|  08. September 2014
aktualisiert am 17.08.15 11:30h

Bei versäumter Fahrerschulung droht Bußgeld

Heute soll es um das wichtigste Kapital gehen, das ein Transportunternehmer hat: um gut ausgebildete, motivierte Fahrer. Und ganz konkret frage ich mich, wie viele LKW demnächst auf dem Hof bleiben müssen, weil deren Fahrer ihrer Weiterbildungspflicht noch nicht nachgekommen sind.

Bis zum 10. September 2014 müssen Fahrzeugführer, die gewerblich Güter transportieren, eine Weiterbildung im Umfang von 35 Stunden absolviert haben. Das geht aus dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (BKrFQG) hervor.

Auf die geltenden Ausnahmeregelungen (Harmonisierungsfrist und Ausnahmen nach Paragraf 1 Absatz 2 BKrFQG) können sich nur wenige Fahrer berufen. Und wer ab 11. September 2014 nicht die Schlüsselzahl "95" als Weiterbildungsnachweis im Führerschein eingetragen hat, muss sein Fahrzeug stehen lassen oder mit einem Bußgeld rechnen.

Hohe Strafen gegen Unternehmer

Das Gleiche trifft auch auf das Unternehmen zu, das den Fahrer einsetzt. Die Höhe des Bußgelds wird je Arbeitsschicht berechnet: beim Fahrpersonal bis zu 5000 EUR und beim Unternehmer bis maximal 20.000 EUR. Und das ist kein Schreibfehler, sondern steht schwarz auf weiß im Bußgeldkatalog für Zuwiderhandlung gegen das BKrFQG. In anderen EU-Ländern kann die Höhe der Bußgelder übrigens sehr unterschiedlich ausfallen.

Rechtliche Grundlagen der Weiterbildungspflicht sind die EU-Richtlinie 2003/59/EG, das bereits genannte Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz und die Berufskraftfahrer-Qualifikations-Verordnung (BKrFQV), die Umfang und Ausgestaltung der Qualifizierung festlegt. Und anders als bei branchenbezogenen Weiterbildungsinitiativen (zum Beispiel der European Chemical Transport Association - Ecta) gilt dieses Regelwerk EU-weit für alle Fahrer, die gewerbliche Transporte durchführen. Allen Bemühungen gemeinsam, ob staatlich oder privatwirtschaftlich, ist das Ziel: die Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit und des Umweltschutzes.

Wer das als Geldschneiderei oder Willkür brandmarkt, hat so einiges nicht verstanden. Zum Beispiel, dass der Fahrer der entscheidende Faktor für den sicheren Transport und außerdem das Aushängeschild der Firma ist. Und dass sich der Beruf des Kraftfahrers in den letzten Jahren entscheidend verändert hat. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten haben sich vervielfacht - und das Gleiche trifft auf den Straßenverkehr zu.

Hinzu kommt die ständige technische Weiterentwicklung: Die besten Assistenzsysteme und Motoren nach Euro-Normen bringen nichts, wenn deren richtige Bedienung und Anwendung nicht beherrscht wird. Und genau aus diesen Gründen ist die Weiterbildung nach dem BKrFQG enorm wichtig. Nur so können Verkehrssicherheit und Umweltschutz tatsächlich verbessert werden.

Und überhaupt, Stichwort Geld: Gut ausgebildete Fahrer sind deutlich wirtschaftlicher unterwegs, das haben inzwischen verschiedene Untersuchungen bewiesen. Transportunternehmen, die in Zeiten wachsenden Konkurrenzdrucks auf reine Kostenreduktion anstatt auf Qualität beim Personal setzen, sparen, da bin ich sicher, letztlich am falschen Ende.

Klar ist aber auch, dass solche Argumente Zeit brauchen, sich durchzusetzen. Besonders kleinere Unternehmen haben deshalb mit dem Beginn der Weiterbildungsmaßnahmen gezögert und geraten nun unter Druck, weil die Uhr bis zum Stichtag unerbittlich tickt.

Mein Tipp an die Unternehmen für die nächste fünfjährige Weiterbildungsfrist ist daher ganz klar: "Jedes Jahr ein Seminar für die LKW-Fahrer einplanen." Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Kostenverteilung auf fünf Jahre
  • Kenntnisse der Fahrer immer auf aktuellem Stand
  • Nachhaltigkeit durch ständige Auffrischung

Und natürlich bleibt dann auch die Torschlusspanik vor dem nächsten Stichtag aus ...

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