30. Oktober 2018

Stahl wird digital

Sieben Standorte, 280 Mitarbeiter und 114 eigene LKW: Der vor allem für die Stahlindustrie tätige Logistikdienstleister Becker & Co. gehört zu den kapitalstarken Unternehmen seiner Branche, wobei einer der wichtigsten Posten in keiner Bilanz erscheint: Die rund 140 fest angestellten Berufskraftfahrer sind angesichts des Fachkräftemangels ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, zumal sie bei Becker & Co. sehr qualifizierte Zusatzaufgaben übernehmen.

Scannen im Fahrerhaus
Dazu gehört seit wenigen Monaten das Digitalisieren der Ablieferbelege mit den dafür angeschafften Dokumenten-Scannern. „Damit haben wir das Papieraufkommen drastisch reduziert“, berichtet Dirk Blechinger, der bei Becker & Co. die Disposition verantwortet. Noch liege die Quote der gescannten Papiere zwar bei unter 80 Prozent, aber bis zum Ende dieses Jahres sollten die Quittungen restlos im Fahrerhaus digitalisiert werden. Bis alle Kunden auf einen Lieferschein in Papierform verzichten können, seien die mobilen Scanner „eine sehr gute Lösung“.
Dahinter steckt das herstellerunabhängige Telematiksystem roadlox von Trendfire. Die Lösung ist bei Becker & Co. seit 2014 im Einsatz. Die Fahrer arbeiten mit handelsüblichen Android-Smartphones oder Tablets, die mit der Telematik-App roadloxDriver ausgerüstet sind. „Wir haben uns für Tablets von Samsung entschieden, die sich seit über drei Jahren im harten Alltag bewähren“, sagt Projektleiter René Höfner. Die Geräte zeigen am Display die neu eingehenden Touren und starten nach deren Empfangsbestätigung automatisch die Truck-Navigation.

Erheblicher Zeitgewinn
Für den Fahrer unsichtbar ist die ebenfalls im Fahrzeug verbaute Telematikeinheit „trendbeeTruck“, die nicht nur die aktuellen Positionsdaten und Fahrzustände dokumentiert, sondern auch die Daten des digitalen Tachografen ausliest. „Allein das automatische Fernauslesen und Archivieren der Daten aus mehr als 100 Tachografen bringt unseren Werkstattmitarbeitern einen erheblichen Zeitgewinn“, sagt Blechinger, der auch mit der Robustheit der Telematikeinheiten zufrieden ist.
Innerhalb von drei Jahren gab es bei mehr als 100 Fahrzeugen lediglich eine Handvoll Service- und Wartungsfälle. „In diesen wenigen Fällen haben wir von Trendfire immer kurzfristig Ersatzgeräte erhalten“, betont der Dispositionsleiter und ergänzt: „Wenn man mit einem deutschen Hersteller mit eigener Fertigung kooperiert, hat man als Kunde klare Vorteile, wie zum Beispiel direkte Ansprechpartner, schnelle Reaktionszeiten und fünf Jahre Garantie auf die Telematikeinheiten.“
Die von Trendfire selbst entwickelten Telematikeinheiten sind direkt am FMS/CAN-BUS des LKW angeschlossen und senden die gesammelten Daten via Mobilfunk in das hochverfügbare Rechenzentrum von Trendfire nach Karlsruhe. Die Disponenten können das System wahlweise über das webbasierte Trendfire-Telematikportal oder über ein Transport-Managementsystem bedienen. Bei Becker & Co. wird OnRoad von BNS schon seit vielen Jahren eingesetzt. „Die Schnittstelle zwischen OnRoad und roadlox wurde im Zuge der dreimonatigen Einführungsphase durch BNS und Trendfire programmiert“, erinnert sich Höfner, der mit dem Verlauf des Projekts zufrieden war.

Flexibel anpassbar
Über die Schnittstelle können die via Transport-Managementsystem erstellten Touren direkt aus der Disposition an roadlox beziehungsweise die jeweiligen Fahrer-Tablets gesendet werden. Danach werden sie von den Fahrern Schritt für Schritt abgearbeitet, wobei die Telematik-App roadloxDriver den exakten Ablauf vorgibt. „Die App ließ sich flexibel an unseren Workflow beziehungsweise an unsere Bearbeitungsreihenfolge anpassen“, betont Blechinger. Als Sonderwunsch ließ man sich von Trendfire einen optionalen Vertriebshinweis für Fahrer programmieren. „Unsere Fahrer sind viel häufiger bei unseren Kunden vor Ort als unser Außendienst“, begründet Höfner diese Maßnahme. „Mit der Hinweis-Funktion können Fahrer ohne großen Aufwand ihre relevanten Beobachtungen melden, die sich ein Vertriebskollege einmal genauer ansehen sollte.“

Subunternehmer mit im Boot
Dank der Telematik-App können auch die LKW von Subunternehmern in das mobile Auftragsmanagement direkt integriert werden. „Rund 30 Fahrer von Subunternehmern verfügen bereits über die App, die sie selbstständig auf ihren eigenen Smartphone installieren können“, berichtet Blechinger, der dadurch weitere Kosten für weitere Hardware spart. Auftragsmanagement und -dokumentation, Kommunikation und die Ortung der Fahrzeuge über das Smartphone stehen der Disposition für die Zeit des Auftrags zur Verfügung.

Lückenlos dokumentiert
Teil der Telematik-App ist auch der Tourenbereich, der den Fahrern eine Übersicht über alle wichtigen Informationen zu den Haltestellen gibt – angefangen bei der Adresse bis zu Packstücken, Lademitteln und Lieferscheinen. Während der Tour wird jeder Sendungsstatus per Knopfdruck dokumentiert und in Echtzeit ins Transport-Managementsystem  zurückgemeldet, so dass jeder Auftrag lückenlos dokumentiert wird. Aus der Halterung entfernt wird das Tablet nur, wenn dessen Kamera zum Fotografieren beschädigter Ware benötigt wird. Auch die Aufforderung zum Scannen der Ablieferquittung erhalten die Fahrer über das Tablet.
Ebenfalls zum Standard von roadloxDriver gehört das Kommunikationsmodul, mit dem die Disponenten per Knopfdruck Nachrichten an einzelne, gruppierte oder alle Fahrer  senden können. „Damit können wir zum Beispiel schnell ermitteln, welche Fahrer am kommenden Samstag für einen Sondereinsatz zur Verfügung stehen“, erklärt Blechinger. Gleiches gelte für das Versenden neuer Arbeitsanweisungen, die im Tablet gespeichert werden und längst das frühere Fahrer-Handbuch aus Papier abgelöst haben.

Polizei überzeugt
Neben der Disposition profitiert aber auch die Personalabteilung von roadlox, denn die Telematiklösung errechnet für alle Fahrer aus den vorhandenen Positionsdaten und Zeitwerten eine akkurate Spesenabrechnung. Für das Finanzamt lässt sich zudem eine jährliche Daten-CD mit den monatlichen Spesendaten erstellen.
Ein weiterer großer Vorteil der Lösung besteht in der Spurverfolgung inklusiver der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten und Uhrzeiten. „Anhand der exakten Aufzeichnungen haben wir sogar schon einen Bußgeldbescheid abgewendet“, sagt Höfner. Im besagten Fall ging es um eine Verkehrszone mit zeitlich befristetem Tempolimit, die der betroffene Lkw nachweislich erst nach Fristende durchfahren hatte. „Mit roadlox haben wir der Polizei nachgewiesen, dass sich unser Fahrer ordnungsgemäß verhalten hat“, so Höfner. (mw/tof)

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