19. April 2017

Reifenmanagement: Übersicht statt Blindflug

Wie beim Eiskunstlauf gibt es auch beim Reifenmanagement eine Pflicht und eine Kür. Zur Pflicht gehört der professionelle und effiziente Umgang mit der Hardware, also dem Reifen – angefangen bei der Wahl des für den Einsatz optimalen Pneus, über eine fachmännische Wartung bis hin zum Reifenwechsel in der Umrüstsaison. Dabei ist klar: Ohne eine verlässliche Übersicht über den Bestand und den Zustand der Pneus ist Reifenmanagement ein Blindflug. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Digitale Helfer erleichtern diese Arbeit enorm. Elektronische Plattformen bilden den Reifenbestand eines Spediteurs virtuell ab und machen so nachvollziehbar, wie viele Reifen er hat, auf welchem Fahrzeug ein Reifen montiert ist und in welchem Zustand er ist. Dabei ist Disziplin gefragt: Denn eine Datenbank kann nur so gut sein, wie sie gepflegt wird.

Darüber hinaus kann die Plattform als virtuelle Schnittstelle zwischen dem Fuhrparkmanager und seinem Servicebetrieb fungieren. Das sorgt für Transparenz, denn die Art der Dienstleistung kann hier ebenso hinterlegt werden wie die vereinbarten Konditionen, zu denen sie der Reifenpartner erbringt.

Die Kür im Reifenmanagement ist es, die gesammelten Daten zu analysieren und die Unternehmensstrategie auf die Ergebnisse auszurichten. Hierzu zählen Grundsatzentscheidungen – etwa die Frage, ob die Optimierung von Rollwiderstand oder von Laufleistung Priorität hat, sowie der Beschluss, ob die Pneus nachgeschnitten und runderneuert werden.

Die neueste Technik zum Spritsparen
Rund 30 Prozent der Betriebskosten eines durchschnittlichen 40-t-LKW in Europa entfallen auf Kraftstoff. Im Vergleich dazu sind die Kosten für die Anschaffung von Reifen verschwindend gering und liegen bei nur rund 3 Prozent. Da Spritspar-Pneus den Rollwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch deutlich senken können, liegt in dem kleinen Kostenblock ein großes Potential, um die Gesamtbetriebskosten in einem Fuhrpark zu senken.

Spritsparreifen der jüngsten Generation haben ein relativ flaches und vergleichsweise glattes, wenig zerklüftetes Profil. Um trotzdem eine hohe Laufleistung zu erzielen, verfügen sie über einen besonders hohen Positiv-Anteil am Profil und sind vergleichsweise breit. Um trotz des glatten Profils eine gute Traktion zu gewährleisten, müssen die vorhandenen Blöcke, Rillen und Lamellen in der Lauffläche optimal genutzt werden. Einige Hersteller erzielen im Laufflächendesign einen sogenannten „Selbstverriegelungs-Effekt“: Die Blöcke im Profil stützen sich gegenseitig ab, was die Eigenbewegung der Lauffläche reduziert. Eine weitere Möglichkeit: Die Rillen im Profil weiten sich erst nach unten hin aus. Das hält den Rollwiderstand gering und sorgt auch dann noch für eine gute Traktion und Nasshaftung, wenn der Reifen bereits teilweise abgefahren ist. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Der Druck muss stimmen
Die beste Spritspartechnologie läuft ins Leere, wenn der Luftdruck im Reifen nicht optimal ist. So kann ein Unterschreiten des Nominaldrucks um lediglich ein Bar bis zu fünf Prozent mehr Rollwiderstand und einen erheblich gesteigerten Kraftstoffverbrauch nach sich ziehen.

Auch jedes dejustierte Rad ist ein unnötiger Kostentreiber. Es erhöht nicht nur den Rollwiderstand, sondern führt auch zu übermäßigem Reifenabrieb. Darüber hinaus sollten die Profiltiefe überwacht und das Ablaufbild kontrolliert werden. Ist letzteres ungleichmäßig, kann dies auf eine falsch eingestellte Spur oder einen falschen Luftdruck hinweisen.

Von präventiv zu proaktiv
Der Einsatz digitaler Helfer erlaubt den Schritt von einer reaktiven oder präventiven Wartung von Nutzfahrzeugreifen hin zu einer proaktiven. Das Prinzip: Das Risiko von Reifenpannen wird im Vorhinein reduziert, so dass die Ausfallzeiten der Fahrzeuge im Fuhrpark sinken.

Für das Reifendruckkontrollsystem kann beispielsweise ein Sensor direkt auf die Felge montiert werden. Per Telemetrie werden Informationen zum Zustand des Reifens an einen Server übermittelt, wo ein Algorithmus die Daten analysiert. So könnte etwa ein schleichender Luftdruckverlust erkannt und behoben werden, bevor es zu einer Reifenpanne kommt. Das hat weitere Vorteile: Die Ware kommt pünktlich beim Kunden an, und der Fuhrparkmanager spart Zeit und Kosten für Reparaturen. Zudem wird der Luftdruck im Reifen permanent kontrolliert und ein unnötiger Mehrverbrauch an Kraftstoff verhindert.

Sinnvoll ist auch eine automatisierte Erfassung der Restprofiltiefe: Das kann beispielsweise ein in den Boden des Betriebshofes eingelassenes Pad mit entsprechender Sensorik übernehmen. Fahren die LKW regelmäßig über das Pad, ist der Fuhrparkmanager jederzeit über den Zustand der Reifen informiert. Auf dieser Basis lassen sich Wartungsarbeiten optimal planen – eine Voraussetzung dafür, dass die Laufleistung der Pneus voll ausgeschöpft wird."Jetzt für die Logistik News anmelden"

Der Faktor Mensch
Eine falsche Fahrweise kann die Investitionen in rollwiderstandsoptimierte Reifen und digitale Ser­vices konterkarieren. Das Reifenmanage­ment muss daher ganzheitlich gedacht werden und den Faktor Mensch mit einbeziehen. Eine Analyse des individuellen Fahrstils und ein gezieltes Training helfen, Schwachstellen zu beseitigen. Darüber können Wettbewerbe und Prämien Anreize für ein kraftstoffeffizientes Fahren schaffen. (ben)

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