|  05. September 2017

Verlader holen ausgelagerte Services ins eigene Haus zurück

Verlader in Deutschland werden künftig kaum mehr Logistikleistungen an Dienstleister vergeben als bisher. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Miebach Consulting in Frankfurt/Main in Kooperation mit der DVZ hervor. Zugleich ist der Anteil der Verlader, die Leistungen wieder ingesourct haben, in den vergangenen Jahren konstant hoch geblieben. Die Quote liegt in der aktuellen Befragung bei 40 Prozent, so hoch wie bei der vergangenen Untersuchung 2014 auch. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Allerdings zeigt sich aktuell, dass Verlader nicht mehr nur Managementprozesse wie Bestandsmanagement, Auftragsabwicklung und Transportdisposition wieder in Eigenregie übernehmen, sondern zunehmend auch klassische Logistikleistungen wie Lagerung, Kommissionierung und Mehrwertservices. Als wesentliche Insourcing-Gründe nennen die Befragten überwiegend Kosteneinsparungen und Qualität. Somit ist eine Verschiebung von strategischen zu eher operativen Aspekten festzustellen. Dies ist aus Dienstleistersicht umso kritischer, da hiermit Hauptargumente der Dienstleisterwerbung betroffen sind. Je nach Region oder Branche liegt die Insourcing-Quote bei 35 bis 40 Prozent.

Abnehmende Frequenz
Generell stellen die Miebach-Berater fest, dass die Ausschreibungsfrequenz in Deutschland abnimmt und tendenziell längere Vertragsverhältnisse eingegangen werden. Gerade im Transportbereich werde mehr und mehr von jährlichen Ausschreibungen abgewichen zugunsten längerer Vertragslaufzeiten. Nur noch 29 Prozent der Verlader schreiben demnach ihre Transporte jährlich aus, vor fünf Jahren waren es noch 45 Prozent. Dieser Trend sei nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Regionen zu beobachten. Die Befragung fand im ersten Quartal dieses Jahres statt. Es nahmen 435 Verlader und 101 Dienstleister teil.

Der deutsche Logistik-Outsourcing-Markt wird weiterhin von klassischen Transport- und Logistikprozessen dominiert. Gerade im internationalen Vergleich wirke der deutsche Outsourcing-Markt saturierter und stärker ausdifferenziert, stellen die Berater von Miebach fest. Er böte aber auch künftig weniger Wachstumschancen für Logistikdienstleister als viele andere Regionen."Jetzt für die Logistik News anmelden"

Etwas offener als die deutschen und europäischen Unternehmen zeigen sich die Teilnehmer aus den Mitgliedstaaten des Nordamerika­ni­- schen Freihandelsabkommens (Nafta) – Kanada, Mexiko und die USA – sowie Lateinamerika bezüglich eines möglichen Outsourcings von Auftragssteuerung und Bestandsverwaltung. Während in Deutschland/Europa jeweils 65 Prozent die Auftragssteuerung als nicht geeignet für Outsourcing bewerten, sinkt diese Quote in Nafta auf 39 Prozent und 37 Prozent in Lateinamerika. Auch schätzt nur ein Viertel der Nafta-Teilnehmer die Bestandsverwaltung als nicht Outsourcing-geeignet ein, während die entsprechende Quote in Deutschland bei 48 Prozent liegt und im restlichen Europa sogar bei 70 Prozent.

Überschätzte Aspekte
Die Hauptmotive für Outsourcing werden von Verladern und Dienstleistern teilweise sehr unterschiedlich eingeschätzt. So gewinnt das Motiv „Nutzung von Synergien“ aus Sicht der deutschen Dienstleister drastisch an Bedeutung und steht damit im klaren Widerspruch zur Einschätzung der Verlader. Ähnlich divergierende Einschätzungen bestehen hinsichtlich der „Erhöhung der Flexibilität“: Während diesem Aspekt über die vergangenen fünf Jahre immer weniger deutsche Verlader zustimmen, führen ihn immer mehr Logistikdienstleister an. Sie überschätzen ihn somit deutlich und mit zunehmender Tendenz. Die wichtigsten Outsourcing-Gründe für Verlader sind Variabilisierung der Kosten sowie die Kostenreduktion, gefolgt von der Vermeidung von Investitionen.

Es gibt jedoch auch Vorbehalte gegen das Outsourcing. Der Miebach-Untersuchung zufolge fürchten rund 60 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland Kompetenzverlust, Kontrollverlust und Abhängigkeit vom Dienstleister. Der Kommentar der Miebach-Autoren dazu: „Verglichen mit der Einschätzung der ausländischen Verlader geradezu eine Paranoia.“ Die entsprechenden Werte zur Risikoeinschätzung bezüglich des Kompetenzverlustes liegen im restlichen Europa bei rund 30 Prozent und in den Nafta-Staaten und Lateinamerika bei 27 beziehungsweise 26?Prozent. Hinsichtlich eines möglichen Kontrollverlustes sind die Werte 42, 49 und 36 Prozent. Lediglich die Gefahr einer zu großen Abhängigkeit von einem Dienstleister wird auch in den übrigen Regionen von 60, 71 und 67 Prozent der Teilnehmer gesehen. "Jetzt für die Logistik News anmelden"

Grundsätzlich stellen die Berater fest, dass eine professionelle Projektvorgehensweise den Outsourcing-Erfolg erhöht. Für die Auswahl von Transportdienstleistern hat aus Sicht der deutschen Verlader der Aspekt „One-Stop-Shopping“ weiter verloren, geht aus der Befragung hervor. Ebenso ist das Vorhandensein einer Netzstruktur nicht entscheidend. „Unternehmensgröße und Transparenz haben leicht an Bedeutung gewonnen, aber Fachkompetenz und Mengenflexibilität sind weiterhin die dominierenden Auswahlkriterien“, heißt es in der Studie. Ganz ähnlich sehe es bei der Auswahl von Lagerdienstleistern aus.

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