27. November 2018

Logistik braucht Visionen

Digitalisierung und Globalisierung sind zwei Schlagworte für den immer schnelleren Wandel unserer Welt. Längst hat sich auch unsere Branche, die Logistik, zutiefst verändert. Heute drängen immer neue Player in den Markt. Sie schaffen mit neuen Konzepten und Ideen eine „neue“ Welt, die noch vor wenigen Jahren als Vision eines Träumers gegolten hätte. Wer hätte noch vor kurzem gedacht, dass Uber ohne ein einziges eignes Fahrzeug zum weltweit größten Taxi-Unternehmen werden würde? Oder dass Airbnb ohne ein Hotelzimmer die weltweit größte Agentur für Unterkünfte werden würde?

Neue, disruptive Konzepte haben auch in der Logistik Einzug gehalten. Denn gerade unsere Branche bietet sich für digitale Umbrüche an: Die Logistik der „alten“ Welt ist bis heute global tätig, hochmanuell, häufig noch sehr intransparent und im industriellen Maßstab tätig. Wir können diese Trends nicht abwenden, sondern müssen darauf reagieren. Wenn wir die “alte” Welt aus dem Blick verlieren, sind wir schnell am Ende. Haben wir die “neue” Welt nicht im Blick, dann gibt es für uns keine Zukunft.

Für uns als Logistiker bedeutet das: In ein und demselben Unternehmen müssen wir mit zwei Geschwindigkeiten handeln. Wir sind künftig „beidhändig“ unterwegs: Auf dem Markt von heute wollen wir unsere Führungsposition behalten. Zugleich müssen wir jetzt handeln, um die Märkte von morgen zu sichern. Denn Logistik wird immer digitaler. Der Markt wächst, aber die klassische Speditionsleistung hat daran immer weniger Anteil. Im Jahr 2021 wird voraussichtlich jeder fünfte Euro in der Branche mit digitalen Geschäftsmodellen erwirtschaftet. Neun Jahre später werden  es schon 45 Prozent sein!

 

Die Digitalisierung verändert unsere Kundenbeziehung zu ihnen. Nie zuvor wussten wir mehr über unsere Kunden als heute. Weil sie Kooperationen, Partnerschaften und gemeinsame Modelle mit uns suchen. Aus diesen Ökosystemen generieren wir Daten und Informationen. In denen finden wir neue Ideen und Geschäftsmodelle.

Doch wie setzen wir unsere Träume um? Wir haben Erfahrung damit, Ideen und Konzepte zu realisieren, die uns schlüssig erscheinen. Zum Beispiel bei Sensoren an unseren Containern. Wir haben diese Möglichkeit frühzeitig als Zusatzmodule den Kunden angeboten, die es genau wissen mussten. Heute sind sie die Grundlage für viele neue Services: Von Dokumentationen über das Tracking bis zur reibungslosen Überwachung der Fracht.

Im 3-D-Druck-Verfahren, der disruptiven Technologie par excellence, arbeiten wir mit ausgewählten Kunden zusammen, um die Logistik neu aufzustellen. Durch das Platooning unserer LKW – ein Fahrzeug-System für den Straßenverkehr, bei dem mindestens zwei Lastwagen auf der Autobahn mit Hilfe von technischen Fahrassistenz- und Steuersystemen in geringem Abstand hintereinanderfahren – können wir nicht nur Transporte nachhaltiger machen. Wir reagieren damit langfristig auch auf den Fahrermangel. Ebenso wie beim autonomen Fahren: Auch hier sind wir mit ersten Piloten in Schweden unterwegs.

Dabei zeigt sich etwas, das die zwei Geschwindigkeiten in einem Unternehmen erst ermöglicht: Nicht jeder ist zum digitalen Entrepreneur geboren. Aber jeder Beschäftigte in unserer Branchen  sollte wissen, dass Digitalisierung ihn nicht ersetzen, sondern ihm helfen soll – in der „alten“ wie in der „neuen“ Welt.

Solange Dinge gefertigt, gehandelt, gebraucht und gelagert werden, solange wird es Logistik und den Disponenten geben. Der Schlüssel zu einer Zukunft aber, in der „alte“ und „neue“ Welt nebeneinander existieren, sind Offenheit, Neugier und die Bereitschaft umzudenken.

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