|  17. März 2014
aktualisiert am 14.08.15 17:04h

Einweisen, sichern, dokumentieren

Fehlende Ladungssicherung kann teuer werden und im schlimmsten Fall Menschenleben kosten. Wer in der Kette Verlader, Fahrer und Halter wofür verantwortlich ist, wird anhand aktueller Urteile in loser Folge behandelt.

Mitarbeiter schulen

Der LKW-Halter muss dafür sorgen, dass Fahrer und die im Unternehmen für die Ladungssicherheit verantwortlichen Personen ausreichend geschult sind. Insbesondere die Anforderungen an die Ladungssicherung und die Sicherungsmöglichkeiten sowie deren praktische Umsetzung müssen vermittelt werden. Bei besonderen Gefahrenlagen oder Unklarheiten sind besondere Anweisungen zu erteilen. Gegebenenfalls muss sachverständige Unterstützung von Dritten zur Verfügung stehen.

Aussagekräftige Bestätigungen

Hinsichtlich Schulung und Anweisung ist auf eine aussagekräftige Dokumentation zu achten. In einem eventuellen Verfahren muss dargelegt werden können, welche Inhalte wann, wie und in welchem Umfang vermittelt worden sind.

Häufig erfolgt die Dokumentation der Einweisung von Fahrern in die Ladungssicherung durch eine schriftliche Bestätigung des Fahrers, dass er eine solche Einweisung erhalten habe. Eine solche Erklärung sagt jedoch nichts über Inhalt oder Umfang der Einweisung aus und ist daher kaum brauchbar. Es ist vielmehr darauf zu achten, dass Dokumente über Einweisungen oder Schulungen inhaltlich aussagekräftig und aktuell sind. Einweisungen oder Schulungen sollten regelmäßig wiederholt werden.

Sicherungsmittel bereitstellen

Der Halter muss dafür sorgen, dass seine Fahrer auf ausreichende und geeignete Ladungssicherungsmittel zugreifen können. Dabei genügt es, dass die Sicherungsmittel dem Fahrer in dem Moment zur Verfügung stehen, in dem er die Ladung zu sichern hat. Das kann auch dann der Fall sein, wenn die Sicherungsmittel zwar nicht im Fahrzeug liegen, wohl aber am Ladeort vorhanden sind. Dazu muss der Fahrer wissen, wo sich die Sicherungsmittel befinden und Zugang zu ihnen haben. Ein Nachweis darüber ist durch entsprechende Dokumentation möglich.

Stichprobenartige Kontrollen

Wie sich aus der bereits zitierten Entscheidung des Oberlandesgerichts Bamberg ergibt, sind permanent Kontrollen erforderlich. Es reicht aus, dass regelmäßig Stichproben vorgenommen werden. Unter regelmäßigen Stichproben allerdings nicht zu verstehen ist, dass der Disponent oder Halter immer mal wieder im Zusammenhang mit der Wahrnehmung anderer Aufgaben an den Fahrzeugen vorbeikommt und offensichtliche Auffälligkeiten beanstandet. Die stichprobenartigen Kontrollen sind ausreichend häufig durchzuführen und dürfen nicht allein von bestimmten Anlässen (etwa Fragen der Fahrer) abhängen. Sie müssen den konkreten Gefahrenlagen angepasst und hinreichend repräsentativ sein. Außerdem dürfen sie sich nicht auf Offensichtlichkeiten beschränken, so dass auch verdeckte Mängel erkannt werden können. Auch die Erfahrung und Zuverlässigkeit des betreffenden Fahrers ist zu berücksichtigen.

Die Kontrollen sollten ebenfalls dokumentiert werden. Dabei sind Fahrzeug und Ladung sowie Datum, Inhalt und Umfang der Kontrollen festzuhalten. Kommt es zu Beanstandungen, sollte dies ebenfalls vermerkt werden, zusammen mit den daraufhin ergriffenen Maßnahmen. Denn nur, wenn auch die Beanstandungen erfasst werden, ist für den Verantwortlichen erkennbar, wo eventuell grundlegende, immer wieder auftretende Defizite bestehen. Diese sind zu beseitigen, was ebenfalls zu notieren ist. Beispielsweise durch einheitliche Kontrollpraktiken. Was in einem Bundesland in Ordnung ist, wird im nächsten mit Bußgeld belegt. Vom benachbarten Ausland wollen wir gar nicht reden. Gerade im grenzüberschreitenden Verkehr ist eine europaweite Harmonisierung anzustreben. In Deutschland greift die VDI 2700, während in anderen europäischen Ländern die Sicherungskräftenorm EN 12195-1(2010) beachtet werden muss.

Da gibt es durchaus Verbesserungsbedarf. Es wäre sinnvoll, wenn Verlader klare Vorgaben liefern würden. Beispielsweise arbeiten wir mit einem Kunden zusammen, der mindestens 18 Spanngurte verlangt und "ausreichend Antirutschmatten". Was ausreichend ist, beurteilt jeder Mitarbeiter seines Lagerpersonals aber anders. Ein anderer Verlader fordert Hängerfahrzeuge an, die Ladungssicherungsanweisung gibt es aber nur für Sattelauflieger, die ja eine längere durchgehende Ladefläche haben. Das führt regelmäßig zu Differenzen zwischen Verlade- und Fahrpersonal über die Ladungssicherung.

Ich halte interne Mitarbeiterunterweisungen für die geeignete Alternative zu externen Schulungen. Denn dann kann auch speziell auf das eingesetzte Fahrzeug sowie das Ladegut eingegangen werden. Darüber hinaus bietet die Berufskraftfahrer-Weiterbildung eine gute Ergänzung.

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