19. April 2018

Bremer Spediteure: Gute Geschäfte trotz Margendrucks

Für das Bremer Speditionsgewerbe verliefen die Geschäfte im vergangenen Jahr überwiegend gut oder zufriedenstellend, obwohl Aufwand und Kosten im wichtigen Seefrachtgeschäft deutlich gestiegen sind. Das geht aus einer Umfrage des Vereins Bremer Spediteure (VBSp) unter den rund 150 Mitgliedsunternehmen hervor. 35 Prozent der Befragten bezeichneten ihr erwirtschaftetes Ergebnis als sehr gut oder gut, für 45 Prozent war es zufriedenstellend. Dabei hätten die Kosten und der Druck auf die Gewinnmargen im Seefrachtgeschäft, welches das wichtigste Standbein für die Bremer Speditionsbranche darstellt, enorm zugenommen, erklärten Mitglieder des VBSp-Vorstands bei einem Pressegespräch in Bremen.

Ausschlaggebend dafür seien die anhaltend hohen Schwankungen der Frachtraten und vor allem Einbußen bei der Servicequalität seitens der Carrier gewesen. „Vor allem im ersten und im zweiten Quartal war die Handlungsfähigkeit der Reedereien nicht so gegeben, wie die Ladungsentwicklung es erfordert hätte“, sagte der VBSp-Vorsitzende Oliver Oestreich, Mitglied der Geschäftsführung bei Lexzau, Scharbau. Die gravierendsten Probleme aus Sicht der Bremer Spediteure: Knappheit an Leercontainern im Hinterland, mangelnde Erreichbarkeit von Ansprechpartnern bei den Linienagenturen und kurzfristige Änderungen von Schiffsabfahrten und geplanten Verladungen.

Die Defizite seien nur zu einem Teil der beschleunigten Konsolidierung und den Allianzveränderungen in der Linienschifffahrt geschuldet. Sie seien auch Folge des anhaltenden Stellenabbaus in den Linienagenturen hierzulande und der Verlagerung von Funktionen in Billiglohnländer. „Die telefonische Erreichbarkeit wird dadurch eher auf einen Email-Verkehr reduziert“, kritisierte Oestreich. Informationen über Verspätungen oder Verschiebungen von gebuchter Ladung auf spätere Abfahrten würden häufig nur verzögert übermittelt, „das führt dann zu Problemen im Verhältnis zwischen uns und unseren Kunden“, so Oestreich.

Die Situation hat sich nach Ansicht der Bremer Spediteure noch nicht verbessert. „Eine Wende ist noch nicht zu erkennen. Unsere Mitarbeiter müssen sehr viel mehr Zeit in die Aufträge stecken“, konstatierte Vorstandsmitglied Eduard Dubbers-Albrecht, geschäftsführender Gesellschafter von Ipsen Logistics. Kaum seien die verladenden Kunden über die Transportplanung unterrichtet, kämen schon die ersten Änderungen seitens der Reedereien. Zudem wiesen die Frachtdokumente, die von den Reedereien erstellt werden, nach wie vor eine hohe Fehlerquote auf, so Dubbers-Albrecht.

Dass die Spediteure trotz solcher Widrigkeiten gute oder sogar bessere Ergebnisse einfahren können, erklärt sich nach Einschätzung des Vereins vor allem durch die generelle Zunahme von Aufträgen und Ladungsvolumina. 75 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von steigenden Mengen im vergangenen Jahr. Diese Entwicklung hält laut Umfrage weiter an. Entsprechend optimistisch beurteilt die Branche die Perspektiven für das laufende Jahr. Immerhin 38 Prozent gehen von einer erneuten Ergebnissteigerung aus, 45 Prozent rechnet mit einem Gewinn auf gleichem Niveau wie 2017. (mph/jpn)

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