|  18. September 2017

Eine neue Adresse für die Logistik

Der Deutsche-Bahn-Tower am Potsdamer Platz in Berlin hat eine neue Adresse. Sie lautet: lebendig.webseiten.auflösen. Klingt profan, ist es aber überhaupt nicht. Immerhin nahm sich DB-Chef Richard Lutz höchstpersönlich Zeit, um die neue Adresse zu präsentieren. Tatsächlich verbirgt sich dahinter das Start-up what3words aus London, an dem sich der Bahn-Konzern über seinen Start-up-Fonds Digital Ventures beteiligt hat. Das Unternehmen hat ein neues Adressesystem entwickelt, das die Logistik deutlich effizienter machen und ganz neue Anwendungen möglich machen soll.

What3words hat den gesamten Globus mit 3 mal 3 m großen Quadraten überzogen, von denen jedes eine aus drei Wörtern bestehende Adresse bekommen hat. 57 Mrd. Sind es in Summe. Dank dieser und einer zugehörigen App oder Online-Karte lassen sich auch Orte benennen und auffinden, die überhaupt keine herkömmliche Adresse haben oder eine sehr komplizierte beziehungsweise ungenaue. Mit Hilfe des neuen Systems lasse sich nun beispielsweise genau beschreiben, zu welchem Eingang oder zu welcher Rampe eine Lieferung gebracht werden soll, sagte Clare Jones, CCO des Start-ups. Und Richard Lutz betonte: "Die Anwendungen in der Logistik sind vielfältig und wir prüfen gerade bei Schenker die unterschiedlichsten Anwendungsfelder."

What3words wurde 2013 vom heutigen CEO Chris Sheldrick gegründet. Er kommt aus der Musikbranche und hat unter anderem Musik-Events rund um den Globus organisiert. Dabei gab es häufig das Problem, dass beispielsweise Lieferanten Seiteneingänge zu Konzerthallen überhaupt oder erst nach längerem Umherirren gefunden haben. Das kostete Zeit und Geld und musste effizienter gehen. Die Idee für what3words war geboren. Mittlerweile hat das junge Unternehmen 30 Mitarbeiter und bietet die GPS-basierte Lösung in 14 Sprachen an. DB Digital Ventures ist seit April dieses Jahres bei dem Start-up investiert. "Die Idee ist im Grunde verblüffend einfach und die daraus entstandene Lösung sehr überzeugend", sagte Lutz.

Doch warum eine Kombination aus Wörtern, statt beispielsweise ein Nummern-Code? Für Jones ist die Antwort einfach: "Menschen können sich Wörter einfacher merken als Nummernfolgen." Jede Wortfolge wird dabei nur einmal verwendet. Und: Auch die Deutsche Bahn konnte sich lebendig.webseiten.auflösen als Adresse für den Bahntower nicht etwa buchen. Die Adressen wurden zufällig vom Computer ermittelt. "Wir checken lediglich, dass keine Wortkombinationen entstehen, die jemanden verärgern könnten", so Jones.

Die Einsatzmöglichkeiten in der Logistik reichen von Paketlieferungen bis hin zu Hilfsgütern. Der arabische Paketdienst Aramex beispielsweise nutzt what3words beispielsweise schon sehr viel im Nahen Osten. "Denn dort haben Straßen häufig keinen Namen", erläutert Jones. Und in der Mongolei sei what3words sogar schon offiziell als Adresssystem akzeptiert. Kein Wunder, schließlich kann man sich Straßenschilder in der Steppe nur schwer vorstellen.

Die Deutsche Bahn ist über Digital Ventures mittlerweile in fünf Start-ups investiert. Neben what3words sind das Quixxit, Talixo und Clevershuttle in Deutschland sowie das US-Start-up Connected Signals. Bis 2019 stehen insgesamt 100 Mio. EUR Wagniskapital bereit, wobei Digital Ventures immer nur Minderheitsbeteiligungen eingeht. 

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