|  20. März 2018

Chinesische Logistiker holen auf

Internationale Logistikdienstleister geraten nach Einschätzung von PwC in China zunehmend unter Druck. Laut einer Umfrage der Beratungsfirma erhalten ausländische Logistiker von deutschen Verladern zwar immer noch deutlich mehr Top-Noten als die chinesische Konkurrenz. Aber die lokalen Mitbewerber holen auf. Zu großen Verschiebungen bei der Wahl des Anbieters habe das bislang jedoch nicht geführt, schreiben die Berater. PwC hatte im April und Mai vergangenen Jahres 200 deutsche Hersteller und Handelsunternehmen, die in China aktiv sind, befragen lassen. Zum Vergleich zogen die Studienautoren die Ergebnisse der letzten Erhebung von 2011 heran.

Demnach stieg zum Beispiel der Anteil der Firmen, die mit ihren chinesischen Transporteuren „hoch“ zufrieden sind von 37 auf 45 Prozent. Zugleich vergaben nur noch 54 statt 62 Prozent die Top-Note an nicht-chinesische Logistiker. In den Bereichen Lagerhaltung und Überwachung der Supply Chain ist die Entwicklung gleich: Während die Zufriedenheit mit chinesischen Dienstleistern seit 2011 gewachsen ist, nahm sie mit den internationalen Logistikern ab. Ausnahme ist die Zollabwicklung: Hier ist die Unzufriedenheit der Verlader mit chinesischen Dienstleistern deutlich gewachsen.

„Für chinesische Logistiker sind ihre steigende Reputation im Heimatmarkt sowie der wachsende Markt für grenzüberschreitende Paketdienste optimale Voraussetzungen, ihre Marktanteile global auszubauen. Vor allem für internationale Expressdienste sollte das ein Warnzeichen sein, denn zufriedene Kunden chinesischer Logistikdienstleister im größten Logistikmarkt der Welt sind eine gute Basis, um auch den europäischen und amerikanischen Markt erfolgreich zu durchdringen“, kommentiert Dietmar Prümm, Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC, die Ergebnisse.

Know-how chinesischer Logistiker verbessert sich

Im chinesischen Markt ist die Kompetenz der Logistikdienstleister nach Einschätzung der deutschen Unternehmen im Durchschnitt über alle Branchen bei den Themen Sicherheitsstandards, Risikomanagement, Just-in-Time-Lieferung und Speziallagerung gestiegen. Der Anteil derer, die hier Bestnoten vergeben, befindet sich aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Nicht einmal jeder fünfte Befragte bewertet den Entwicklungsstand der chinesischen Anbieter bei diesen Themen mit „hoch“. Das gilt ebenso bei den Kriterien Qualitätsmanagement, Mitarbeiterqualifikation und Hygienestandards. Hier haben sich die Bewertungen sogar leicht verschlechtert.

Diese Ergebnisse variieren laut PwC jedoch stark je nach Branchenzugehörigkeit. So können beispielsweise die Logistikdienstleister die Ansprüche der Handels- und Konsumgüterunternehmen bei den Sicherheitsstandards heute deutlich besser erfüllen als 2011 (plus 13 Prozentpunkte). Im Maschinenbau dagegen sehen hier heute weniger Unternehmen einen hohen Entwicklungsstand der Anbieter (minus 6 Prozentpunkte). In der Automobilbranche sind im Bereich Risikomanagement (plus 12 Prozentpunkte) die Bewertungen für eine hohe Leistungsfähigkeit der Logistiker stärker gestiegen als im Durchschnitt aller befragten Unternehmen (plus 5 Prozentpunkte). „Logistiker sind im Automobilsektor auf einem guten Weg, sich als kompetenter Partner bei der Vermeidung von Produktionsausfällen zu positionieren. Vor allem im Maschinenbau schraubt die Angst vor Industriespionage oder Sabotage die Ansprüche der Kunden nach oben und immer weniger Unternehmen sehen ihr Sicherheitsbedürfnis bei den Logistikern erfüllt“, sagt Prümm.

Mehrheit bemängelt Digitalisierungsgrad

Über alle Branchen bewerten die deutschen Unternehmen den Digitalisierungsgrad der chinesischen Anbieter ähnlich, denn die Fähigkeit zur Analyse von Datenmengen, Programmierkenntnisse und die Nutzung moderner Medien betreffen alle Branchen gleich. Zwar vergibt jedes vierte Unternehmen Bestnoten an die chinesischen Logistiker – die Mehrheit der Befragten sieht die Fähigkeiten jedoch eher im mittleren (44 Prozent) bis niedrigen Bereich (14 Prozent). Der Rest machte dazu keine Angaben.

