|  03. November 2017

Jeder zweite Spediteur fühlt sich von digitaler Konkurrenz bedroht

Ein Großteil der klassischen Logistikdienstleister kann mit den digitalen Entwicklungen innerhalb der Transport- und Logistikbranche nur bedingt Schritt halten. Mehr als zwei Dritteln der Spediteure fehlt es vor allem an Zeit und Sachkompetenz, um IT, Prozesse und Vertrieb für die Zukunft fit zu machen. Dies ergab eine Befragung der Kölner Agentur Herzig Marketing Kommunikation und des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen (VVWL) im September, an der knapp 200 meist kleine und mittlere Verbandsmitglieder teilgenommen haben.

„Die Unternehmen müssen aufpassen, dass sie nicht den Anschluss verlieren“, kommentiert Marcus Hover, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Logistikverband VVWL, das Ergebnis. Denn fast wöchentlich starte eine Online-Spedition, eine virtuelle Frachtenbörse oder ein neues Preis- oder Buchungsportal. „Aktuell gibt es circa 180 dieser digitalen Anbieter im Transportmarkt“, so Hover. Die Digitalisierung eröffnet zahlreiche Anknüpfungspunkte für neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen – auch und gerade in der Logistik. Dadurch werde zwar der Weg zu neuen Logistikservices eröffnet, gleichzeitig aber auch der Druck auf klassische Spediteure erhöht, betont Heike Herzig, Geschäftsführerin der Agentur.

Knapp 60 Prozent der befragten Spediteure gaben in der Umfrage an, sich bereits mit Thema „Digitale Konkurrenz“ beschäftigt zu haben. Dass Verlader zukünftig mehr Aufträge über Online-Portale mit Echtzeitpreisen abwickeln werden, glauben sogar fast 80 Prozent. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) sieht darin eine Bedrohung für klassische Spediteure.

44 Prozent fürchten die Online-Konkurrenz dagegen nicht. Sie gaben in Einzelbefragungen an, dass sie sich durch Spezialisierung gegen neue Wettbewerber schützen wollen. Einige Spediteure prognostizieren zudem, dass Online-Modelle an komplexen Anforderungen und Kundenwünschen scheitern werden, betont Herzig.

Trotzdem empfindet die Mehrheit der Transportdienstleister laut Studie die Situation als ernst. Vor allem, weil es ihnen zunehmend schwerer fällt, bei der Vielzahl von Portalen und deren rasanter Entwicklung den Überblick zu behalten. Auch die Identifikation passender Online-Partner stellt Spediteure vor Herausforderungen. Zudem befürchten sie einen Kontroll- und Kontaktverlust zu den eigenen Kunden sowie den Verlust der eigenen Identität.

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