21. November 2017

Die Zukunft gehört der digitalen Transportabwicklung

Die Zukunft ist schon da: Elefanten-Konvois gehen in die Testphase. „Platooning“ nennt sich die Transportkette, die ein unsichtbares Band verbindet. Effizienter soll der Weg der Fracht dadurch werden. Und umweltfreundlicher. Doch was bringt das PR-trächtige Koppelmanöver, wenn die Ladefläche nicht optimal gefüllt ist? Oder wenn langfristige Rahmenverträge unwirtschaftlich werden, weil sie Marktschwankungen und den Anforderungen der Kunden nicht gerecht werden? Wenn Aufträge per Telefon oder E-Mail vergeben, wenn Begleitpapiere immer noch stoßweise ausgedruckt, mitgenommen und mit Stempeln versehen zurückgefaxt oder per Brief gesendet werden?

Die Vorteile der Digitalisierung oder Logistik 4.0 für die Umwelt oder für den effizienteren Einsatz der knappen Ressourcen entstehen nicht nur durch die Verwendung von neuestem technischen Transport­equipment, sondern vor allem auch durch die komplette digitale Administrationskette vom Auftragseingang bis zur Rechnungsstellung.

Maschinen können planen, Menschen rechnen
Autonome Transportabwicklung fängt im Kopf der Beteiligten an. Nur wenn alle Akteure bereit sind, ausgetretene Pfade zu verlassen, können neue Wege entstehen. Angst vor dem Neuen sollte der Zuversicht weichen, dass immer noch Menschen über den Einsatz neuer Technologien bestimmen – und persönlich eingreifen, wo Algorithmen und Sensoren an ihre Grenzen stoßen.

Bei der Planung von Folgeaufträgen sind intelligente Systeme oftmals besser in der Lage zu erkennen, wo ein passender nächster Auftrag wartet, als der Mensch mit seinem Streben nach Sicherheit durch Rahmentourenpläne oder langfristige Transportverträge. In Zukunft kennen Plattformen alle offenen Frachtaufträge, wissen, welche Anforderungen an das Equipment gestellt werden, wo sich das für den Auftrag am besten geeignete Fahrzeug aktuell befindet und wie es effizient ans Ziel gelangt. Möglicherweise auch durch Platooning. Intelligente Systeme können Ankunftszeiten errechnen, Alarm schlagen, wenn Abweichungen auftreten, Rechnungen stellen und Zahlungen anweisen.

Bei der Preisgestaltung dagegen macht es wenig Sinn, ausschließlich Algorithmen zu vertrauen. Denn sind Preise für Transporte tatsächlich nur abhängig von Gewicht, Entfernung und Erfahrungswerten aus der Vergangenheit? Was ist mit den aktuellen Gegebenheiten? Wie sehr passt an dem speziellen Tag genau dieser Transport in das Portfolio des Frachtführers? Wie dringend müssen Fahrer beziehungsweise Fahrzeug in die angefragte Region und wie viel Zeit hat der Fahrer noch auf der Uhr? Wie sollte dies ein Algorithmus situationsabhängig errechnen? Hier sind erfahrene Disponenten und Transporteinkäufer gefragt, die realistische Preise erkennen und damit arbeiten können.

Maschinen können lenken, Menschen denken
Letztendlich müssen Mensch und Maschine miteinander agieren. Auch beim autonomen Fahren. Möglicherweise docken Fahrzeuge zukünftig automatisch an den Rolltoren an, fahren im Hauptlauf weitgehend ohne das Einwirken des Fahrers und müssen vielleicht an Wochenenden oder in der Nacht nicht mehr ungenutzt an Raststätten verweilen. Aber können wir uns deswegen ganz auf Sensoren verlassen und auf den Fahrer verzichten? Als Beispiel sei hier der Luftverkehr genannt: Ein Großteil aller Aufgaben, die ein Pilot vor 50 Jahren erfüllen musste, läuft heute vollautomatisch ab. Trotzdem würde man niemals ganz auf den Piloten verzichten.

Maschinen können sich vernetzen, Menschen netzwerken
Um die digitale Transportabwicklung wirklich umzusetzen und letztendlich davon zu profitieren, muss aber auch in vielen Unternehmen ein grundsätzliches Umdenken stattfinden: Vernetzung heißt, zu akzeptieren, dass es nicht darum geht, Daten zurückzuhalten und sich dadurch einen vermeintlichen Vorteil zu verschaffen, sondern sie intelligent zu teilen und gemeinsam zu nutzen. Damit tun sich jedoch selbst Firmen schwer, die die Vorteile der Digitalisierung für sich zweifelsfrei erkannt haben.

Aufzuhalten ist die Entwicklung aber sowieso nicht mehr. Dazu sind die aktuellen Herausforderungen viel zu groß. So weitermachen wie bisher reicht nicht für das Erfüllen der größten Anforderungen an den physischen Transport von morgen: noch mehr Flexibilität, noch geringere Mengen und eine signifikant größere Umweltfreundlichkeit. (tof)

Autor: Gunnar Gburek, Timocom-Sprecher

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