|  11. Mai 2018

Zufall baut Wissens-Hub auf

Die Göttinger Zufall-Gruppe will künftig in einem eigenen „Wissens-Hub“ an Innovationen und der Zukunft der Logistik tüfteln. Dazu schafft sie in unmittelbarer Nachbarschaft zur Göttinger Unternehmenszentrale auf dem kürzlich von der insolventen Spedition Hermann Weber erworbenen Grundstück einen „kreativen Ort des Experimentierens, an dem wir an unserer Zukunft arbeiten und Innovationen vorantreiben werden“, wie Zufall-Geschäftsführer und -Gesellschafter Peter Müller-Kronberg ankündigte.

Dabei sei das neue Projekt „mehr als nur eine digitale Einheit“. Vielmehr „wollen wir die jungen Wilden und die alten Hasen zusammenbringen, um die Wissenspotenziale, die wir haben, zu nutzen“, skizziert er das Vorhaben. Dabei werden Themen wie Automatisierung und Digitalisierung eine wesentliche Rolle spielen, um außerhalb des Tagesgeschäfts innovative Lösungen zu finden. Das Vorhaben lässt sich Zufall rund 1,5 Mio. EUR als Anfangsinvestition kosten.

E-LKW lässt wirtschaftlich zu wünschen übrig
Innovationen gegenüber aufgeschlossen ist das Göttinger Unternehmen auch in Sachen LKW-Antriebe. Hier hat Zufall bereits einen 18-t-Elektro-LKW des Schweizer Herstellers E-Force im Alltagsbetrieb des Nahverkehrs getestet. Aber: Es habe sich gezeigt, dass die Reichweite in topografisch anspruchsvollen Regionen wie der Rhön noch zu wünschen lasse, weshalb „der Elektro-LKW für uns aktuell als Verteilerfahrzeug noch keine wirtschaftliche Alternative ist“, fasst Müller-Kronberg die Praxiserfahrungen zusammen. „Wir werden aber weiter testen“, so unter anderem aktuell auch mit einem Streetscooter für die Innenstandbelieferung in Göttingen eigene LKW für den Nahverkehr.

Stichwort Nahverkehr: Aufgrund des Fahrermangels baut Zufall auf einen eigenen Nahverkehrsfuhrpark und hat kürzlich 10 Fahrzeuge und 15 Fahrer eines Göttinger Transportunternehmers übernommen, der keinen Nachfolger gefunden hat. Derzeit setzt Zufall in seinen Niederlassungen bis zu 340 Nahverkehrs-LKW ein, davon inzwischen bereits 30 eigene. Um auch künftig über die benötigten Fahrer zu verfügen, beginnt Zufall in diesem Jahr am Standort Göttingen auch mit der Ausbildung von Berufskraftfahrern.

Rund 4,5 Mio. EUR investiert Zufall zudem in die Einführung eines neuen Transportmanagementsystems. "Ziel ist es, eine größere Transparenz für alle Beteiligten zu schaffen und Arbeitsabläufe zu vereinfachen", erläutert der für Landverkehr zuständige Geschäftsführer Jürgen Wolpert. Er verspricht sich davon letztlich eine Effizienzsteigerung um circa 10 Prozent, um so auch Kapazitäten für weiteres Wachstum zu schaffen.

Zufrieden mit 2017 - Nur NSE-Umsatz schwächelt
Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 zeigt sich die Zufall-Geschäftsführung zufrieden. Der konsolidierte Umsatz ist um 11,6 Mio. EUR oder 3,8 Prozent auf 316,4 Mio. EUR gestiegen und habe damit „leicht über den Erwartungen“ gelegen, so Wolpert. Dazu haben mit Ausnahme des Nachtexpressgeschäfts innerhalb der Kooperation Night Star Express (NSE) alle Geschäftsfelder beigetragen.

Überdurchschnittlich zugelegt haben dabei die Geschäftsbereiche Luftfracht (plus 53,4 Prozent) und Seefracht (plus 13,1 Prozent), die zusammen 33,9 Mio. EUR oder knapp 11 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Speziell in der Seefracht „haben wir den Turnaround geschafft“, konstatierter. Aber auch die beiden unverändert stärksten Geschäftsfelder nationaler (121,5 Mio. EUR/plus 1,7 Prozent) und europäischer (75,9 Mio. EUR/plus 4,7 Prozent) Landverkehr legten zu. Das Nachtexpressgeschäft indes schrumpfte um 9,2 Prozent auf 26,6 Mio. EUR. Hier wirkten sich die Folgen eines Standortwechsels des koreanischen Autoherstellers aus. Dessen Mengen blieben zwar in dem NSE-Netz, werden jetzt aber von einem anderen Partner abgewickelt.

Hinsichtlich der Ertragssituation zeigte sich Müller-Kronberg gewohnt zurückhaltend. Aufgrund der immensen Investitionen werde das Konzernergebnis des Vorjahres, das laut Bundesanzeiger bei 6,9 Mio. EUR gelegen hatte, nicht ganz erreicht.

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