14. November 2017

Durch Digitalisierung zu Effizienz und Umweltschutz

Die Digitalisierung von Prozessen mit Echtzeit-Daten, entwickelt von digitalen Startups wie Saloodo, schafft neue Fähigkeiten, Wettbewerbsvorteile und höhere Effizienz, unterstützt Umwelt (Abgase, Lärm, Stress) und unser Wohlbefinden und ersetzt kontinuierlich das traditionelle Geschäft. Deswegen kann Saloodos digitale Plattform auch als Grüne-Logistik-Portal bezeichnet werden.

Salodoo ist ein Logistik-Start-up der DHL-Gruppe und ein Beispiel, wie Digitalisierung zu innovativen Lösungen im Transportgeschäft führt und gleichzeitig einen Beitrag zur Grünen Logistik leistet. Anfang 2017 startete das Unternehmen mit einer intelligenten, webbasierten Plattform, die innovative Lösungen für den Spot-Markt bietet. Auf ihr finden und beauftragen Unternehmen mit kurzfristigen Versandbedarf sowie KMUs qualitätsgesicherte Transportunternehmen, die kurzfristig und zu wettbewerbsfähigen Preisen Komplett- und Teilladungen sowie Stückgut transportieren.

Die Plattform-Oberfläche gilt als gelungenes Beispiel benutzerfreundlicher Ergonomie und baut die Berührungsängste auch digital unerfahrener User ab. Sie enthält einen Überblick über eine Vielzahl von geprüften und von Versendern bewerteten Transportunternehmen sowie einen intelligenten Sendungs-Assistenten. Mit ihm erledigt man ganz einfach die Eingabe der Sendungsdetails. Zudem erhält der Nutzer eine Preisindikation für den jeweiligen Transport, die auf der Datenbank von DHL basiert, sowie zusätzlich ein verbindliches Angebot von DHL. Alle Formalitäten werden digital abgewickelt. Auf seinem persönlichen Dashboard verfolgt der Versender in Echtzeit seine Sendung und bekommt den digitalen Auslieferungsbeleg sowie die digitalisierten Rechnungen beziehungsweise Zahlungsbelege. Das minimiert mögliche Eingabefehler und ermöglicht eine Bezahlung der Transportunternehmen innerhalb von 14 Tagen.

Die Fahrer der Transportunternehmen verwenden darüber hinaus von Saloodo entwickelte App, mit der das Tracking & Tracing, die Verspätungsbenachrichtigungen und die Abliefernachweise für den Versender generiert und ihm in Echtzeit auf seiner Benutzeroberfläche zur Verfügung gestellt werden. Am Ende der gesamt Transaktion bewerten sich Versender und Transportunternehmen gegenseitig.

Argumente für KMUs
Aber wieso ist die Plattform gleichzeitig ein Beispiel für Grüne Logistik? Sie setzt tatsächlich neue Umweltstandards in der Logistik – durch die Digitalisierung, durch seine Plattform und vor allem für KMUs. Denn gerade diese sind noch weit von einer digitalisierten Arbeitsweise entfernt, da sie die teuren Investitionen in Equipment und Ressourcen abschrecken. Sie verwenden oft überalterte IT-Systeme, die kaum miteinander kommunizieren können. Wichtige Daten werden weder gespeichert, noch mit den Prozessbeteiligten wie beispielsweise ihren Kunden ausgetauscht. Manuelle Prozesse, das Telefon und Faxmaschinen sind die Grundlagen der Kommunikation. Eine Mehrheit aller Transporteure (67% laut einer Studie von Tech Crunch) vertraut auch heute noch ausschließlich auf ausgedruckte Dokumente. Um diese stark papierbasierten Prozesse zu modernisieren, bietet Saloodo seinen Kunden ein Online-Dokumenten-Management-System an, das einfach zu bedienen ist. Wer seine Transporte über diese Plattform abwickelt, der kann hier die Dokumente wie Liefernachweis, Lieferaufträge, Zahlungseingänge oder Rechnungen mittels PCs, Smartphones oder Pads eingeben, bearbeiten und archivieren. So lösen sich viele, normalerweise ausgedruckte Unterlagen in Luft auf. Würden die jährlich rund 300.000 Transportaufträge in Deutschland über solche Plattformen abgewickelt, könnten bei durchschnittlich acht Papierseiten für jede Transaktion insgesamt rund 2,4 Millionen Blätter Papier eingespart werden.

