02. November 2017

Neue Technologie mit riesigem Potenzial für Handel und Logistik

Die Blockchain ist der vielleicht größte, aktuelle Hype in der digitalen Welt. Kaum eine Branche, die das neue Buzzword nicht für sich entdeckt hat – und sich in oft rätselhaften Definitionen versucht. Dass ausgerechnet der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine durchaus verständliche Erklärung gelingt (siehe Randspalte), hat einen Grund: Die Datentechnologie kann vor allem die Finanzwelt revolutionieren. Möglicherweise macht sie schon in wenigen Jahren den Zahlungsverkehr, die Vergabe von Krediten oder den Wertpapierhandel nicht nur schneller und günstiger, sondern auch die Banken überflüssig.

Eine Blockchain ist aufgebaut wie eine riesige Datenbank, die nicht an eine konkrete Hardware gebunden ist, sondern deren Netzwerkprotokolle dezentral auf vielen verschiedenen Computern verteilt sind und dadurch nach Ansicht von Experten nicht mehr gehackt werden können. Als neutrales Dokumentationssystem für überwiegend sensible Informationen ist das Einsatzpotenzial der Blockchain in vielen Feldern der Wirtschaft immens: „So könnte sie etwa die Transparenz in der Flugzeugwartung erhöhen“, sagt Patrick Götze, Director Sales New Business bei Lufthansa Industry Solutions. „Innerhalb einer Blockchain kann eine Information jederzeit nachvollzogen werden. Das bringt besonders dann Vorteile, wenn verschiedene Unternehmen zusammenarbeiten und die gleichen Daten nutzen, wie beispielsweise beim Einbau von Ersatzteilen in der Flugzeugwartung.“

Wie groß das Potenzial der Blockchain-Technologie wirklich ist, will Lufthansa Industry Solutions jetzt mit einem eigenen Labor herausfinden. Seit September 2017 verfügt der IT-Dienstleister aus Norderstedt bei Hamburg über ein „Blockchain Lab“. Hier erprobt das Unternehmen zusammen mit anderen Experten und Institutionen die neue Technologie und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. „Unser ‚Blockchain Lab‘ ist der Ort zum Entwickeln, Ausprobieren und Testen von neuen Prozessen und Einsatzmöglichkeiten rund um die Blockchain-Technologie“, erläutert Bernhard Kube. Der Vice President Technology Consulting bei Lufthansa Industry Solutions ist sich sicher: „Ein derartiges Labor ist bei solchen komplexen Themen der Schlüssel zum Erfolg, denn hier können sich Unternehmen mithilfe unserer Experten ganz konkreten Fragestellungen widmen und das Potenzial der Blockchain für den eigenen Geschäftserfolg ausloten.“

Neben der Verifizierung von Originalteilen für die Flugzeugwartung ist das sichere Tracken wertvoller Güter, wie beispielsweise frischer Lebensmittel, eine weitere denkbare Anwendungsmöglichkeit der Blockchain im Air Cargo-Business. Das hat auch der IT-Dienstleister IBM erkannt und jüngst mit einer Vielzahl internationaler Unternehmen aus der Lebensmittelbranche eine Blockchain-Kooperation gegründet. Mitglieder sind Dole, Driscoll’s, Golden State Foods, Kroger, McCormick and Company, Nestlé, McLane Company, Tyson Foods, Unilever und Walmart. Das gemeinsame Ziel lautet, die Sicherheit von Lebensmitteln über die gesamte Supply Chain hinweg deutlich zu erhöhen. Nach Angaben von IBM würden viele Probleme rund um die Lebensmittelsicherheit, wie beispielsweise durch Verunreinigung, durch den fehlenden Zugang zu Informationen und schlechte Rückverfolgbarkeit verstärkt. So könne es heute Wochen dauern, etwa die genauen Ursachen einer Verunreinigung ausfindig zu machen.

„Die Blockchain-Technologie verändert die Art und Weise, wie gleichgesinnte Organisationen zusammenarbeiten können“, ist Marie Wieck, IBM General Manager Blockchain, überzeugt: „Weil dann alle Beteiligten die exakt gleiche Sicht auf die Dinge erhalten, also eine ‚single View of the Truth‘, steigt das gegenseitige Vertrauen enorm.“ (bo)

 

 

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