|  04. Mai 2015
aktualisiert am 26.02.16 13:22h

Software ersetzt keine Disponenten

Die Digitalisierung macht vor Speditionen nicht halt. Unternehmen müssen ihre internen Strukturen umstellen und den Herausforderungen begegnen, die durch Logistik 4.0 entstehen. Auch wegen der zunehmenden Schwierigkeiten, gutes Personal zu finden, setzen Spediteure auf eine Software-gestützte Disposition, wie die DVZ erfuhr. „Die Arbeit der Disposition wird sich verändern“, meint Jürgen Burger, Chief Development Officer der Spedition Hellmann. „Die systemgestützte Disposition wird immer mehr den Standardfall ohne manuelle Eingriffe abwickeln können, die Arbeit der Disponenten sich daher maßgeblich in Steuerung und Sonderfallbehandlung verändern.“ Daraus dürfe allerdings nicht der Rückschluss gezogen werden, dass in zehn Jahren keine Disponenten mehr gebraucht würden, konkretisiert eine Hellmann-Sprecherin gegenüber Disponaut. „Dies ist sicherlich nicht so, nur werden sich die Anforderungen an den Disponenten sehr stark verändern“, sagt sie.   

Burger erwartet, dass sich durch die zunehmende Digitalisierung eigene Systeme entwickeln werden, welche auf Basis von Geodaten, Abwicklungsstandards und Integration der Endgeräte in Fahrzeugen die Arbeiten des Disponenten teilweise ersetzen können. Dennoch seien in der Disposition für die nächsten zumindest zehn Jahre weiterhin Menschen notwendig, betont der Hellmann- Manager. „In vielen nicht repetitiven Spezialgeschäften wird der Mensch weiter die zentrale Funktion zur Steuerung übernehmen“, sagt Burger.

„Disponenten werden nicht durch Software ersetzt werden“, meint auch Bernhard Simon, CEO von Dachser. „Allerdings können Disponenten mit Hilfe geeigneter Tools entscheidungssicherer werden.“ Die Mitarbeiter könnten künftig in sehr kurzer Zeit viele voraufbereitete Daten bekommen, um diese Informationen als wichtige Grundlage für Entscheidungen zu nutzen. Am Schluss müsse aber immer ein Mensch entscheiden, wie man die Disposition im Detail regele. Wichtig sei deshalb auch Aus- und Weiterbildung. „Die Disponenten müssen immer besser werden, damit sie mit besserer Software fachlich versiert zu einer wesentlich höheren Effizienz und geringeren Fehlerleistung kommen können“, sagt Simon. „Jede Zustellung, die nicht punktgerecht erfolgen kann – weil Informationen fehlerhaft vorlagen, ein Lager voll oder auch die Annahmestelle schlicht nicht besetzt war –, ist ein Fehler, der nicht passieren darf.“

Kundengespräch bleibt wichtig

„Ein Disponent ist wichtig für die Kommunikation mit dem Fahrer und für die Zufriedenheit des Kunden“, weist Heinz Hintzen, Inhaber der Spedition Hintzen, auf die menschliche Komponente hin. Der gute, direkte Kontakt zwischen Disponent und Kunden sei wichtig für das Geschäft. Er betont: „Eine gute Disposition ist maßgeblich verantwortlich für den Geschäftserfolg.“ Jedoch werden IT-Lösungen in der Disposition helfen, die Routineaufgaben im Blick zu behalten. „Das ist ähnlich wie heute Telematik und Navigation für den Fahrer“, meint Hintzen.

„Ich glaube derzeit nicht, dass eine IT-Lösung den Disponenten ersetzen kann“, ergänzt Josef Perisa, Geschäftsführer der Kooperation Transcoop 09. Disponenten müssten wegen vieler kurzfristig kommender Anfragen von Verladern meist sehr schnell entscheiden. „Deshalb benötigt der Disponent eine sehr gute IT-Infrastruktur“, sagt Perisa. Dabei sei es mit einer Speditionssoftware nicht getan, sondern gebraucht werde zudem eine Telematiklösung, die jederzeit Arbeits- und Restlenkzeiten vorhalten könne.

Bedeutung der IT nimmt zu

Die Bedeutung der IT für Speditionen nimmt zu. „In der Spedition ist eine industrialisierte Abwicklung mit hohen Skaleneffekten erst mit IT möglich“, betont Hintzen. „Dabei rede ich nicht nur von Inhouselösungen, sondern auch von partnerübergreifenden Anwendungen.“

Burger, der bei Hellmann lange Jahre als CIO den Umbau der IT-Systeme maßgeblich vorangetrieben hat, sieht den digitalen Wandel als Pflicht. „Die IT-Basis eines Unternehmens wird zunehmend wichtiger in der Verarbeitung unternehmensrelevanter Daten – allerdings wird weniger wichtig, wer diese IT-Infrastruktur hält“, meint Burger. Die Cloud hält in immer mehr Bereichen Einzug, Hardware wird unwichtiger. Prozesse können teilweise sogar auf einem Smartphone durchgeführt werden. Burger meint: „Somit wird für die Spedition die Auswahl der IT-Infrastruktur sehr, sehr wichtig – allerdings nicht mehr im klassischen Sinne.“ Für Speditionen, die sich aufgrund fehlender Größe und damit Synergien eine eigene IT-Infrastruktur meist nicht leisten können, werde somit das Wissen über deren Steuerung entscheidend für den Erfolg. (tof)

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