Logistik-Boom ist Segen und Fluch zugleich
Die zunehmende Globalisierung, schlankere und agilere Logistikprozesse, der Anstieg des E-Commerce und die Notwendigkeit von Just-in-Time-Lieferungen lassen das Transport-Geschäft an sich boomen. Parallel dazu haben sich die Kundenanforderungen hin zu immer schnelleren und vor allem pünktlichen Lieferungen weiterentwickelt. Denn wenn Kunden Produkte online kaufen, wollen sie nicht lange darauf warten, sondern sie möglichst sofort geliefert bekommen. Gleichzeitig traten am 25. Mai 2017 neue gesetzliche Regelungen zu Arbeits- und Ruhezeiten der Berufskraftfahrer in Kraft und führten seitdem zu einem stark ansteigenden Fahrer- und somit Fahrzeugmangel. Diese Faktoren haben jetzt zur einer Überlastung des gesamten Transport-Systems und der Transport-Infrastruktur geführt.

Kunden beklagen verspätete Lieferungen und nicht eingehaltene Abholtermine, extrem gestresste oder gering qualifizierte Fahrer, Personalmangel, viele Transportschäden durch unsachgemäße Handhabung der Güter, stehengebliebene Sendungen und den Ausfall von fixen Frachtrouten. Es gibt immer mehr Verkehrsstaus, Unfälle und hohe Reparaturkosten für die Infrastruktur. Unter der Zunahme des Warentransports leidet die Gesundheit der Bevölkerung. Inzwischen verursacht der Straßenverkehr mehr CO2-Emissionen pro Kilometer als alle anderen Transportarten.[1] Der Straßengüterverkehr ist für zirka 17% der gesamten CO2-Emissionen weltweit verantwortlich.[2] Als sei das noch nicht schlimm genug, leiden 40% der Menschen in der Europäischen Union an Verkehrslärm (> 55 dB).[3]

Das alles ist auch auf Marktineffizienzen zurückzuführen. Ungefähr 21% aller Transportfahrten in der EU werden leer durchgeführt[4], zirka 30 bis 50% der LKW-Ladekapazität bleibt ungenutzt.[5] Gerade diese Ladekapazität adressiert Saloodo! mit seinem Angebot und bietet zum einen den KMUs, die meist nur Teilmengen oder Stückgut versenden, ideale Transmöglichkeiten, und zum anderen den Transporteuren einen Zugang zu zusätzlichem Transportgeschäft und damit eine verbesserten Auslastung der LKWs. Zukünftig soll ein digitaler Helfer sie dabei unterstützen, die noch verfügbare Ladekapazität zu berechnen und mit weiteren Transportbedarfen abzugleichen. Und da aktuell LKWs immer mehr Zeit in Verkehrsstaus verlieren, plant Saloodo! die Entwicklung einer dynamischen Routenoptimierung, die in Echtzeit den Fahrern die Möglichkeit gibt, ihre Route an aktuelle Gegebenheiten anzupassen, Energie zu sparen und dabei auch noch die Lieferpünktlichkeit zu verbessern.

Saloodo! nutzt also Technologie gezielt, um die negativen Umwelteffekte des Transportgeschäfts zu reduzieren und hat hier eine klare Vision: Mache deine Kunden gleichzeitig profitabler und umweltgerechter. „Wir fühlen uns verantwortlich dafür, dass unsere Umwelt geschont wird, und wir wissen, dass wir mit unserer Technologie hierfür einen Beitrag leisten können. Wir werden deshalb auch an Messinstrumenten arbeiten, die es ermöglichen, die Carbon Emissionen für jeden Transport zu kalkulieren und zu messen. Dies wird die Voraussetzung für die Versender und die Transporteure sein, Umweltkennzahlen in die Verträge aufzunehmen. Damit bekommen die Nachhaltigkeitsziele eine höhere Verbindlichkeit. You get what you can measure“, so Amadou Diallo, CEO von Saloodo.

Ehrgeizige EU-Ziele zwingen zu digitalen Innovationen
Diese Strategie passt zu den ehrgeizigen Zielen, die sich die EU gesetzt hat. Bin 2020 will sie eine 20%-ige Reduktion der Treibhausgase (verglichen zum Level von 1990), eine 20%-ige Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen und eine 20%-ige Verbesserung der Energieeffizienz erreichen.[6] Große Hoffnung legt die EU dabei in die Informationstechnologie und in alternative Treibstoffe. Die Hersteller von LKWs und Transportern investieren zunehmend in die nächste Generation autonomer und alternativ betriebener Fahrzeuge - mit vielen positiven Effekten wie der Reduktion von Treibstoffverbrauch, CO2-Emissionen, Staus, Unfällen, Verletzungen und Todesfällen.[7] Noch sind die selbstfahrenden LKWs in der Erprobung, und alle bisherigen Versuche, durch die Nutzung alternativer Treibstoffe wie Bio-Diesel, Bio-Ethanol, Wasserstoff, Naturgas oder Elektrizität den Verbrauch von Erdöl zu ersetzen, stecken immer noch in den Kinderschuhen oder haben ihre eigenen negativen Umweltauswirkungen (wie zum Beispiel die Nutzung von Land für den Anbau von Treibstoffen statt für die Nahrung).

