|  15. Februar 2018

Blockchain als Basis

Nahezu die Hälfte der deutschen Unternehmen prüft derzeit den Einsatz der Blockchain-Technologie. Das ist ein Ergebnis der Yougov-Studie „Potenzialanalyse Blockchain“ im Auftrag von Sopra Steria Consulting, für die 204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen verschiedener Branchen befragt wurden. 21 Prozent der Befragten gaben an, dass bereits an Prototypen gearbeitet wird. Die Erwartungen an Blockchain im Rahmen der Supply Chain 4.0 sind also hoch.

Als Partner von Fertigung und Handel, von Beschaffung und Vertrieb experimentiert auch die Logistik mit der Blockchain. Die Blockchain hat hohen Nutzen, wenn viele am Prozess beteiligt sind. Zudem dort, wo Sicherheit und Vertrauen gefragt sind. Bereits 2014 ermittelte Maersk, dass an einer Lieferung von gekühlten Produkten von Ostafrika nach Europa etwa 30 Personen und Organisationen wie Spediteure, Reedereien, Häfen und Zollbehörden Informationen austauschen. Einige davon sind vertraulich. Maersk zog seine Schlüsse, und eine von IBM und Maersk entwickelte Blockchain-basierte Lösung soll in Zukunft dazu beitragen, das Bestandsmanagement zu verbessern, Containertransporte zu beschleunigen, Betrug zu verhindern, Fehler zu vermeiden und nicht zuletzt Kosten zu senken.

Welche Rolle spielt dabei hier, aber auch bei Landverkehren die Blockchain? Zunächst die Frage: Was ist die Blockchain? Sie ist eine Cloud-basierte Technologie für eine sich ständig erweiternde Datenbank, in der Daten aneinander gekoppelt und unveränderbar gespeichert werden. Veränderung und Löschung sind nahezu ausgeschlossen. Denn die Blockchain-Datenbank liegt auf einem Netzwerk einer sehr großen Anzahl von Rechnern. Damit gibt es keinen zentralen Angriffspunkt, denn zur Manipulation müssten die Datensätze parallel und zeitgleich angegangen und verändert werden; ansonsten wird durch Unstimmigkeit der unerlaubte Eingriff erkennbar. Niemand weiß zudem, wo sich die verschlüsselten Daten überall befinden. Und fällt ein Rechner aus, springt ein anderer ein. Dies macht das Netz stabil und sicher gegen Hacker-Angriffe, die 2017 auch Kep- und Logistikunternehmen getroffen haben.

Bedenkenloses Datenhandling
Die Blockchain ist öffentlich oder privat. Ein eingeschränkter Personenkreis kann aus Geschäftspartnern, Zollbehörden, Dienstleistern und anderen Akteuren entlang der Lieferkette bestehen. So ist sichergestellt, dass vertragliche, rechtliche, produkt- und preisbezogene Daten und Informationen nicht nur schnell, sondern auch bedenkenlos bereitgestellt werden können. Sensible Informationen sind geschützt. Die Blockchain ist also die Basis für vertrauenswürdige Plattformen; auch für solche, auf der sich Ware und Transportmittel treffen und auf der Verträge, einschließlich der Modalitäten wie Abhol- und Zustellzeitpunkte, aber auch die Preise, verhandelt und geschlossen werden.

Transparenz bei höchstmöglicher Sicherheit kommt allen zugute: Das Fahrpersonal weiß, dass es Ware von den in der Blockchain gelisteten Verladern annehmen kann – ohne Angst haben zu müssen, dass es sich dabei um einen Terroristen handeln könnte. Disponenten können darauf vertrauen, dass die von ihnen hochgeladenen Papiere authentisch bleiben. Zudem können durch den ergänzenden Einsatz künstlicher Intelligenz in Form intelligenter Bots gefälschte Papiere erkannt werden – damit ist sichergestellt, dass KFZ-Scheine, Führerscheine, Führungszeugnisse und vieles mehr echt sind. Bots sind auch in der Lage, ungewöhnliche Handlungen und Entwicklungen auf einer digitalen Frachtenbörse zu erkennen – wie beispielsweise einen Preissturz oder die Monopolisierung von Aufträgen – und diese innerhalb der Blockchain publik oder aber nur für die Disponenten sichtbar zu machen.

Blockchain ermöglicht zudem smarte Verträge. Verträge, die auf digitalen Plattformen einfach geschlossen werden können und denen man vertrauen kann. Rechtsverbindlich werden Vereinbarungen zwischen denen geschlossen, die sich auf den Plattformen finden. Plattform und Blockchain ermöglichen den Uber der Fracht. All das hat Einfluss auf Image und Wertschätzung der Disponenten.

Anstatt dass der Disponent lange nach einem passenden Fahrzeug oder umgekehrt nach Ladung suchen muss, wird er Gestalter und Hüter des Geschehens auf der Blockchain-basierten Plattform. Denn das Disponieren geschieht nun digital. Auftraggeber und Auftragnehmer finden sich ohne Zutun des Disponenten und schließen per Mausklick die Verträge miteinander ab.

Disponent entwickelt mit
Die Aufgabe des Disponenten wird künftig sein, die kollaborativen Plattformen mitzugestalten, damit diese den Anforderungen des Alltags auch gerecht werden. Dreh- und Angelpunkt seiner Tätigkeit ist dabei das Bewerten, Auswählen und Listen der Verlader und Transporteure. Die Bewertung der Zusammenarbeit nehmen die Beteiligten auf der Plattform selbst vor. Aber auch die Überwachung des Geschehens auf der Plattform liegt in der Verantwortung der Disponenten.

Um dies alles leisten zu können, muss der Disponent von morgen die Komplexität von Transport und Lieferkette, ihre Herausforderungen und Risiken verstehen sowie über technisches Know-how verfügen – zumindest muss er ein Verständnis für die Arbeitsweise digitaler Plattformen besitzen. Er wird damit zum Mitentwickler und entscheidenden Faktor der digitalen Supply Chain. (tof)

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