahraufträge
Vor diesem Hintergrund suchte man bei Mann + Hummel ein Transportleitsystem, das sich zentral in SAP integrieren lässt. Ziel war, die Fahraufträge papierlos über einen zentralen Pool an alle Stapler zu verteilen und dabei auch lieferscheinübergreifend zu arbeiten. Im November 2014 begann das Team um Roland Prechler mit den Ist- beziehungsweise Wertstromanalysen und bewertete die Ansätze zur Verbesserung. Die Wahl fiel dann auf das Transport- und Staplerleitsystem FLX-TLS der Flexus AG.

Die Implementierung des Systems dauerte fünf Monate. Zu den zusätzlich geforderten Funktionen zählten zum Beispiel eine Visualisierung des aktuellen Fortschritts der jeweiligen Aufträge und eine Beschränkung der gleichzeitig zu bearbeitenden Lieferscheine. Außerdem lassen sich jetzt die am Tag bearbeiteten Fahraufträge des Teams und von jedem einzelnen Mitarbeiter anzeigen. „Das steigert die Motivation, führt zu maximaler Transparenz über sämtliche Aufträge und dient der Protokollierung des Fortschritts“, sagt Hudson.

Doppelspiele möglich
Durch die Mehrstufigkeit der Fahraufträge haben die 32 Staplerfahrer eine klare Arbeitsteilung. Die Schmalgangstapler im Hochregallager übernehmen das Ein- und Auslagern sowie das Vorkommissionieren, wobei das Transportleitsystem Gangwechsel möglichst vermeidet. Gleiches gilt für das gleichzeitige Ansteuern eines Regalgangs durch zwei Schmalgangstapler, was nun der Vergangenheit angehört. Übergabepunkt der Paletten ist eine definierte Zone vor dem Hochregal – der so genannte Vorfeldplatz. Dort werden die Ladungsträger von den Frontstaplern übernommen, die für die Vor-, Be- und Entladung der LKW verantwortlich sind.

Mit dem FLX-TLS-Transportleitsystem werden die gemäß Optimierungslogik nächsten Fahraufträge automatisch zugeteilt und auf dem Display des Staplerterminals angezeigt. Dabei werden die dringlichsten Lieferscheine mit höchster Priorität bearbeitet, wobei jeder Lieferschein nun von mehreren Staplern parallel kommissioniert werden kann. Außerdem werden Einlagerungen mit Auslagerungen kombiniert. „Damit sind jetzt Doppelspiele möglich, und wir haben die Wegstrecken minimiert“, betont Prechler.

Kürzere Durchlaufzeiten
Seit der Implementierung konnten nach Firmenangaben die Durchlaufzeiten um 7 Prozent verkürzt und die Wege um rund 15 Prozent reduziert werden. „Schaffte früher ein Schmalgangstapler nur 25 Ein- und Auslagerungen pro Stunde, so sind es heute 29“, bestätigt Hudson. Durch die bessere Auslastung konnte mit der gleichen Mitarbeiter- und Fahrzeuganzahl die Gesamtleistung spürbar erhöht werden.

Eine weitere Effizienzsteigerung verspricht sich Mann + Hummel durch die im vorigen Jahr eingeführte halbautomatische Steuerung der Schmalgangstapler. Diese sind werkseitig mit der Stapler-Halbautomatik Optispeed ausgestattet, die über eine von Flexus entwickelte Schnittstelle direkt in das Leitsystem integriert wurde. Auf diese Weise fahren die Geräte jetzt automatisch oder halbautomatisch zum Ziellagerplatz, wobei die Fahrkurve im Regal in Längs- und Höhenrichtung optimiert wird. Außerdem wird der Mitarbeiter entlastet, der seine Konzentration nicht mehr dem Ansteuern des Lagerplatzes widmen muss. Ein weiterer Vorteil dieser Weiterentwicklung ist das Vermeiden von falschen Picks und Einlagerungen.

Doch nicht nur das: Das neue Transportleitsystem hat neben dem Arbeitstempo auch die Qualität deutlich gesteigert. Denn anders als früher können die Warenausgangspaletten jetzt unmittelbar beim Auslagern durch den Staplerfahrer etikettiert werden. Hierfür wurde in jedem Regalgang ein Drucker platziert, der vom Staplerterminal aus angesteuert werden kann. Nach der Aufnahme der Palette aus dem Hochregal genügt dafür ein Fingertipp auf dem Touchscreen. Beim Herausfahren aus dem Gang wartet das Etikett bereits im Drucker und wird sofort aufgebracht. Bis März 2015 waren das Auslagern und Etikettieren noch getrennt, sodass es hin und wieder zu Verwechslungen kam.

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