Die Industrie muss daher ihren Fokus auch auf die Verringerung von Verkehr, CO2 Emissionen und Lärm richten, um die EU-Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Bisher wurde dem Frachttransport relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt, so dass gerade bei den Transportunternehmen das Thema Nachhaltigkeit unterentwickelt ist. Allerdings ist der Transportmarkt so hoch fragmentiert, dass selbst die 10% größten Transportunternehmen zusammen nur rund 10% Marktanteil haben. Der Gütertransport auf den Straßen wird hauptsächlich von KMUs betrieben, von denen 90% weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen und weniger als zehn LKWs besitzen. Diese Strukturen sind eine Herausforderung für die Erreichung der Klimaziele, denn das größte Optimierungspotential besteht bei der Verbesserung der Auslastung der Transportkapazitäten. Bis zu 20% der Transporte (gleichbedeutend mit 2,6 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid) würde sich einsparen lassen. Saloodo hat also mit seiner Plattform, durch die sich die Auslastung deutlich verbessern und die Menge der Leerfahrten stark reduzieren lässt, genau ins Schwarze getroffen.

Viel Arbeit und dennoch machbar: Grüne Logistik

Es ist auch höchste Eisenbahn, durch Digitalisierung die Transportlogistik effizienter und nachhaltiger zu machen. Denn der Markt wird weiter wachsen. Weltweit erwarten zunehmend mehr Konsumenten, dass die heute bestellten Waren am selben Tag zugestellt werden – egal ob Schuhe, Elektronik oder Einrichtungsgegenstände. Als Antwort darauf verändern viele Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und versuchen von Unternehmen wie Amazon zu lernen, wie sie ihre Supply Chain durch Technologie optimieren können.[8] Und E-Commerce wird weiter wachsen. Denn die Weltbevölkerung wird sich voraussichtlich bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen erhöhen,[9] die konsumfreudige Mittelschicht wird zunehmen und selbst weit entfernte ländliche Regionen in Entwicklungsländern werden einen Internetzugang erhalten und Ware online bestellen, die dann geliefert werden muss. Die Konsequenz: eine weitere Belastung der Transportinfrastruktur und der Umwelt.

Dementsprechend ist es richtig, dass sich der Wandel in der Industrie von offline zu online nun zunehmend vollziehen wird. Die Digitalisierung von Prozessen mit Echtzeit-Daten, entwickelt von digitalen Startups, erzeugt neue Möglichkeiten der Interaktion und eine wesentlich höhere Effizienz. Sie schont die Umwelt (Abgase, Lärm, Stress) und die menschliche Gesundheit und ersetzt kontinuierlich das traditionelle Geschäft. Deswegen sind die digitalen Plattformen so wertvoll für die Industrie und für die Gesellschaft, sie sind Grüne-Logistik-Portale.

Aber noch gibt es viel zu tun. Letztlich steht der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung. Sie wird nur dann funktionieren, wenn er lernt, die technischen Möglichkeiten auch richtig zu nutzen – und dieser Prozess hat gerade erst begonnen.

Autoren:

Prof. Dr. Axel Uhl, Stellv. Leiter des Institute for Business Information Technology an der Zurich University of Applied Sciences

Elaine Tan, COO, Saloodo GmbH


[1] European Environment Agency (2016), Transport in Europe: key facts and trends, 06.12.2016, www.eea.europa.eu/signals/signals-2016/articles/transport-in-europe-key-facts-trends.

[2] PBL Netherlands Environmental Assessment Agency (2016), Trends In Global CO2 Emissions: 2016 Report, PBL publication number: 2315, The Hague, 2016.

[3] WHO (2017), Data and statistics, WHO Europe, www.euro.who.int/en/health-topics/environment-and-health/noise/data-and-statistics retreived 20.07.2017.

[4] See Eurostat (2017), Freight transport statistics, data extracted April 2017.

[5] See Tagesspiegel (2015), "Ein Viertel aller Lkw fährt leer durch die Gegend", Logistik, 28.10.2015, www.tagesspiegel.de/wirtschaft/logistik-ein-viertel-aller-lkw-faehrt-leer-durch-die-gegend/12505110.html.

[6] EU Commission (2017), Europe 2020 Strategy, ec.europa.eu/info/strategy/european-semester/framework/europe-2020-strategy_en, retrieved 20.07.2017.

[7] Ti (2016), European Road Freight Transport 2016, Transport Intelligence Ltd: Bath (UK).

[8] Karen Sage (2017), Competing in an Amazon World – Technology is the Key, Logsitics Viewpoint, 30.05.2017, logisticsviewpoints.com/2017/05/30/competing-in-an-amazon-world-technology-is-the-key/.

[9] World Economic Forum (2016), Digital Transformation of Industries: Logistics Industry, World Economic Forum White Paper January 2016

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