Eigener Fuhrpark bleibt eine Option

In Sachen Outsourcing zeigt sich 2017 im Vergleich zu 2011: Der Anteil derer, die Transporte an externe Dienstleister vergeben haben, ist zurückgegangen. Immerhin 24 Prozent wickeln die Transporte in Eigenregie ab (2011: 19 Prozent). Im Automobilsektor ist der Anteil von Unternehmen mit eigenem Fuhrpark um 22 Prozentpunkte und im Maschinenbau um 6 Prozentpunkte gestiegen. Als Gründe werden vor allem mangelnde Flexibilität (83 Prozent) und Nichterfüllung der Qualitätsansprüche (73 Prozent) angeführt. Handels- und Konsumgüterunternehmen lagern den Gütertransport sowie die Verzollung stärker aus.

Bei der Lagerhaltung dagegen setzen die deutschen Unternehmen offenbar zunehmend auf externe Partner, wobei die nicht-chinesischen Logistiker Anteile hinzugewannen. Hier setzen nur 35 Prozent auf eine interne Abwicklung (2011: 43 Prozent).

Flexibilität ist Trumpf

Flexibilität (83 Prozent), Qualität (73 Prozent) und Kosten (62 Prozent) sind die häufigsten Gründe, warum deutsche Verlader Logistikaufgaben in China nicht an externe Dienstleister auslagern. Weitere 54 Prozent nennen IT-Sicherheit und Datenschutz als Grund für die interne Abwicklung. Sicherheitsaspekte waren hier 2017 nur noch für 44 Prozent relevant (2011: 71 Prozent). Für fast jeden Dritten spricht auch die fehlende Komptabilität der IT-Systeme gegen ein Outsourcing von Logistikprozessen.

Preis spielt bei der Auswahl geringere Rolle

Bei der Auswahl eines Logistikanbieters sind damals wie heute Pünktlichkeit, Flexibilität, ausreichende Kapazitäten sowie das Qualitätsmanagement wichtige Kriterien. Auch das Thema Sicherheit spielt bei der Auftragsvergabe eine größere Rolle als der Preis. Die Relevanz des Preises hat vor allem in der Automobilbranche stark nachgelassen. Für die Maschinenbauer dagegen ist der Preis deutlich wichtiger geworden.

Kontraktlogistik: Chancen bleiben ungenutzt

Schwer tun sich in China offenbar die Kontraktlogistiker. Beauftragten 2011 noch 27 Prozent der befragten Unternehmen einen Logistiker mit Mehrwertdienstleistungen, waren es 2017 nur 16 Prozent. Die Aufträge aus dem Handel, der Konsumgüterindustrie sowie der Automobilbranche hätten sich in dem Zeitraum nahezu halbiert, heißt es in der Auswertung. Nur im Maschinenbau sei das Niveau fast unverändert geblieben.

Die Anzahl der Unternehmen, die Kontraktlogistikaufträge überwiegend an chinesische Dienstleister vergeben, ist von 62 auf 28 Prozent gesunken. Ausländische Logistiker konnten ein Viertel der Aufträge halten. Der Anteil der Firmen, die sich an beide Gruppen wendet, ist deutlich von 13 auf 44 Prozent gestiegen.

Vor allem in den Bereichen Recycling, Beschaffung, After-Sales-Service sowie Verpackung verlieren externe Lösungen der Umfrage zufolge an Attraktivität. In der Automobilbranche und im Maschinenbau ist rund die Hälfte der Unternehmen mit den Leistungen der Kontraktlogistiker sehr zufrieden, im Handel nur jeder Zehnte und bei den Konsumgüterherstellern 40 Prozent.

Das Potenzial für die Kontraktlogistik bleibt indes hoch: So habe sich die Outsourcing-Bereitschaft in allen Sparten gegenüber 2011 leicht erhöht, heißt es weiter. Und 38 Prozent haben die Vergabe an externe Dienstleister noch gar nicht geprüft (2011: 42 Prozent). Damals wie heute gebe es Bedenken bezüglich der Effizienz. Die Unternehmen wollen zudem eine zu große Abhängigkeit von Dienstleistern vermeiden. (cs)

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