|  27. Juli 2017

Der Schrecken aller Plattformen

Von Blockchain haben schon viele gehört. Nur wenige setzen sich damit aber schon auseinander. Diejenigen rechnen jedoch mit grundlegenden Veränderungen. Die Technik wurde durch die umstrittene Digitalwährung Bitcoin bekannt. Der Begriff kam 2008 auf, als sich die Bankenbranche gerade in eine tiefe Vertrauenskrise manövrierte. Denn ein Merkmal der Blockchain ist, dass sie von keiner zentralen Autorität verwaltet wird. Die Technik hat daher das Zeug dazu, Intermediäre wie Banken, aber auch Plattformen, Notare und Anwälte überflüssig zu machen. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Die Blockchain emanzipiert sich gerade vom Finanzsektor. Auch einige Industrie- und Logistikkonzerne denken über Einsatzfelder nach. Dabei sind die Anwendungen durchaus auch für den Mittelstand relevant. Sie können Prozesse beschleunigen, die Sicherheit von Transaktionen erhöhen und Kosten senken. Derzeit wird sowohl an Open-Source-Anwendungen als auch an firmen­internen Lösungen gearbeitet.

Was steckt hinter der Technik?
Eine Blockchain ist eine Art digitales Buch oder Archiv, in das alle Transaktionen für zum Beispiel ein Produkt oder eine Lieferung chronologisch eingetragen werden. Es kann theoretisch alles aufgezeichnet werden, was programmierbar ist: von Besitzurkunden über Patientenakten und Versicherungsfälle bis hin zur Herkunft von Lebensmitteln. Die sich ständig aktualisierende Datenbank läuft dezentral auf vielen Rechnern und eben nicht auf einem bestimmten Server, was Cyberangriffe deutlich erschwert.

In einer Kette von Datenblöcken werden Transaktionen verschlüsselt aufgezeichnet. Dabei kommen öffentliche und private Schlüssel zum Einsatz. Jede eingetragene Transaktion kann von den (berechtigten) Teilnehmern direkt verifiziert, freigegeben und dann in den Computern aller Supply-Chain-Partner gleichzeitig in einem Block gespeichert werden. Die Blockchain merkt sich alles, und zwar für immer.

Jeder Teilnehmer hat Zugriff auf die Datenbank und ihre Historie. Jeder weiß, was passiert. So kann keiner den Datensatz unbemerkt manipulieren. Damit sind zum Beispiel alle Transaktionen entlang einer Lieferkette unveränderlich gesichert und sichtbar. Benutzer können wählen, anonym zu bleiben oder anderen einen Identitätsnachweis zu geben. Die Blockchain ist grundsätzlich öffentlich. Es ist aber möglich, geschlossene Bücher einzurichten. Sie ist zudem skalierbar, es lässt sich also eine beliebige Teilnehmerzahl nahtlos integrieren.

Benutzer können darüber hinaus Algorithmen und Regeln einrichten, die automatisch Transaktionen auslösen. Die Technik bildet damit die Grundlage für elektronische Verträge in Form von intelligenter Software, sogenannten Smart Contracts. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Möglicher Treiber für den Welthandel
Bisher ist es vor allem der IT-Konzern IBM, der den Nutzen für Supply-Chain-Beteiligte erschließt. Zu den Projektpartnern gehören der Handelskonzern Walmart oder der Logistikriese Maersk. Eine mit Maersk entwickelte Branchenlösung soll dazu beitragen, Containertransporte zu vereinfachen, zu beschleunigen und transparenter zu machen.

Die maritime Branche erhofft sich erhebliche Kostensenkungen  und einen deutlichen Schub für den Welthandel. Etwa 15 Prozent mehr Handelsvolumen sind angeblich drin. Der Hafen von Rotterdam hat bereits den Test von Blockchain-Anwendungen angekündigt. Der Hafen im belgischen Antwerpen hat ein Projekt zur Automatisierung der Containerlogistik gestartet. DB Schenker und Hamburg Süd sind in Australien Teil einer Initiative, die einen Blockchain-Sicherheitsstandard entwickelt.

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